http://www.faz.net/-gpf-71gnf

Jahrestag des Hitler-Attentats : Die Falschmeldung

1943: Redaktionskonferenz der BBC: in der Mitte, stehend, Hugh Greene Bild: ullstein bild

Nur einmal während des Zweiten Weltkrieges setzte die BBC bewusst eine Falschmeldung ab: am 21. Juli, einen Tag nach dem Attentat Stauffenbergs auf Hitler.

          In der Liste der Gewinner des Zweiten Weltkrieges - wie auch später der des Kalten Krieges - taucht eine auf den ersten Blick überraschende Buchstabenkombination auf: BBC. Wie viel davon nachholende Fehlwahrnehmung ist, lässt sich nicht mehr ermitteln. Auffällig ist jedenfalls, dass nach dem Krieg sehr viele Menschen behaupteten, sie hätten sich in den dunklen Jahren regelmäßig über die wirkliche Lage mit Hilfe der deutschsprachigen Sendungen informiert, die mit „Hier ist England“ eingeleitet wurden. Die BBC selbst ließ sich das späte Lob für ihre Anstrengungen natürlich gerne gefallen. Schließlich erhob sie unwidersprochen den Anspruch, den Deutschen während des gesamten Krieges stets publizistisch reinen Wein eingeschenkt zu haben; auch schon zu Zeiten, als die Kriegslage für Großbritannien noch sehr schwierig war.

          Peter Sturm

          Redakteur in der Politik, zuständig für „Politische Bücher“.

          Hugh Carleton Greene, Chef des deutschsprachigen Dienstes während der Kriegsjahre, offenbarte Jahrzehnte später in einem Interview „seines“ Senders, einmal habe er ganz bewusst eine falsche Meldung in den Nachrichten senden lassen. Das sei am 21. Juli 1944 gewesen. Am Tag zuvor war das Attentat auf Adolf Hitler gescheitert und damit auch die Aussicht auf ein halbwegs unblutiges Ende des Krieges.

          Greene wies also seine Redakteure an, die Hörer darüber zu „informieren“, dass „in Deutschland der Bürgerkrieg ausgebrochen“ sei. Das Selbstbewusstsein der Radiomacher im Londoner Funkhaus war also offenbar zu diesem Zeitpunkt groß genug, um sie hoffen zu lassen, mit dieser Falschmeldung eine nachhaltige Wirkung erzielen zu können. Gelungen ist die Operation jedenfalls nicht.

          Verschiedene Fehleinschätzungen

          Diese Episode fügt sich, wenn man so will, nahtlos ein in diverse Fehleinschätzungen der alliierten Seite über die Lage in Hitlers Deutschland. Viele Widerständler sahen sich schon vor Ausbruch des Krieges großem Misstrauen in Großbritannien gegenüber. Während sie ein „anderes Deutschland“ wollten, dominierte in vielen britischen Köpfen das Bild eines quasi von Natur aus aggressiven Deutschland, dem man unter keinen Umständen trauen könne.

          Während des Krieges konnte sich diese Denkschule bestätigt fühlen. Das erleichterte die Arbeit der Propagandisten bei der BBC nicht gerade. Diese versuchten einerseits, zwischen Nazis und dem deutschen Volk zu unterscheiden. Andererseits durften sie aber die Politik der britischen Regierung nicht konterkarieren, die sich gegenüber ihren Verbündeten verpflichtet hatte, keine separaten Kontakte mit Deutschland zu pflegen, welche die gemeinsamen Anstrengungen hätten unterlaufen können.

          Im französischsprachigen Programm konnte die BBC beispielsweise offen die Résistance unterstützen. Sogar verschlüsselte Anweisungen an einzelne Gruppen wurden gesendet. Aber in Richtung Deutschland war so etwas natürlich nicht möglich. Zwar wurden einzelne Widerstandsakte in den Programmen thematisiert. Die Widerständler adelte Hugh Greene persönlich vor dem Mikrofon als „Mitkämpfer“ der Alliierten. Aber er weigerte sich ausdrücklich, diese Deutschen zu Verbündeten von Briten und Amerikanern zu erklären.

          Weitere Themen

          Veranstalter der Loveparade sagt aus Video-Seite öffnen

          Vor Gericht : Veranstalter der Loveparade sagt aus

          Anfang Mai hatte bereits der ehemalige Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland ausgesagt. Prozessbeobachtern zufolge äußerte sich der Politiker eher indifferent oder ausweichend. Viele Angehörige hoffen nun auf Antworten von Schaller.

          Wahlkampf in Deutschland Video-Seite öffnen

          Türkei will auf Tour gehen : Wahlkampf in Deutschland

          Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan auf Wahlkampftour im bosnischen Sarajevo. Dort sprach er fünf Wochen vor dem Urnengang in der Türkei, vor rund 15.000 Anhängern und bat sie um ihre Stimmen.

          Topmeldungen

          Nachruf auf Philip Roth : Ein Riese unter den Großen

          Witz und Rücksichtslosigkeit beim Blick auf sich selbst und seine Gesellschaft waren seine Prinzipien, den Nobelpreis hätte er hochverdient: Zum Tod des amerikanischen Schriftstellers Philip Roth.

          Neue Umfrage : Rekordzustimmung für die EU

          Die Finanzkrise und die Flüchtlingswelle haben das Ansehen der EU einst beschädigt. Nun ist es so gut wie noch nie – besonders in einem großen Land.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.