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Islamismus im Netz : „Sie spielen mit den Ängsten der Jugendlichen“

  • -Aktualisiert am

Wenn Jugendliche nach Videos der Rapper Farid Bang oder Massiv suchen, stoßen sie häufig auf Botschaften von Dschihadisten, wie diese hier. Bild: Screenshot YouTube/jugendschutz.net

Sie rekrutieren Jugendliche als Kämpfer und heroisieren Selbstmordattentäter: Die Propaganda der Terrormiliz „Islamischer Staat“ überflutet soziale Netzwerke. Patrick Frankenberger von „jugendschutz.net“ berichtet im Interview von seinem Kampf gegen die Hetze.

          Wer danach sucht, findet sie schnell: Die sozialen Netzwerke sind voll von islamistischer Propaganda. Es gibt Bilder zu sehen, die an Filmplakate erinnern und zum Dschihad aufrufen. In anderen exekutieren IS-Kämpfer gegnerische Soldaten. In professionell gedrehten Videos wird das Leben im Kalifat verherrlicht. Welche Ausmaße hat der Hass im Netz? Was kann man dagegen tun? Patrick Frankenberger ist für Islamismus bei jugendschutz.net zutsändig. Seine Abteilung dokumentiert Propaganda und bemüht sich um das Löschen der Inhalte.

          Islamistische Propaganda und Jugendliche – wer findet hier wen im Netz? Suchen Jugendliche meist selbst nach den Inhalten oder werden sie von islamistischen Kanälen kontaktiert?

          Jugendliche können im Netz leicht auf islamistische Inhalte stoßen.  Islamisten ködern sie gezielt, indem sie Videospiele, Musik oder Fragen der eigenen Identität thematisieren. Also alles, was junge Menschen interessiert. Zum Beispiel wurde das Cover des Spiels „Call of Duty“ so bearbeitet, dass es ein Aufruf zum Dschihad war. Und man muss leider sagen: Das war ein sehr professionell und ansprechend gemachtes Bild. Aber sie beziehen sich auch auf den Hip-Hop.

          Wie muss man sich das vorstellen?

          Die Zielgruppe dieser Art der Propaganda sind Fans von Rappern. Also stellen die Islamisten Videos bei YouTube ein, die zum Beispiel „Botschaft an Farid Bang“ heißen. Wenn ein Jugendlicher nach dem Namen dieses Rappers sucht, stößt er auf besagtes Video. Dahinter verbirgt sich aber keineswegs Musik, sondern ein Dschihadist, der in dem Video darüber spricht, dass die Rapper keine guten Muslime seien, und dass man sich am bewaffneten Kampf in Syrien beteiligen solle. So betitelte Clips erreichen regelmäßig relativ hohe Klickzahlen.

          Können Videos mit Gewaltszenen Jugendliche zu echter Gewalt animieren? Das erinnert an die alte Diskussion um „Killerspiele“.

          Das hat mit Killerspielen nichts zu tun. Die Videos, um die es hier geht, sind tödlicher Ernst. Sie zeigen reale Gewalt gegen Menschen oder die Folgen davon. Aus Sicht des Jugendschutzes geht es um eine potentiell verrohende Wirkung aber auch um die Konfrontation mit drastischen Darstellungen. Diese können Kinder und Jugendliche schockieren und verstören und somit ihre Entwicklung potentiell gefährden. Wir stellen immer wieder zwei Formen der Gewalt-Propaganda in Videos und Bildern fest. Die erste zeigt Opfer aus der eigenen Reihe, beispielsweise Videos von im Krieg getöteten Kindern. Sie sind mit Schlagworten versehen, sodass beim Publikum beispielsweise hängen bleibt: Juden oder Schiiten töten muslimische Kinder. So etwas erreicht Jugendliche über Emotionen, appelliert an ihren Beschützerinstinkt und kann dadurch eine anstachelnde Wirkung entfalten. Gleichzeitig wird eine Feindgruppe präsentiert, auf die sich die Wut kanalisieren lässt. Unter solchen Beiträgen kommentieren dann auch Jugendliche in hasserfüllter Weise.

          Und die zweite Form dieser Propaganda?

          Das sind zum Beispiel die Videos des "Islamischen Staats", in denen Hinrichtungen in Szene gesetzt werden, also Gewalt der eigenen Gruppe gegen die Feinde. Die dargestellten Exekutionen werden in der Propaganda fast immer legitimiert und somit als gerechtfertigt dargestellt. Die Grausamkeit und Menschenverachtung solcher Videos dürfte die meisten Rezipienten eher abschrecken, aber wir konnten beobachten, dass jugendliche IS-Sympathisanten diese Videos auch glorifizierten.

          Und wie können Jugendliche Propaganda als solche erkennen?

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