Home
http://www.faz.net/-gpg-7ag8q
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

In NRW und Niedersachsen Mutmaßliche türkische Linksterroristen festgenommen

Die türkische linksextreme Terrorgruppe DHKP-C wird auch aus Deutschland unterstützt. Ihr wird unter anderem ein Attentat vor der amerikanischen Botschaft in Ankara zugerechnet. Nun hat es weitere Festnahmen gegeben.

Polizisten von mehreren Landeskriminalämtern und vom Bundeskriminalamt (BKA) haben am Mittwoch in Niedersachsen die beiden türkischen Staatsangehörigen Sonnur D. und Muzaffer D. und in Nordrhein-Westfalen die beiden türkischen Staatsangehörigen Latife C. und Özkan G. verhaftet. Den zwei Männern und zwei Frauen wird vorgeworfen, Mitglieder der ausländischen terroristischen Vereinigung „Revolutionäre Volksbefreiungspartei/-front“ (DHKP-C) zu sein.

Zudem durchsuchten 270 Polizisten aus mehreren Bundesländern und des BKA drei Dutzend Wohnungen und der DHKP-C zuzurechnende Vereins- und Geschäftsräume in Deutschland. Auch in Österreich und den Niederlanden fanden im Wege der Amtshilfe Durchsuchungen statt.

Die „Revolutionäre Volksbefreiungspartei/-front““ (DHKP-C) hat es sich nach Angaben der Ermittlungsbehörden zum Ziel gesetzt, den türkischen Staat mittels eines „bewaffneten Kampfes“ zu beseitigen und durch ein marxistisch-leninistisches Regime unter ihrer Kontrolle zu ersetzen. Die radikal linke Gruppierung habe seit ihrer Gründung im Jahre 1994 in der Türkei zahlreiche Tötungsdelikte begangen sowie eine Vielzahl von Brand- und Sprengstoffanschlägen verübt. Seit dem Jahre 2001 hat sie dabei wiederholt Selbstmordattentäter eingesetzt.

Attentäter in Ankara soll aus Deutschland gekommen sein

Im Juni, September und Dezember 2012 verübten Mitglieder der Gruppierung Anschläge auf Polizeireviere in Istanbul. Ein Attentat vor der amerikanischen Botschaft in Ankara Anfang Februar 2013 wurde von türkischen Sicherheitsbehörden ebenfalls der Gruppierung zugerechnet.

Der Attentäter, Ecevit S., soll zuvor in Deutschland gelebt haben. Nach einem Asylantrag, der abgelehnt wurde, war er demnach untergetaucht. Nach Angaben türkischer Medien war der Mann über die griechischen Inseln mit einem gefälschten Ausweis in die Türkei gekommen. Die Bundesanwaltschaft hatte gegen ihn ein Ermittlungsverfahren wegen der Mitgliedschaft bei der DHKP-C geführt.

Laut Verfassungsschutz sind in Deutschland zahlreiche Ableger türkischer extremistischer Bewegungen tätig, darunter die Arbeiterpartei Kurdistans (PKK). Die „Revolutionäre Volkspartei-Front“ soll nach Angaben des Verfassungsschutzes etwa 650 Anhänger in Deutschland haben. Wer ihr hiesiger Führer ist, weiß das Amt allerdings nicht, seit 2008 der damalige „Generalsekretär“ Dursun K. gestorben ist.

In Deutschland ist die DHKP-C seit 1998 verboten, seit 2002 wird sie von der Europäischen Union als terroristische Organisation gelistet. In mehreren Strafverfahren wurden 2012 in Düsseldorf, München und Berlin Mitglieder der Vereinigung zu Freiheitsstrafen von bis zu sechs Jahren verurteilt. Die Organisation war nach Einschätzung des Bundesamtes für Verfassungsschutz Ende 2012 zwar geschwächt, es gelinge ihr aber gleichwohl nach Anschlägen in der Türkei „vermehrt, ihre Anhänger zu mobilisieren und neu, vor allem junge Unterstützer zu rekrutieren“. Die Organisation schaffe es gleichzeitig, so der Verfassungsschutz in seinem kürzlich publizierten Jahresbericht, „strukturelle Schwächen zu beseitigen“. Aus diesem Befund scheinen die Strafverfolgungsbehörden Konsequenzen zu ziehen.

Mehr zum Thema

Quelle: FAZ.NET mit pca.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Krieg in Syrien Der Stoßtrupp des Dschihad

Die Tschetschenen gelten in Syrien als knallharte Kämpfer. Tausend sind schon da. Auch aus Deutschland zieht es immer mehr zu ihnen. Ein blonder Hüne ist der Star. Er hat die Soldaten Syriens gegründet. Mehr Von Markus Wehner

08.12.2014, 20:11 Uhr | Politik
Tote bei Ausschreitungen in der Türkei

Tausende Kurden haben von der Regierung in Ankara gefordert, mehr zum Schutz der nordsyrischen Stadt Kobanes zu unternehmen. Mehr

08.10.2014, 07:36 Uhr | Aktuell
Syrien Drusen rufen zum Kampf gegen Assad auf

Der Drusenführer Walid Dschumblat im Libanon hält den Einsatz des Westens gegen den Islamischen Staat für verfehlt. Wenn sich Iran, Saudi-Arabien, die Türkei, Amerika und Russland nicht einigten, werde der Syrien-Krieg noch sehr lange dauern. Mehr Von Markus Bickel, Kairo

05.12.2014, 16:08 Uhr | Politik
Türkei bestellt deutschen Botschafter ein

Die Empörung über BND-Tätigkeiten in der Türkei ist groß. Das türkische Außenministerium hat den deutschen Botschafter zu den Spionagevorwürfen einbestellt. Mehr

19.08.2014, 10:03 Uhr | Politik
Massengrab in Syrien entdeckt Massaker für Öl und Land

Im Osten Syriens wurde ein Massengrab mit Zivilisten des Scheitat-Stammes entdeckt. Sie gehen auf das Konto des IS. Im Nordwesten gewinnt indes die Nusra-Front an Macht und setzt Assad weiter unter Druck. Mehr Von Markus Bickel, Kairo

19.12.2014, 07:48 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 26.06.2013, 16:27 Uhr