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Verunglückter Journalist : Innehalten im Hambacher Forst

Eine Aktivistin trauert an der Unfallstelle. Bild: EPA

Nach dem tödlichen Absturz eines Bloggers wurde für den Hambacher Forst ein Räumungsmoratorium erlassen. Ein Teil der Aktivsten soll die Pause nutzen, um schon wieder neue Barrikaden zu errichten.

          Am Donnerstagmorgen wirkt der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU) bedrückt vom tödlichen Absturz eines Journalisten im Hambacher Forst. „Ich bin tief betroffen über das Unglück“, sagt Reul. „Meine Gedanken sind bei den Angehörigen und Freunden des Toten. In solchen Situationen merkt man noch mal, dass alles andere, auch der politische Streit, nebensächlich ist.“ Während der Plenarsitzung des Landtags hatte Reul am Mittwochnachmittag von seinem Stab die Nachricht vom schweren Unfall im Hambacher Forst übermittelt bekommen: Ein junger Mann, vermutlich ein Journalist, sei durch die Bretter einer zwischen zwei Baumhäusern gespannten Hängebrücke fünfzehn Meter in die Tiefe gestürzt. Nur wenig später starb der Mann auf dem Weg ins Krankenhaus. Gegen 19.30 Uhr am Mittwochabend teilte Reul dann während einer Pressekonferenz im Landtag mit, dass es nun gelte, innezuhalten. „Vor dem Hintergrund dieses schlimmen Ereignisses haben wir als Landesregierung beschlossen, die Räumung des Geländes bis auf Weiteres auszusetzen. Wir können jetzt nicht einfach so weitermachen – zumindest ich kann das nicht.“

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Steffen M. war Berichterstatter. Er war eng mit den Waldbesetzern verbunden. Auf einem Internetblog machte er PR für die Szene. Schon seit längerem hielt er sich in den Baumhäusern auf, die Aktivisten in den vergangenen Jahren in den Hambacher Forst gebaut haben. Die Waldbesetzer wollen den Energiekonzern RWE daran hindern, weitere Teile des Forsts abzuholzen und den Braunkohletagebau Hambach voranzutreiben. Vor einer Woche hatten die örtlichen Ordnungsbehörden und RWE-Mitarbeiter mit Unterstützung eines großen Polizeiaufgebots für die Aktivisten überraschend damit begonnen, die Baumhäuser zu räumen und abzureißen. Die nordrhein-westfälische Landesregierung begründet ihr Vorgehen mit der Pflicht zur Gefahrenabwehr. Wegen erheblicher baulicher Mängel und massiver Verstöße gegen Brandschutzvorschriften sei die Situation „schlicht lebensgefährlich“, es bestehe „Gefahr für Leib und Leben“, hieß es in den Verfügungen, mit denen den Aktivisten die weitere Nutzung der Häuser verboten wurde.

          Keine Polizeimaßnahmen in der Nähe des Unglücks

          Obwohl dann auch Gerichte ihr Plazet für das Vorgehen der Landesregierung gaben, weigerten sich die Aktivisten, den Wald zu verlassen. Bis Mittwochmittag waren 39 der insgesamt rund 50 Häuser geräumt. Sechseinhalb Tage lang lief die Aktion ohne größere Zwischenfälle. Und auch das tödliche Unglück hat nach Angaben der Polizei nichts mit der Räumung zu tun. Schon am Mittwochnachmittag hatte ein Sprecher der Aachener Polizei klargestellt, dass es zum Zeitpunkt des Unglücks in der Nähe der Unfallstelle keine Polizeimaßnahmen gegeben habe. Im Gegenteil. Ein Polizeisprecher habe einen anderen Journalisten begleitet, der Steffen M. eine neue Speicherkarte übergeben wollte. Der Beamte soll anwesend gewesen sein, weil das Areal unter dem betreffenden Baumhaus schon geräumt und mit Flatterband abgesperrt war. Zum Unglück sei es gekommen, als Steffen M. von der Hängebrücke aus die Speicherkarte per Seilzug nach oben ziehen wollte.

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