Wenn Nikolaus Schneider zu einer Runde hinzutritt, kommt es in der Regel zu Umarmungen. Mit seiner leutseligen Art hat der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland ein Netz in der Kirche gesponnen. Im vergangenen Jahr, als sich die Suche nach Kandidaten für die Nachfolge von Wolfgang Huber als Berliner Bischof schwierig gestaltete, führte der Hinweis Schneiders zur Nominierung des nahezu unbekannten Koblenzer Superintendenten Markus Dröge, der dann auch gewählt wurde.
Weil Präses Schneider über Autorität verfügt und in seiner Amtsführung zuverlässig und berechenbar ist, wird er weithin geachtet und gemocht. Nach dem Rücktritt Margot Käßmanns von allen ihren Ämtern am Mittwoch fällt es nun Schneider als ihrem Stellvertreter zu, die Evangelischen Kirche in Deutschland zu führen, bis Synode und Kirchenkonferenz einen neuen Ratsvorsitzenden wählen. Um die Handlungsfähigkeit der Institution muss man sich keine Sorgen machen.
Sohn des Ruhrgebiets und Linksprotestant
Der 62 Jahre alte Geistliche muss sich in die Abläufe nicht erst einarbeiten. Dass er zum neuen Ratsvorsitzenden gewählt wird, wird nicht ausgeschlossen und ist auch rechtlich möglich.
Nikolaus Schneider ist Sohn des Ruhrgebiets und ein in der Wolle gefärbter Linksprotestant. Dem Menschenschlag seiner Heimatstadt Duisburg (wo sein Vater Stahlarbeiter war und er selbst beim Vfl Hüttenheim das Tor hütete) entsprechend bevorzugt er die direkte Ansprache – auch in Fragen der Tagespolitik. Gegen Guido Westerwelle polterte Schneider jüngst los, dieser kenne die Welt „da draußen“ nicht. Das wahre Problem seien nicht zu hohe Hartz-IV-Sätze, sondern das geringe Lohnniveau im Land.
Solche Themen bewegen Schneider: In den achtziger Jahren setzte er sich an der Seite der Krupp-Arbeiter für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze ein und gründete eine kirchliche Firma des zweiten Arbeitsmarktes. Als Schneider im Jahr 2003 in der Nachfolge von Manfred Kock zum Präses der mit rund 2,8 Millionen Mitgliedern zweitgrößten Landeskirche gewählt wurde, waren die Zeiten dieses Additionsprinzips in der Kirche allerdings schon zu Ende, in dessen Folge über Jahrzehnte für alles und jedes Werke und Dienste eingerichtet worden waren.
Er hatte auch das denkbar Schlimmste zu durchzustehen: Die jüngste seiner drei Töchter starb vor fünf Jahren nach langem Kampf mit einer tückischen Krankheit.
Schneider denkt dogmatisch-theologisch progressiv, moraltheologisch eher paternalistisch und gesellschaftspolitisch liberal. Unter ihm dürfte die EKD politisch eher noch ein wenig nach links rücken. In der von Margot Käßmann hervorgerufenen Afghanistan-Debatte stand Schneider ihr zur Seite – nicht nur aus Solidarität mit der Ratsvorsitzenden, sondern auch aus innerer Überzeugung. Im Unterschied zu Margot Käßmann trug Schneider seine Position dabei aber detailliert vor.
Und ...
Sabine Mersmann (Sabine2772)
- 25.02.2010, 20:01 Uhr
Es ist erschreckend .... (vor 75 Jahren)
Bernd Rittmeyer (bernauheim)
- 26.02.2010, 09:35 Uhr
Kirche wirklich im politikfreiem Raum denkbar ?
(Muehring)
- 26.02.2010, 15:04 Uhr
Vom Regen in die Traufe?
Frank Martin (FrankMartin)
- 26.02.2010, 15:08 Uhr
Noch weiter nach links rücken....
Horst Trummler (Vandale6906)
- 26.02.2010, 15:09 Uhr