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Mittwoch, 19. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Im Gespräch: Michael Glos  „Müllermeister bleibt Müllermeister“

 ·  Schon Karl Valentin hat mit Erstaunen festgestellt, dass an jedem Tag genau so viel passiert, dass es in eine Zeitung passt. Im F.A.Z.-Sommerlochinterview lüftet Michael Glos das Geheimnis, warum dieser Mechanismus sogar im Hochsommer funktioniert.

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© Hartmut Heß Weit und breit kein Waldbrand in Sicht: Michael Glos auf seiner diesjährigen Wahlkreiswanderung

Das allererste Sommerlochinterview der F.A.Z. führt nach Prichsenstadt bei Würzburg. Der Ort liegt malerisch, umgeben von Weinhängen. In der Hauptstraße stehen die mit unterfränkischer Gründlichkeit renovierten Häuser dicht an dicht. Die Luft flirrt in der Hitze, während die Bewohner die harten Konsonanten in ihrem Mund weich klopfen. Oben auf dem Klingelschild steht Stolzmühle GmbH. Den in einem Nachbarort gelegenen Familienbetrieb hat „der Junior“ schon vor langer Zeit übernommen. Statt Getreide werden dort heute Futter- und Energiepflanzen verarbeitet. Die untere Klingel des Hauses gehört zum Wahlkreisbüro von Michael Glos. Der langjährige CSU-Landesgruppenchef und frühere Bundeswirtschaftsminister hat jüngst angekündigt, im kommenden Jahr nach dann 37 Jahren im Bundestag nicht noch einmal zu kandidieren. Mit 68 Jahren will er sich aus der Politik zurückziehen.

Glos sitzt an einem Tisch im Innenhof seines Wohnhauses, das direkt neben seinem Wahlkreisbüro liegt. Ein Baum spendet Schatten, das kleine Brünnlein sorgt für einen angenehm kühlen Luftzug. Für jedes seiner fünf Enkelkinder hat der CSU-Mann hier eine Tierskulptur aus Metall aufstellen lassen. Der für seine Zwischenrufe im Bundestag berüchtigte Abgeordnete lehnt sich weit in seinem Gartenstuhl zurück, allzeit bereit zu Ironie und Selbstironie, auch wenn diese, wie er schon leidvoll erfahren musste, nicht von jedem verstanden werden.

***

Herr Glos, könnten Sie uns zunächst einen Gefallen tun?

Welchen?

Würden Sie vielleicht den Brunnen abstellen?

Nein.

Das ist schade - das dauernde Plätschern im Hintergrund wird später das Abhören des Mitschnitts unseres Gesprächs beschwerlich machen.

Genau deshalb hab ich den Brunnen ja einbauen lassen! Es muss hier ja nicht jeder Nachbar mithören, was im Hof gesprochen wird. Wissen Sie, da, wo Sie jetzt sitzen, saßen schon Angela Merkel, Helmut Kohl, Theo Waigel und viele andere.

***

Glos hat sich ein von ihm so genanntes Ruhestandshaus gekauft - ohne Garten. „Ich wollte meine Frau von der Gartenarbeit entlasten“, sagt er. Also nur ein gepflasterter Innenhof, in dem, wie von Geisterhand, der Brunnen dann doch abgeschaltet wird.

***

Herr Glos, wir möchten gerne mit Ihnen über das sogenannte Sommerloch sprechen. Nach so vielen Jahren im Bundestag kennen Sie ja das Geschäft . . .

 . . . na ja, Wolfgang Schäuble würde jetzt sagen: „ein Stück weit“. Er, der ja sogar seit 1972 im Bundestag ist, ist ein großer Liebhaber dieser Formulierung. „Ein Stück weit“, das kann heißen eine Armlänge, aber auch: von Offenburg bis Gengenbach.

Zum Sommerloch erzählt man sich, eine bestimmte Zeitung führe eine sogenannte Irren-Liste mit Abgeordneten, die immer für eine abwegige Forderung gut sind.

Schon möglich. Jedenfalls hat sich die Zeitung mit den großen Buchstaben früher, wenn es gerade keine politischen Sensationsnachrichten gab, selber Abgeordnete gesucht, die den Führerschein für Radfahrer fordern oder dass Mallorca das siebzehnte Bundesland werden soll.

Hat man es bei Ihnen auch versucht?

Als ich noch jünger war. Ich erinnere mich noch gut an die Anrufe. Es war immer derselbe Redakteur. Sie, Herr Glos, hieß es dann, es ist doch schlimm, dass den Radfahrern immer so viel passiert. Müssten die nicht eigentlich auch einen Führerschein machen? Dann hab ich ihm gesagt: Mein lieber Herr Soundso, da müssen Sie sich schon einen anderen suchen. Oder ich habe ihm gesagt: Das ist blühender Unsinn, was Sie da fordern - damit können Sie mich gerne zitieren. Da sagt dann er: Danke schön, ich hab eine Telefonliste vor mir liegen, ich finde schon einen, der genau das sagt, was ich will. Am Ende hat er den dann auch immer gefunden.

Und dann?

Am schönsten fanden es die Journalisten, wenn sie zu dem Thema am nächsten Tag wieder einen anderen fragen konnten und wenn der dann sagte: „Wer so was fordert, ist ein Depp.“ Manche Journalisten haben auch immer genau geschaut, was gerade in die Landschaft passt. Man hatte ja nicht nur eine Sau, die man durchs Dorf treiben konnte, sondern eine ganze Sauherde.

Warum machen Parlamentarier da mit?

Die Mehrzahl der Abgeordneten freut sich zunächst einmal über einen Anruf. Bei denen hat sich doch oft noch nie jemand gemeldet, außer vielleicht die „Liegnitzer Neuesten Nachrichten“. Nehmen wir den Parlamentarier Fritz Hinterbank. Den sucht die Frau nach dem Anruf des Redakteurs schon ganz aufgeregt, weil ihr Mann endlich die Chance hat, mal in die „Bild“-Zeitung zu kommen. Das ist nämlich für viele weit wichtiger als in der F.A.Z. auf einem Zeilenfriedhof versenkt zu werden. Es gibt immer wieder Kollegen, die dieser Versuchung erliegen.

Nicht immer zu ihrem Vorteil . . .

Gut, das sagen Sie jetzt. Es ist doch wie im richtigen Leben auch. Manche empfinden Schmerz, wenn sie immer wieder gegen dieselbe Wand rennen; andere sagen: „Hach, was für ein schönes Gefühl, wenn der Schmerz nachlässt!“

Das sind dann aber nicht gerade die aufstrebenden Kollegen . . .

Ich habe gelernt, dass zwischen aufstrebend, abstrebend und absterbend nur ein schmaler Grat ist. Manche Kollegen jedenfalls sind traurig geendet.

An wen denken Sie da?

An viele. Aber das ist nicht zum Schreiben. An viele.

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Ob er dabei auch an sich selbst denkt? Er, der kampferprobte Vorsitzende der CSU-Landesgruppe, der 2005 urplötzlich Bundeswirtschaftsminister wurde, nachdem Stoiber nicht wollte? Eher nicht.

Auch über seine manchmal schwierige Zeit als Minister, die er erst beendete, nachdem er als quasi letzte Amtshandlung mit strahlendem Gesicht in Wiesbaden mit der Hochsprungolympiasiegerin Ulrike Meyfarth den Ball des Sports eröffnet hatte, spricht er inzwischen mit der Gelassenheit eines Mannes, der seine ergrauten Haare schon lange nicht mehr tönen muss.

***

Wissen Sie, ich genieße vor allem die wiedergewonnene Freiheit. Als Minister war ich während eines Urlaubs in Bad Reichenhall mal im Schwimmbad. Irgendwann musste ich kurz raus aus dem Becken. Da hört meine Frau einen Badegast zum anderen sagen: „Das war doch der Glos.“ Darauf der andere: „Ich glaub nicht, dass sie den frei rumlaufen lassen.“

Kann man als deutscher Spitzenpolitiker im Urlaub überall hinfahren, ohne eine Neiddebatte am Hals zu haben? Könnte Frau Merkel, zum Beispiel, auf die Galapagos-Inseln reisen?

Warum nicht? Das kann ich ihr sehr empfehlen. Die Inseln sind wunderbar. Ich war selbst erst kürzlich zusammen mit meiner Frau privat dort. Die Inseln sind wirklich fantastisch.

Allerdings gibt es dort wesentlich mehr Landleguane als deutsche Wähler, bei denen man sich auch im Urlaub beliebt machen könnte.

Also hören Sie, so weit kommt es noch, dass man auch noch den Urlaub zu einer politischen Schauveranstaltung macht. Was glauben Sie, was ich da von meiner Frau zu hören bekommen würde.

Die Waldbrände sollen in diesem Jahr auch wieder sehr schlimm sein . . .

Jaja, die Waldbrände. Meine Theorie zu den vielen Meldungen darüber ist ja, dass sich das vor allem an die Urlauber richtet: Dann kann der Heinrich zu seiner lieben Marianne sagen: Schau mal, wie klug ich war bei der Auswahl unseres Urlaubsortes. Wir fahren jetzt schön durch die Steiermark, da ist der Wald grün. Oder der Manfred sagt zu seiner Erika: Es ist besser, wir sind an der Ostsee, auch wenn es regnet, als da, wo es zwar schön ist, aber der Wald brennt.

Ein anderes Thema sind im öffentlich-rechtlichen Fernsehen die ständigen Wiederholungen in der Sommerzeit . . .

 . . . das ist eigentlich kein Thema für einen Parlamentarier, so was kann man als Privatperson fordern. Wenn ein Journalist wegen so was anruft, sage ich ihm: Ich sage Ihnen dazu nichts, aber schauen Sie, wir haben da den Herrn Soundso, bei dem können Sie gerne anrufen, aber sagen Sie bitte nicht, dass die Empfehlung von mir kam.

Erinnern Sie sich noch an die Forderung mit dem Rückwärtsfahren auf der Autobahn? Damit man im Stau auf dem Standstreifen zur letzten Ausfahrt zurücksetzen kann. Gerade in der Urlaubszeit ist das für viele Menschen ein hochbrisantes Thema.

Jaja, logisch. Ganz nebenbei fällt mir da einer meiner Lieblingswitze ein. Der, wo der Sepp die steile Bergstraße rückwärts hochfährt und ihm der Ludwig aufs Dach klopft und sagt: Horch, was machst du da, warum fährst du denn rückwärts? Sagt der Sepp: Ich habe gehört, da oben kann man nicht wenden. Sieht der Ludwig den Sepp am Abend den Berg herunterfahren - wieder rückwärts. Sagt der Ludwig: Was machst denn jetzt? Sagt der Sepp: Man hat doch wenden können.

Hätten Sie als Landesgruppenvorsitzender eine Forderung wie die mit dem Rückwärtsfahren unterbunden?

Nicht jeder Unfug darf mit dem Logo der Landesgruppe veröffentlicht werden. Wenn jemand etwas erklären will, was nicht zu seinem Arbeitsgebiet zählt, soll er seinen eigenen Briefkopf dafür verwenden. Zur Frage etwa, ob Hundebesitzer einen Führerschein für ihr Tier benötigen und ob der Hund sein Geschäft an einem Bürgersteig verrichten darf, sofern dieser eine Höhe von soundso viel Zentimetern hat, würde ich sagen, erklärt die CSU-Landesgruppe gar nichts.

Die Journalisten . . .

 . . . versuchen im Sommerloch zu solchen Unsinnsthemen Meinungen gleich aus allen Regierungsparteien einzuholen. Da heißt es dann: „Mehrheit für Hundeführerschein zeichnet sich ab.“ Und wenn dann auch noch der SPD-Abgeordnete Johann Namenlos der Abgeordneten Heidi Harmlos aus der Union beispringt, dann heißt es gleich: „Große Koalition für Hundeführerschein.“ Aber das gehört dazu. Die Abgeordneten sind nicht die Elite des deutschen Volkes, sondern dessen Vertreter. Am besten ist es, wenn die Abgeordneten ein Spiegelbild des Volkes sind. Wobei . . . vielleicht wäre das doch nicht so gut. Aber das ist jetzt - Sie werden es kaum glauben - Ironie.

Ihre letzten beiden Sätze?

Selbstverständlich, was denn sonst.

***

Zeit für eine Pause, nach all dem Wasser und Kaffee. Rein ins kühle Wohnhaus, dessen jahrelange Restaurierung Glos als „persönliche Wiedergutmachung“ für den Denkmalschutz bezeichnet, nachdem sein historisches Elternhaus wegen einer Betriebserweiterung abgerissen werden musste. Sein Haus ist voller Antiquitäten. Nur die Jagdtrophäen mussten draußen bleiben - darauf bestand seine Frau, als er nach seinem Rücktritt den Jagdschein machte („Um mir zu beweisen, dass ich mich noch in neue Zusammenhänge einarbeiten kann“). Gegen die Figuren von Lenin und Stalin, die auf der Toilette stehen, scheint sie hingegen nichts zu haben.

Zurück am Tisch.

***

Sie haben ja Lenin und Stalin auf der Toilette stehen, Herr Glos!

Das war in den achtziger Jahren das einzige Souvenir, das man im Kaufhaus GUM in Moskau preiswert erwerben konnte. Aber zugegeben, der Aufbewahrungsort war nie ein Zeichen meiner Verehrung.

Zurück zum Sommerloch. Kann eine Regierung Katastrophen im Sommerloch besser für sich nutzen als die Opposition?

Klar. Wenn sie da als Oppositionspolitiker in ein Katastrophengebiet kommen nach dem Motto: Ich bin ein hochwichtiger Mann, wo sind die Kameras, wo ist der Bürgermeister, dann machen sie sich lächerlich.

Ist es im Sommerloch leichter oder schwerer als sonst, eine Affäre zu überstehen?

Ich glaube, dass es im Sommerloch gefährlicher ist. Dann kommen gleich alle und bohren weiter. In der Jägersprache sagt man, die Beute schweißt, das heißt: sie blutet. So nimmt das gesamte Wolfsrudel Witterung auf und beteiligt sich an der Verfolgung. Bei Wulff hat man das ja gesehen: Dem hat nicht einmal die kurze Weihnachtspause geholfen. So ein Bundespräsident ist ja auch für Großwildjäger interessant.

Jorgo Chatzimarkakis war mit seiner Doktorarbeit dagegen eher was fürs Kleinkaliber. Auch er hat sich jüngst mit einer Sommerloch-Forderung . . .

 . . . ist das der von „Grieche sucht Griechin“?

Wieso das?

Das war ein berühmter Heinz-Rühmann-Film.

Und was hat das mit Europaparlamentarier Chatzimarkakis zu tun?

Der ist Grieche.

Ach so. Jedenfalls will Chatzimarkakis Gutscheine für einen Urlaub in Griechenland verteilen.

Das ist doch verständlich! Wenn ich Grieche bin, er ist ja Grieche, dann will ich etwas für mein Land tun. Das ist eine Besonderheit: Ins Europaparlament kann man in Deutschland auch gewählt werden, wenn man die Staatsangehörigkeit eines anderen EU-Landes hat. Der Daniel Cohn-Bendit hat ja auch abwechselnd für die deutschen und die französischen Grünen kandidiert.

Kennen Sie Cohn-Bendit?

Ja, klar. Ich schätze ihn als interessanten Querkopf. Bin ihm bei vielen Talkshows begegnet. Im Anschluss wird da ja meistens getrunken, da kann es mit den anderen Gästen oft sehr lustig sein.

Auch mit Joschka Fischer, einem Ihrer Lieblingsgegner?

Auch mit dem. Fischer bleibt Fischer. Am Schluss haben ihn nicht einmal die Eigenen mehr gemocht, weil er sich selbst zu ernst genommen und entsprechend aufgeführt hat. Ich bin sonst nicht sehr neugierig auf Einkommensteuererklärungen, aber ich würde gerne wissen, wer inzwischen mehr verdient, Schröder oder Fischer. Die beiden tragen ihre Rivalität heute auf diese Art aus.

Wie würden Sie deren Politikstil im Rückblick beschreiben?

Die beiden hatten schon eine sehr maskuline Ausstrahlung. Das kann man natürlich leichtfertig abtun, aber so etwas kann im Politikbetrieb wichtig werden, besonders im Fernsehen. Da können Wahlen durch die Auswahl der Moderatoren und vor allem Moderatorinnen entschieden werden. Es gibt ja Politiker, bei denen bei entsprechender Auswahl erst der Adrenalinspiegel und dann der Testosteronspiegel steigt. Bei anderen hingegen ist es egal, ob man ihnen eine attraktive Moderatorin hinstellt oder einen toten Hund.

Ist die Zeit solcher politischen Urviecher abgelaufen?

Inzwischen ist Artenschutz nötig, die stehen auf der Roten Liste. Sie brauchen sich nur die Biographien heutzutage anzuschauen. Aber ich möchte nicht urteilen, mich hat immer geärgert, wenn jemand sagt: Früher war alles besser.

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Glos vermittelt den Eindruck, mit sich im Reinen zu sein. Der Abschied von der Politik entspreche genau seiner eigenen Lebensplanung.

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Wie kommen Sie zu der Einschätzung, dass ausgerechnet jetzt der richtige Zeitpunkt zum Aufhören ist?

Als ich das erste Mal parteiintern aufgestellt wurde, galt ich nicht als Favorit, bin aber in einer Stichwahl mit 31 zu 29 Stimmen überraschend nominiert worden; das letzte Mal hatte ich 100 Prozent der Stimmen in geheimer Wahl, ohne vorgedruckte Stimmzettel. Die Leute haben auch zu hundert Prozent den Namen richtig geschrieben, also ohne K oder Doppel-S oder so. Wenn dir jemand eine mitgeben will, dann macht er das auf diese Weise. Denn selbst ein falsch geschriebener Name bedeutet ja eine ungültige Stimme. Bei den 100 Prozent hab ich gedacht, jetzt kommt der richtige Zeitpunkt aufzuhören - das kann ich nicht mehr toppen.

Unter Ihnen, Herr Glos, hatte die CSU-Landesgruppe ihre große Zeit. Als Sie Wirtschaftsminister waren, war Deutschland noch Exportweltmeister. Sie haben dazu beigetragen, dass Theo Waigel an der Spitze der CSU Strauß nachfolgte, dass Edmund Stoiber 2002 Kanzlerkandidat wurde und Angela Merkel 2005 Kanzlerin. Haben wir etwas vergessen?

Ja, schon.

Wir haben allerdings nur noch 13 Zeilen.

Gut - also nur eine Anekdote. Im Ministerium habe ausgerechnet ich Pläne vorgefunden, den Beruf des Müllers umzubenennen. In einen „Verfahrenstechniker in der Mühlen- und Futtermittelwirtschaft“. Da habe ich gesagt, liebe Leute, da kann sich doch keiner mehr was drunter vorstellen. Was soll das? So ein traditionsreiches Handwerk - und dann so ein steriler, bürokratischer Name. Diesen Schmarrn habe ich verhindert. Der Dr. Peter Ramsauer ist ja auch Müllermeister von Beruf. Wir haben uns über die geplante Umbenennung lustig gemacht und die Leute gefragt, ob sie vielleicht „Das Wandern ist des Verfahrenstechnikers Lust“ singen. Nein? - Das Lied steht ja in Franz Schuberts Liederzyklus „Die schöne Verfahrenstechnikerin“. Oder wie wäre es mit einer „Forelle Verfahrenstechnikerin“? Da vergeht Ihnen der Appetit. Ergebnis der ganzen Geschichte war jedenfalls: Der Müllermeister bleibt der Müllermeister.

Das Gespräch mit Michael Glos führten Reinhard Bingener und Timo Frasch.

Quelle: F.A.Z.
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