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Im Gespräch: Ärztepräsident Montgomery : „Weitere Manipulationen sind nicht ausgeschlossen“

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Frank Ulrich Montgomery: „Nie war die Transplantationsmedizin sicherer als heute.“ Bild: dapd

Nach dem Wirbel um die Organtransplantation im letzten Jahr spricht der Präsident der Bundesärztekammer Frank Ulrich Montgomery im Interview über Untersuchung der einzelnen Zentren und der Sicherheit bei Transplantationen.

          Herr Montgomery, nach Regensburg, Göttingen und München ist Leipzig der vierte Fall, in dem Unregelmäßigkeiten bei Organtransplantationen aufgefallen sind. Auf wie viele Fälle müssen wir uns denn noch einstellen?

          Die nach Bekanntwerden der ersten Fälle im Herbst beschlossenen neuen Überprüfungen aller Transplantationszentren haben erst kürzlich begonnen. Wir haben zwar schon ein knappes Viertel der 47 Transplantationszentren überprüft und bei drei Zentren in den Jahren 2010/2011 erhebliche Auffälligkeiten entdeckt, aber wir können weitere Fälle derzeit nicht ausschließen, auch wenn es im letzten Jahr kaum noch Auffälligkeiten gab.

          Das Image der Transplantationsmedizin ist im Keller, die Spendenbereitschaft niedrig wie selten zuvor. Der Schaden ist immens.

          Man wird eingestehen müssen, dass eine Reihe von Transplantationsmedizinern an dem Ast gesägt hat, auf dem sie sitzt. Die, die da in voller Absicht gegen die aus gutem Grund aufgestellten Regeln verstoßen haben, haben in diesem Fach auch nichts mehr zu suchen. Gut, dass das jetzt Geschichte ist.

          Wie können Sie da so sicher sein?

          Nehmen Sie den aktuellen Fall in Leipzig. Die dort festgestellten Verstöße haben 2010 begonnen und dauerten bis Ende 2011. Im vergangenen Jahr wurden nur noch ein Verstoß festgestellt. Das ist das Jahr, in dem die öffentliche Debatte begann und die schärferen Kontrollen eingeführt wurden. Die Ärzte haben das registriert, der Missbrauch hat sofort aufgehört. Ich kann mit gutem Gewissen sagen: Nie war die Transplantationsmedizin sicherer als heute.

          Aber noch erstreckt sich die Überprüfung nur auf Lebertransplantationen. Niemand weiß, was noch alles zu Tage treten wird.

          Manipulationen oder Schummeleien sind bei Transplantationen von Nieren oder Herzen viel schwerer als bei Lebern. Denn da geht es vor allem um Laborwerte, die sind anfälliger für Manipulationen. Ich sage aber ausdrücklich: Das ist so gewesen, wir haben das geändert.

          Warum tun Transplantationsmediziner das? Geld scheint bei den bekanntgewordenen Fällen nicht das ausschlaggebende Motiv gewesen zu sein?

          Über die genauen Motive in allen Fällen wissen wir nicht Bescheid, teils sind die ja gerade erst bekanntgeworden, auch ermitteln die Staatsanwaltschaften. Aber im Grunde gibt es drei Erklärungen. Die erste ist eine vermeintlich sympathische: Das sind Ärzte, die alles für ihren Patienten tun und dabei nicht vor Datenmanipulationen zurückschrecken, um ihre Patienten auf der Warteliste ein Stück nach oben zu schubsen...

          ...und damit in Kauf nehmen, dass andere länger auf ein Spenderorgan warten müssen und deshalb sterben.

          Deshalb ist das ja auch verboten und wird entsprechend geahndet.

          Und die anderen Gründe?

          Ruhm und Ehre für den Arzt und das Transplantationszentrum sowie an dritter und ausdrücklich letzter Stelle finanzielle Fehlanreize. Das müssen gar keine direkten Geldzuweisungen an den Arzt sein. Da reicht es schon, wenn die Klinik es mit Bonuszahlungen belohnt, wenn die Abteilung viele Fälle macht.

          Die Fragen stellte Andreas Mihm.

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