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Veröffentlicht: 20.07.2012, 10:17 Uhr

Jahrestag des Hitler-Attentats Die Falschmeldung

Nur einmal während des Zweiten Weltkrieges setzte die BBC bewusst eine Falschmeldung ab: am 21. Juli, einen Tag nach dem Attentat Stauffenbergs auf Hitler.

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© ullstein bild 1943: Redaktionskonferenz der BBC: in der Mitte, stehend, Hugh Greene

In der Liste der Gewinner des Zweiten Weltkrieges - wie auch später der des Kalten Krieges - taucht eine auf den ersten Blick überraschende Buchstabenkombination auf: BBC. Wie viel davon nachholende Fehlwahrnehmung ist, lässt sich nicht mehr ermitteln. Auffällig ist jedenfalls, dass nach dem Krieg sehr viele Menschen behaupteten, sie hätten sich in den dunklen Jahren regelmäßig über die wirkliche Lage mit Hilfe der deutschsprachigen Sendungen informiert, die mit „Hier ist England“ eingeleitet wurden. Die BBC selbst ließ sich das späte Lob für ihre Anstrengungen natürlich gerne gefallen. Schließlich erhob sie unwidersprochen den Anspruch, den Deutschen während des gesamten Krieges stets publizistisch reinen Wein eingeschenkt zu haben; auch schon zu Zeiten, als die Kriegslage für Großbritannien noch sehr schwierig war.

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Hugh Carleton Greene, Chef des deutschsprachigen Dienstes während der Kriegsjahre, offenbarte Jahrzehnte später in einem Interview „seines“ Senders, einmal habe er ganz bewusst eine falsche Meldung in den Nachrichten senden lassen. Das sei am 21. Juli 1944 gewesen. Am Tag zuvor war das Attentat auf Adolf Hitler gescheitert und damit auch die Aussicht auf ein halbwegs unblutiges Ende des Krieges.

Greene wies also seine Redakteure an, die Hörer darüber zu „informieren“, dass „in Deutschland der Bürgerkrieg ausgebrochen“ sei. Das Selbstbewusstsein der Radiomacher im Londoner Funkhaus war also offenbar zu diesem Zeitpunkt groß genug, um sie hoffen zu lassen, mit dieser Falschmeldung eine nachhaltige Wirkung erzielen zu können. Gelungen ist die Operation jedenfalls nicht.

Verschiedene Fehleinschätzungen

Diese Episode fügt sich, wenn man so will, nahtlos ein in diverse Fehleinschätzungen der alliierten Seite über die Lage in Hitlers Deutschland. Viele Widerständler sahen sich schon vor Ausbruch des Krieges großem Misstrauen in Großbritannien gegenüber. Während sie ein „anderes Deutschland“ wollten, dominierte in vielen britischen Köpfen das Bild eines quasi von Natur aus aggressiven Deutschland, dem man unter keinen Umständen trauen könne.

Während des Krieges konnte sich diese Denkschule bestätigt fühlen. Das erleichterte die Arbeit der Propagandisten bei der BBC nicht gerade. Diese versuchten einerseits, zwischen Nazis und dem deutschen Volk zu unterscheiden. Andererseits durften sie aber die Politik der britischen Regierung nicht konterkarieren, die sich gegenüber ihren Verbündeten verpflichtet hatte, keine separaten Kontakte mit Deutschland zu pflegen, welche die gemeinsamen Anstrengungen hätten unterlaufen können.

Im französischsprachigen Programm konnte die BBC beispielsweise offen die Résistance unterstützen. Sogar verschlüsselte Anweisungen an einzelne Gruppen wurden gesendet. Aber in Richtung Deutschland war so etwas natürlich nicht möglich. Zwar wurden einzelne Widerstandsakte in den Programmen thematisiert. Die Widerständler adelte Hugh Greene persönlich vor dem Mikrofon als „Mitkämpfer“ der Alliierten. Aber er weigerte sich ausdrücklich, diese Deutschen zu Verbündeten von Briten und Amerikanern zu erklären.

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Quelle: wahlrecht.de
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