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In Guttenbergs früherem Wahlkreis : Eine Königin folgt auf den Freiherrn

  • -Aktualisiert am

Karl-Theodor zu Guttenberg Mitte Januar auf dem „Alpensymposium“ im schweizerischen Interlaken Bild: dpa

Seehofers Mahnung, die CSU müsse jünger und weiblicher werden, ist in Oberfranken nicht auf taube Ohren gestoßen: Die 25 Jahre alte Emmi Zeulner tritt im Bundestagswahlkreis Kulmbach die Nachfolge zu Guttenbergs an.

          Anhänger des dynastischen Denkens mögen ihre Freude daran haben: Eine Königin folgt auf einen Freiherrn. Emmi Zeulner kann zwar mit der Fülle der Vornamen von Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jakob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg, auf den sie als CSU-Kandidatin im Bundestagswahlkreis Kulmbach folgt, nicht konkurrieren. Sie ist aber in ihrer oberfränkischen Heimatgemeinde Lichtenfels eine veritable „Korbstadtkönigin“ gewesen. Lichtenfels ist lange ein Zentrum des Korbhandels gewesen; im 19. Jahrhundert wurden Handelsbeziehungen in fast alle Kontinente unterhalten. Dieses Erbe wird gepflegt, in immer noch in der Stadt ansässigen Flechtunternehmen, auf einem jährlichen Korbmarkt - und mit einer Korbstadtkönigin.

          CSU-Bundestagskandidatin Emmi Zeulner
          CSU-Bundestagskandidatin Emmi Zeulner : Bild: dpa

          Die Königinnenkrone hat Emmi Zeulner schon längst weitergegeben; die Erfahrungen in diesem Ehrenamt, auf Menschen zuzugehen, werden der CSU-Politikerin bei der Kandidatur für den Bundestag aber nicht schaden. Ihre Partei hat mit der 25 Jahre alten gelernten Krankenschwester, die jetzt Volkswirtschaft mit einem Schwerpunkt auf Sprachen in Bamberg studiert, einen Schlussstrich unter ein schmerzliches Kapitel der jüngeren Parteigeschichte gezogen. In den vergangenen Jahren schien es, als liege für die CSU ein Fluch über dem Bundestagswahlkreis Kulmbach. 1990 bis 2002 hieß der gewählte Abgeordnete Bernd Protzner, der zeitweilig CSU-Generalsekretär war: Seine politische Laufbahn endete in den Turbulenzen eines Steuerstrafverfahrens.

          Auf Protzner folgte im Wahlkreis 2002 Karl-Theodor zu Guttenberg. Er gehörte zu einer jungen Garde, die als Teil der Generation Stoiber in der oberfränkischen CSU ihren Weg machte. Oberfranken ist in Teilen ein verspätetes CSU-Land; von der Industrialisierung im 19. Jahrhundert und Anfang des 20. Jahrhunderts - mit Textil-, Porzellan-, Glas- und Maschinenbauunternehmen - war es im Vergleich zu anderen bayerischen Regionen lange eine Hochburg der SPD. Mit Guttenbergs kometenhaftem Aufstieg brach eine goldene Zeit für die oberfränkische CSU an, die mit seinem tiefen Sturz abrupt endete.

          Bewährte Rekrutierungsmuster

          Emmi Zeulner, mit vier Geschwistern in einer Gastwirtsfamilie aufgewachsen, steht für eine Rückkehr der CSU zu bewährten Rekrutierungsmustern. Sie ist traditionell eine Partei der Aufsteiger, vom Metzgerssohn Franz Josef Strauß bis zu Horst Seehofer, dessen Vater Lastwagenfahrer und Bauarbeiter war.

          Frau Zeulner, die sich auf einer Delegiertenversammlung gegen zwei Mitbewerber durchsetzte, schlägt diesen Akkord klug an. Sie habe nicht die Ausstrahlung und die rhetorische Kraft Guttenbergs: „Ich bin mir bewusst, dass ich einfach hart arbeiten muss. Das ist mein Weg“, wird sie in ihrer Heimatzeitung „Fränkischer Tag“ zitiert. Seehofers Mahnung, die CSU müsse jünger und weiblicher werden, ist in Oberfranken nicht auf taube Ohren gestoßen.

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