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Islam und Christentum : Was zu uns gehört

Ist die Debatte, ob der Islam zu Deutschland gehört, leid: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier Bild: dpa

Der Staat darf nichts von einer Religion erwarten, außer, dass sie sich im Rahmen der Verfassung bewegt. Das ist nicht wenig – gerade mit Blick auf den Islam. Ein Kommentar.

          Als Christian Wulff seine berühmt-berüchtigten Sätze sprach „Der Islam gehört zu Deutschland“ und – nicht zu vergessen – „Das Christentum gehört zweifelsfrei zur Türkei“, konnte das nicht als Beschreibung einer althergebrachten Prägung des jeweiligen Landes verstanden werden. Sondern als Aufruf zur Integration, zu Religionsfreiheit und friedlichem Miteinander, dem sich auch Bundeskanzlerin Merkel angeschlossen hat. Auch wer diesen Satz ablehnt, wie Bundesinnenminister Seehofer, kommt nicht daran vorbei, dass hierzulande Millionen Muslime ihren Glauben leben. Dass sie das auch dürfen, dafür muss eintreten, wem der freiheitliche Rechtsstaat am Herzen liegt.

          Der jetzige Bundespräsident Steinmeier meint nun, „statt endlos darüber zu diskutieren“, ob der Islam zu Deutschland gehöre, sollten wir uns als Christen und mit unseren muslimischen Nachbarn darüber unterhalten, inwiefern Christentum und Islam auf Fragen der jungen Leute überzeugende Antworten gäben. Die entscheidende Frage ist freilich: was für ein Christentum, was für ein Islam? Der Staat darf gar nichts von einer Religion erwarten, außer, dass sie sich im Rahmen der Verfassung bewegt. Das ist nicht wenig. Dazu gehört, dass Staatsdiener neutral auftreten müssen, dass Frauen, Homosexuelle und Angehörige anderer Religionen nicht als minderwertig behandelt werden dürfen. Man darf zum Glück alles Mögliche glauben und meinen in Deutschland, aber ihre Grenzen haben diese Rechte in den Grundrechten der anderen und in anderen Werten von Verfassungsrang.

          Auch das sagt und lernt sich leicht, ist aber nicht leicht zu verinnerlichen. Gut, dass Steinmeier das Verächtlichmachen der muslimischen Mitbürger anprangert. Ja, der Islam wird „in Indonesien anders gelebt als in Iran oder in Nigeria“. Rosig für Andersgläubige und für persönliche Freiheiten sieht es freilich in kaum einem islamisch geprägten Land aus. Es ist zu hoffen, dass dieser freiheitliche Verfassungsstaat, der Millionen Verfolgte aufgenommen hat und an Schulen und Universitäten ein friedliches Miteinander der Religionen lehrt, etwas ausstrahlen kann in die Welt. Dazu gehört Standhaftigkeit gegenüber Gewalt und Hetze jedweder Art. Dass diese mühsam errungene Ordnung auch christlich geprägt ist, muss nicht verschwiegen werden.

          Reinhard Müller

          Verantwortlicher Redakteur für „Zeitgeschehen“, „Staat und Recht“ sowie Frankfurter Allgemeine Einspruch.

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