13.03.2010 · Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, spricht im FAZ.NET-Interview über seinen Besuch beim Papst, das „abscheuliche Verbrechen“ des sexuellen Missbrauchs und die Christenverfolgung in der Welt.
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, spricht im FAZ.NET-Interview über seinen Besuch beim Papst, die Missbrauchsfälle und die Christenverfolgung in der Welt: „Wir dürfen Unrecht an Christen nicht zulassen“, sagt er.
Es gibt überall Kindesmissbrauch. Gleichwohl entsteht der Eindruck, im katholischen Milieu sei er zumindest in der Vergangenheit besonders verbreitet gewesen. Woran liegt das?
Sexueller Missbrauch an Minderjährigen ist ein abscheuliches Verbrechen. Dieses Wort von Papst Benedikt XVI. mache ich mir zu eigen. Gegenwärtig konzentrieren sich die Missbrauchsvorwürfe auf die katholische Kirche. Ich möchte nichts kleinreden und sage ganz klar, dass jeder Fall eines Missbrauchs in der Kirche besonders schwer wiegt und durch nichts zu entschuldigen ist. Aber wir wissen aus empirischen Untersuchungen, dass das Problem des Missbrauchs in anderen Zusammenhängen noch ausgeprägter zutage tritt, vor allem leider im familiären Bereich. Natürlich ist es besonders erschreckend, wenn es bei uns einen Missbrauch gibt, weil das besondere Vertrauen ausgenützt wird, dass Kinder und junge Leute einem Geistlichen oder kirchlichen Mitarbeiter entgegenbringen. Umso entschiedener müssen wir das aufarbeiten und Vorsorge treffen, dass dieses Verbrechen nicht wieder geschieht
Sie haben nun ausführlich mit Papst Benedikt XVI. über das Problem gesprochen. Was sagte der Papst. Was sollen Sie tun? Wie sollte der Runde Tisch in Berlin Ihrer beiden Ansicht nach aussehen?
Der Heilige Vater war sehr betroffen von meinem Bericht. Ich habe eine große Bewegtheit gespürt. Er hat mich ermutigt, den eingeschlagenen Weg der lückenlosen Aufklärung in der Deutschen Bischofskonferenz fortzusetzen. Es hat mich tief beeindruckt, wie sehr er Anteil an der Situation in Deutschland nimmt. Er hat ja in den USA und in Australien bedrückende Erfahrungen mit diesem tragischen Problem gesammelt. Ich fühle mich durch den Papst bestärkt, dass wir uns weiterhin entschieden und ohne Angst dem Problem des Missbrauchs stellen. Er hat unsere 2002 beschlossenen Leitlinien der Bischofskonferenz sehr positiv gewürdigt. Sie helfen uns, konsequent Verantwortung zu übernehmen. Dazu gehört auch, dass wir möglichst viel im Bereich der Prävention tun. Deshalb sehe ich einem Runden Tisch aller gesellschaftlich relevanten Gruppen zum Thema Missbrauch bei der Bundesfamilienministerin positiv entgegen. Wir sind dabei.
Alltäglich erreichen uns Meldungen über Christenverfolgungen in der Welt. Sie waren selbst vor einigen Monaten in Nigeria, von wo uns derzeit über Christenermordungen berichtet wird. Was kann die Kirche dagegen tun? Was die Politik, wir alle?
Wir müssen gewiss unermüdlich daran arbeiten, einander besser zu verstehen. Es spielen aber viele Faktoren eine Rolle, auch die Einstellung der Meinungsführer. In diesen Tagen ist die oberste Lehrautorität des sunnitischen Islam, Großscheich Mohammed al-Tantawi von Ägypten, gestorben. Der Papst hat sein tiefes, in der islamischen Welt äußerst positiv aufgenommenes Beileid ausgedrückt. Scheich Tantawi war jemand, mit dem man Brücken bauen konnte. Ähnliche positive Erfahrungen gibt es auch in Nigeria. Es können auf diese Weise tiefergreifende Ressentiments relativiert werden.
Natürlich gibt es eine vielschichtige Gewaltgeschichte der Religionen, aber eben auch eine große Friedenskraft, die von ihnen ausgeht. Die Not der Christen, die heute gewaltsam unterdrückt werden, bedrückt mich besonders. Hier sind auch politische Maßnahmen nötig, sowohl international als auch in Deutschland. Das ist notwendig in Konfliktregionen wie Nigeria. Religiöse Mehrheiten dürfen keine Ausschreitungen provozieren. Wir dürfen Unrecht an Christen nicht zulassen. Deshalb wird es gut, wenn sich der Heilige Stuhl verstärkt in den politischen Dialog einlässt, und zwar in solchen Staaten, wo die Rechte der Christen mit Füßen getreten werden. Wir haben eine solidarische Verantwortung für die Christen in den Staaten mit christlichen Minderheiten.
Fall für den Exorzismus ?!
Heinz Mayer (Herbertinus)
- 14.03.2010, 14:14 Uhr