http://www.faz.net/-gpf-993it

„Echo“ für umstrittene Rapper : Zivilcourage? Tote Hose.

Die Rapper Kollegah (links) und Farid Bang bei der „Echo“-Verleihung. Bild: dpa

In den Texten der Rapper Kollegah und Farid Bang gehören die Erniedrigung von Juden und Antisemitismus zur Leitkultur. Ihnen einen Preis zu verleihen, ist ein starkes Stück. Ein Kommentar.

          Es ist ein starkes Stück, was sich bei der Verleihung des Musikpreises „Echo“ in Berlin abgespielt hat. In der Kategorie „Hip-Hop/Urban National“ erhielten die Rapper Kollegah und Farid Bang den Preis. Die beiden Musiker provozieren mit Texten, in denen Frauen meist als „Huren“ auftreten, gerne auch mal vergewaltigt werden, in denen sich Gewaltorgien und Menschenverachtung durch die Verse ziehen und zu deren Leitkultur die Erniedrigung von Juden und Antisemitismus gehören.

          Jasper von Altenbockum

          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

          Zur verlogenen Rechtfertigung der beiden sogenannten Künstler gehört es, dass ihre Werke nur begreifen könne, der wisse, was ein „Battlerap“ sei – die rituelle und hyperventilierende Herabwürdigung („Dissen“) anderer, um sich selbst den Respekt des Stärkeren zu verschaffen. Was die Rapper anrichten, ist ihnen egal – wahrscheinlich fühlen sie sich sogar noch als die sozialen Ritter der Gewaltfreiheit im Getto abgehängter Parallelgesellschaften.

          Es gehe beim „Echo“ um Masse, nicht Klasse, so lautet eine der Entschuldigungen, warum der Preis dennoch verliehen wurde – prämiert werden schließlich Verkaufserfolge. Wichtiger war aber die Entscheidung der Jury, die Nominierung der beiden Männer überhaupt zuzulassen, und zwar „im Sinne der Kunstfreiheit“.

          Wenigstens Campino protestierte auf offener Bühne

          So lassen sich in Deutschland mittlerweile selbst Antisemitismus, Vergewaltigung und Menschenverachtung als Kulturgut verkaufen: Man muss die dümmste Verpackung nur zur Kunst erklären. Und es braucht 550 Mitläufer (Verzeihung: Juroren), von denen nicht ein einziger den Mut hatte, dieser Farce den Rücken zuzukehren.

          Wenigstens Campino, der Frontsänger der Toten Hosen, hatte den Mumm, auf offener Bühne zu protestieren (seinen Preis hat er natürlich schön behalten). Auch er hatte allerdings gewisse Argumentationsnöte. Denn „im Prinzip“ halte auch er Provokationen für gut – wer will schon als konservativer Spießer dastehen?

          Campino forderte Grenzen und ein Bewusstsein dafür, „was noch erträglich ist“. Dafür klammerte er sich an das politisch Korrekte – was zwei Sänger, die sich ihrer Brutalität und Rücksichtslosigkeit rühmen, nur milde belächeln werden. Ihren Kritikern drohen sie offen mit Gewalt. Das wirkte auch noch am Abend der Preisverleihung (und auch schon davor?). Niemand will sich mit ihnen anlegen. Sehen so Kultur und Moral einer Einwanderungsgesellschaft aus? Integration, Vielfalt, Fortschritt, Zivilcourage? Tote Hose.

          Weitere Themen

          Koalition wäre fast zerbrochen

          Kramp-Karrenbauer zu Maaßen : Koalition wäre fast zerbrochen

          Die Gefahr von Neuwahlen habe konkret im Raum gestanden, versucht die CDU-Generalsekretärin ihren Mitgliedern den Postenwechsel zu erklären. Laut Umfrage wünschen sich die meisten Deutschen, dass Maaßen gänzlich abtritt.

          Kein Koalitionsbruch wegen Maaßen Video-Seite öffnen

          Andrea Nahles : Kein Koalitionsbruch wegen Maaßen

          Sie sei nicht bereit, die Bundesregierung wegen einer Personalentscheidung von Horst Seehofer zu opfern, sagte SPD-Chefin Andrea Nahles am Mittwoch. Jetzt sollten sich alle auf die wichtigen Themen wie Pflege, Rente und Wohnraum konzentrieren.

          Topmeldungen

          Kramp-Karrenbauer zu Maaßen : Koalition wäre fast zerbrochen

          Die Gefahr von Neuwahlen habe konkret im Raum gestanden, versucht die CDU-Generalsekretärin ihren Mitgliedern den Postenwechsel zu erklären. Laut Umfrage wünschen sich die meisten Deutschen, dass Maaßen gänzlich abtritt.

          TV-Kritik: „Maischberger“ : Keiner braucht Espressokapseln

          Nun ist Plastikmüll auch bei Sandra Maischberger Thema. Trotz fachkundiger Gäste kommt man über Appelle kaum hinaus. Das Problem ist der Massenkonsum, doch es fehlen konkrete Beispiele, was Deutschland besser machen kann.

          Flüchtlingspolitik : Juncker bringt Kurswechsel ins Spiel

          Eine verpflichtende Quote für die Aufnahme von Flüchtlingen lähmt die EU seit Jahren. Das könnte sich bald ändern, deutet nun Jean-Claude Juncker beim Gipfel in Salzburg an. Beim Thema Brexit bleiben die Fronten dagegen hart.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.