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Im Porträt: Torsten Albig Eigener Kopf

Er ist der überraschende Sieger der Kieler Oberbürgermeisterwahl. Bisher vor allem bekannt als „Alter Ego“ von Finanzminister Peer Steinbrück, dem er als Pressesprecher diente - nun wechselt er selbst in die Politik.

© dpa Wahlsieger Albig: Überraschung in Kiel

„Unser Glückwunsch geht nach Kiel“, ist am Montag im SPD-Präsidium festgestellt worden. Weil es - anders als der Kandidat selber - nicht damit gerechnet hatte, schon nach dem ersten Wahlgang wieder den Oberbürgermeister von Kiel zu stellen, hat sich die Berliner SPD-Führung besonders gefreut.

Günter Bannas Folgen:

Torsten Albig, der seit gut drei Jahren - auch wegen eines markanten Äußeren - wie das zweite Gesicht des Bundesfinanzministeriums wirkte, gelang eine Überraschung. Das „Alter Ego“ Peer Steinbrücks, dem er als Pressesprecher dient, wird in die Politik wechseln. Bis zum 16. Juni arbeitet er an der Wilhelmstraße. Tags darauf wird er die schleswig-holsteinische Landeshauptstadt regieren. Den Jahresurlaub hatte er in den Wahlkampf investiert.

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Hochfahrend und voller Witz

Kongenial wirkte Albig mit Steinbrück zusammen, was auch daran liegt, dass sie einander ähnlich sind. Auch Albig kann schneidend sein und einfühlsam, hochfahrend und voller Witz. Im internen politischen Betrieb in Berlin vertrat er die Interessen des Finanzministeriums ziemlich deutlich. Politiker aus Koalition und Opposition gaben seinen Äußerungen ein Gewicht, als hätten sie mit dem Minister persönlich gesprochen. Steinbrück wiederum kann scherzen, es sei nicht einfach, mit einem wie Albig zusammenzuarbeiten. Der Referent hatte in fachlichen und auch politischen Details seinen eigenen Kopf.

Albigs berufliche Vergangenheit hat es mit sich gebracht, dass er bei Steinbrück nicht einfacher Pressereferent blieb. Er hatte seine Arbeitsfelder gewechselt. Während seines Studiums in Bielefeld war er dort SPD-Ortsvereinsvorsitzender. Der 1963 in Bremen geborene Jurist arbeitete zunächst ab 1992 in der Steuerverwaltung Schleswig-Holsteins. Auch dort war er politisch tätig - in der Stadtverordnetenversammlung Lütjenburgs. 1994 wechselte er in die Landesvertretung Schleswig-Holsteins in Bonn. 1996 kam Albig dort in den Planungsstab der SPD-Zentrale im Erich-Ollenhauer-Haus.

Früh Ambitionen auf das Amt des Oberbürgermeisters

Er gehörte zu den finanzpolitischen Referenten des damaligen SPD-Vorsitzenden Lafontaine und wurde, als dieser 1998 Finanzminister wurde, sein Pressesprecher und steuerpolitischer Berater. Wie die meisten wurde er von dessen Rücktritt im März 1999 überrascht, auch wenn er - mindestens in der Rückschau - Lafontaines Probleme erkannte. In der Zeit Finanzminister Eichels schied er aus dem Beamtenverhältnis aus und wechselte zur Dresdner Bank nach Frankfurt. Nach deren Kauf durch die Allianz ging Albig 2002 nach Kiel. Er wurde Stadtkämmerer. Vom damaligen Oberbürgermeister Gansel (SPD) ist die Begrüßung überliefert: „So, Herr Albig, was Sie uns da mit der Steuerreform eingebrockt haben, dürfen Sie jetzt als Dezernent der Landeshauptstadt selbst ausbaden.“

Seit jener Zeit war Kiel auch nach Albigs Rückkehr in das Bundesfinanzministerium der Wohnsitz seiner Familie. Bald ließ er seine Ambition erkennen, dort Oberbürgermeister werden zu wollen. Für den Wahlkampf ließ er sich von einem Cartoonisten karikieren. Wer weiß, was später kommt.

Quelle: F.A.Z.

 
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