15.05.2010 · Von einer Debatte über Ganzkörperschleier hält die Integrationsbeauftragte Maria Böhmer nichts. „Ich weiß nicht, wem in unserem Land auf der Straße schon einmal eine Burka begegnet ist“, sagte sie der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU), hat vor einer Debatte über die Burka in Deutschland gewarnt. „Ich halte nichts davon, eine Diskussion über die Burka, wie sie in Frankreich und Belgien stattfindet, nach Deutschland zu tragen“, sagte Frau Böhmer der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (F.A.S.). „Ich weiß nicht, wem in unserem Land auf der Straße schon einmal eine Burka begegnet ist.“
In Deutschland lenke eine Burka-Diskussion von den „eigentlichen Kernproblemen der Integration“ ab, sagte Frau Böhmer: „Dazu gehört, dass die Gleichberechtigung von Mann und Frau, wie sie das Grundgesetz garantiert, selbstverständlich für alle Frauen in Deutschland gilt.“ Das müsse auch Thema in der Deutschen Islamkonferenz sein, die am Montag beginnt.
Auch der Zentralrat der Muslime in Deutschland lehnt eine Burka-Diskussion ab. „In der muslimischen Community in Deutschland spielt das Thema Burka keine Rolle“, sagte Generalsekretär Aiman Mazyek der F.A.S. Im Islam sei das Tragen der Burka kein Gebot. Mazyek sprach sich zugleich gegen Verbotsgesetze aus. Im Übrigen gehe der Zentralrat davon aus, dass ein Verbot verfassungsmäßig nicht standhielte. „Jeder oder jede kann sich so kleiden, wie er es für richtig hält, auch wenn es mir persönlich nicht gefällt, dies ist ein freiheitliches Gebot unserer Grundordnung.“
Die Deutsch-Arabische Gesellschaft hält die derzeitige Rechtslage für ausreichend. „In Deutschland haben wir das Vermummungsverbot als Bestandteil des Versammlungsrechts, das analog anzuwenden ist“, sagte Generalsekretär Harald Moritz Bock der F.A.S. Wer auf Dauer in Deutschland leben wolle, müsse sich den Regeln anpassen. „Das sollten wir den Leuten auch schon bei der Einreise nachdrücklich verdeutlichen.“ Der Respekt vor Gebräuchen und Religion anderer habe seine Grenzen dort, wo „unsere Lebensformen gestört werden“.