13.01.2010 · Dietmar Bartsch ist „cool“, im eigentlichen Wortsinn, norddeutsch kühl, er vermag sich zu beherrschen und seine Worte sorgsam zu wägen. Trotz hervorragendem Arbeitszeugnis versetzte Gregor Gysi dem Linke-Geschäftsführer nun einen Tritt.
Von Mechthild KüpperDem Bundesgeschäftsführer der Linkspartei Dietmar Bartsch hat Gregor Gysi ein hervorragendes Arbeitszeugnis geschrieben - und ihm gleichzeitig den Tritt verpasst, öffentlich, all denen zur Warnung, die meinen, mitreden zu können im Gespräch über die Zukunft der Partei, programmatisch und personell. Was die meisten inzwischen als Fehler des Fusionsprozesses von PDS und WASG sehen, setzt Gysi damit fort: Personalentscheidungen ersetzen ein Programm.
Falls der krebskranke Oskar Lafontaine in die Bundespolitik zurückkehrt, muss Bartsch ungeachtet seiner Verdienste sein Amt aufgeben. Das hat Gysi am Montag klargemacht. Wie lautet die Anklage gegen ihn, was ist „der Fehler“, den er gemacht hat? Er wird in der „Spiegel“-Ausgabe vom 16. November 2009 mit dem Satz zitiert: „Schon Anfang des Jahres gab es im engsten Führungskreis Diskussionen darüber, dass Oskar Lafontaine nach der Wahl nicht mehr die Fraktion führen wird.“ Das diente damals dazu, dem für die Fraktion sichtlich schockierend überraschenden Schritt Lafontaines hinterher den Anstrich einer im Voraus geplanten Entscheidung zu geben. Der „Spiegel“ schrieb über Lafontaines Liebesleben; kurz nach der Publikation zog er sich zur Operation ins Krankenhaus zurück.
„Cool“ im eigentlichen Wortsinn
Nun wird Bartsch geopfert. Der 51 Jahre alte Bartsch, dessen politische Karriere nach 1989 begann, diente der PDS zunächst als Schatzmeister - wie Gysi anmerkte, saß sein Vorgänger in Untersuchungshaft -, dann als Bundesgeschäftsführer und Wahlkampfleiter. Bartsch ist Wirtschaftswissenschaftler, 1990 wurde er an der Akademie für Gesellschaftswissenschaften in Moskau promoviert. Während der Eiszeit im Karl-Liebknecht-Haus verdiente er sein Geld als Geschäftsführer der Tageszeitung „Neues Deutschland“. Was ihm nun Lafontaine, dessen Beauftragter Gysi und westdeutsche Linkspartei-Funktionäre als Illoyalität vorwerfen, ist kaum als Ausplaudern von Interna zu werten. Damals war die Behauptung, Lafontaines Rückzug sei keine einsame Entscheidung des erratisch agierenden Mannes gewesen, ein Versuch, diesen als verantwortungsvollen Spitzenpolitiker zu schildern, der seine Kräfte einzuteilen versucht.
Bartsch ist „cool“, im eigentlichen Wortsinn, norddeutsch kühl, von sprödem Witz, er vermag sich zu beherrschen und seine Worte sorgsam zu wägen und sagt trotzdem immer etwas. Er ist verlässlich oder, wie man in Berlin sagt, reell. Auf viele Westdeutsche wirkt er wie ein Apparatschik, auch einige westdeutsche Pappenheimer der seit 2007 fusionierten Linkspartei sehen ihn als Herrscher des Apparats. In gewisser Weise ist er das auch. Anders als Gysi und Lafontaine liegt ihm das pathetische Reden nicht, anders als Bisky, dessen Reden aus für Außenstehende annähernd unverständlichen Andeutungen gedeutet werden müssen, redet er trocken, aber klar. Programmatisch ist Bartsch ein „Reformer“, also jemand, der ein grundsätzlich positives Verhältnis zum Regieren hat - und zur einzigen Partei, die auf absehbare Zeit als Koalitionspartner dafür in Frage kommt.
weiter so
Margrit Steer (Margrit-Steer)
- 13.01.2010, 14:55 Uhr
Der "coole" Bartsch ist ein Langweiler
Thomas Lehmann (Lehmanns_Traum)
- 13.01.2010, 16:16 Uhr
taktisch unklug... Oskar kann's nicht lassen
Eva-Maria Voigt (evissima)
- 13.01.2010, 16:36 Uhr
Für einen Nicht-Linken erfreulich
Kurt Schröder (Giubar)
- 13.01.2010, 17:19 Uhr
Alles Lügner
Erich Arnold (olderich)
- 13.01.2010, 19:25 Uhr