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Veröffentlicht: 19.08.2013, 14:02 Uhr

Islamisten im Raum Frankfurt Der Rhein-Main-Salafismus

Öffentliche Hasspredigten, Reisen nach Syrien und neue Allianzen - im Frankfurter Raum ballt sich eine Szene radikaler Muslime zusammen.

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© Helmut Fricke Frieden und Vernichtung: Pierre Vogel spricht im April 2011 auf dem Frankfurter Rossmarkt

Vor zwei Jahren stand Pierre Vogel auf einem großen Bühnenwagen mitten auf dem Roßmarkt in der Frankfurter Innenstadt und predigte, was er immer predigt. „Egal, ob die ganze Welt gegen uns ist“, rief er in die Menge, „Allah ist auf unserer Seite“. Er stand da, in seinem weißen Gewand, und redete fast eine Stunde auf die Menschen ein. Mehr als Tausend waren gekommen, um ihn zu hören. Sie standen dicht gedrängt auf dem Platz, rechts die Frauen, links die Männer, strikt voneinander getrennt. Sie nickten, als Vogel davon sprach, der Islam sei die einzig wahre Religion, und riefen, mit hochgereckter Faust, „Allahu Akbar“.

Vogel selbst feierte jenen Abend des 20. April als Erfolg. Nur zwei Wochen später meldete er wieder eine Kundgebung in Frankfurt an und predigte abermals, diesmal allerdings vor weitaus weniger Menschen, weil die Stadt den Veranstaltungsort in die Peripherie verlegte. Dennoch hält sich Vogel seitdem gern in Frankfurt auf. Vor allem in den vergangenen Wochen, nachdem er nach fast zweijähriger Abstinenz wieder aus Ägypten zurückgekehrt ist.

Im Juli erschien Vogel plötzlich auf der Frankfurter Einkaufsstraße Zeil und begleitete eine Gruppe junger Muslime, die aus dem Bollerwagen heraus Exemplare des Korans verteilten. Möglicherweise hatte er zu diesem Zeitpunkt schon geplant, seinen „2. Islamischen Friedenskongress“, der am 7. September stattfinden soll, in Frankfurt abzuhalten. Diesmal wollte er sich aber nicht umquartieren lassen. Er beharrte auf dem zentralen Platz in der Innenstadt. Weil er weiß, dass dort die Menschen hinkommen. Und dass er dort den Nährboden findet, den er sucht.

Hohe Personenpotentiale im Rhein-Main-Gebiet

Dass Prediger wie Vogel sich verstärkt ins Rhein-Main-Gebiet orientieren, ist eine Entwicklung, die die Sicherheitsbehörden schon seit einiger Zeit beobachten. Nach genereller Einschätzung verfestigen sich in Hessen die Strukturen innerhalb der salafistischen Szene. Neben umstrittenen Islamseminaren, die schon seit Jahren stattfinden, um junge Muslime bis hin zum Dschihad zu radikalisieren, sind es vor allem die Aktivitäten prominenter Prediger, die den Sicherheitsbehörden Sorge bereiten.

So war im vergangenen Jahr Mohamed Mahmoud, einer der radikalsten in Deutschland lebenden Salafisten, in das Rhein-Main-Gebiet gekommen. Der gebürtige Österreicher war von Solingen nach Erbach im Odenwald gezogen. Wenig später sollte er auf Betreiben des hessischen Innenministers Boris Rhein (CDU) ausgewiesen werden und reiste daraufhin freiwillig aus. Er setzte sich nach Ägypten ab, inzwischen ist er in der Türkei in Haft. Nun drängt Vogel in die regionale Szene, kaum dass er sich wieder in Deutschland aufhält. Neben Mahmoud ist er die zweite „prominente Figur“, die die Region rund um Frankfurt nutzt.

Das Rhein-Main-Gebiet sei aufgrund seiner Bevölkerungsstruktur eine Region, „in der salafistische Missionierungsnetze in besonders hohem Maße Personenpotentiale antreffen, die ihrer typischen Zielgruppe entsprechen“, heißt es beim hessischen Verfassungsschutz. Das Weltbild der Salafisten habe vor allem für Konvertiten und muslimische Migranten der zweiten und dritten Generation eine hohe Anziehungskraft. Dieses Nährbodens scheinen sich die Prediger zu bedienen.

Netzwerk verboten, Akteure weiter aktiv

So reisten erst im Juli acht junge Männer aus Frankfurt und Offenbach nach Syrien aus, nachdem sie in hohem Maße radikalisiert worden waren. Offenbar war ihr Ziel, sich dort an Kämpfen zu beteiligen. Die Ausreise geschah in einer Nacht-und-Nebel-Aktion. Sie mieteten sich einen Bus und fuhren über die Grenze in die Türkei, dann weiter nach Syrien. Die Polizei, die nun wegen Verdachts der „Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat“ ermittelt, sieht die Männer in Verbindung zum Missionierungsnetz „Dawa Ffm“, jenem Verein, der im März vergangenen Jahres von Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) verboten worden war. Auch bei dem Attentäter Arid Uka, der im März 2011 zwei amerikanische Soldaten am Frankfurter Flughafen ermordete, wurden Verbindungen zu Dawa Ffm geprüft, konnten aber letztlich nicht nachgewiesen werden.

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