Home
http://www.faz.net/-gpf-758p4
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Horst Seehofer König unter Kegeln

In der CSU ist der Kampf um die Zeit nach Horst Seehofer entbrannt. Erfahrene Jäger und Sammler wie Markus Söder haben längst die Witterung aufgenommen. Seehofer ist das nicht entgangen.

© dpa Nach einer Kabinettssitzung: Bayerns Finanzminister Markus Söder, Justizministerin Beate Merk und Horst Seehofer (v.l.) auf dem Nürnberger Christkindlesmarkt

Horst Seehofer wird nachgesagt, dass er seine Mitstreiter bestenfalls für Halmaspieler hält, die sich auf ein Schachbrett verirrt haben. Bei seinem vorweihnachtlichen Ausbruch war er wieder einmal ganz König unter Halmakegeln, die er aus dem Spielfeld zu schlagen suchte. Jammern, hier werde nach falschen Regeln verfahren, hätte Markus Söder, Karl-Theodor zu Guttenberg und Peter Ramsauer wenig geholfen: In der CSU bestimmt zurzeit Seehofer, was gespielt wird - die Frage ist nur, wie lange noch.

Albert Schäffer Folgen:

Denn die Schmähworte, mit denen Seehofer seine Gefolgsleute bedachte, sind verlässliche Zeichen, wie es um ihn steht. In der CSU ist längst der Kampf um die Zeit nach Seehofer entbrannt, umso mehr, als sich abzeichnet, dass die schier ewige Regierungszeit der Partei noch einmal verlängert werden könnte, mit oder ohne die FDP. Nicht, weil die CSU so glänzt, sondern weil SPD, Grüne und Freie Wähler ein so jämmerliches Bild abgeben.

Es dürfte nach dem 15. September, dem Wunschtermin der CSU für die Landtagswahl, einiges zu verteilen geben - und deshalb haben erfahrene Jäger und Sammler wie Söder die Witterung aufgenommen, was dem nicht minder versierten Seehofer nicht entgangen ist. Ihm muss niemand erläutern, was es bedeuten würde, wenn Söder das bayerische Finanzministerium, das er gegenwärtig verwaltet, gegen den Vorsitz der CSU-Landtagsfraktion eintauscht. Die Fraktion ist die Herzkammer der CSU: Das hat schon Theo Waigel schmerzlich erfahren, als er Edmund Stoiber das Amt des Ministerpräsidenten überlassen musste - und das musste auch Stoiber erfahren, als die Abgeordneten argwöhnten, sie seien nur noch Vollzugsgehilfen seiner Beamten in der Staatskanzlei. Mit Söder an der Fraktionsspitze hätte Seehofer einen Gegenspieler, der eine besondere Freude daran hätte, ihn mit Halmafiguren schachmatt zu setzen.

Söders Feueratem

Die Etikettierung Söders als einen Mann mit „charakterlichen Schwächen“, den „pathologischer“ Ehrgeiz antreibe und dessen Fähigkeiten sich in „Schmutzeleien“ erschöpften, entsprang nicht einer Laune Seehofers oder adventlichen Genüssen, wie manche mutmaßen. Auch nicht einer individuellen Disposition zum gehobenem Zynismus, den Söder wiederum für eine Charakterschwäche halten könnte. Sie zielte darauf, einen Rivalen zu erledigen, bevor dieser zum entscheidenden Sprung ansetzen kann. Der Ausgang dieses Manövers, nämlich dass sich seither die CSU-Landtagsfraktion um Söder schart, lässt allerdings zweifeln, ob Seehofer noch weiß, welches Spiel gespielt wird. Er muss die Erfahrung machen, dass viele Halmakegel gerade auf einem Schachbrett, zumindest einem politischen, des Königs Tod sein können.

Was sich Spitzenpolitiker an Weihnachten wuenschen © dapd Vergrößern Ilse Aigner: Noch gefährlicher als Söder

In der CSU herrscht jedenfalls Klarheit, wem die Stunde schlägt. Die Ruhe, die um die zweite Option für die Zukunft der Partei herrscht, um Ilse Aigner, wird nicht lange halten. Seehofer, den Feueratem Söders im Nacken, wird sich beeilen, zumindest sie am Rand des Spielbretts zu halten. Die Bundeslandwirtschaftsministerin ist allerdings eine noch gefährlichere Gegnerin als Söder. Sie wird mit dem Pfund, dass sie eine Berliner Karriere zugunsten Münchens aufgibt, zu wuchern wissen; greift sie nach dem Fraktionsvorsitz, werden Seehofer Hilferufe, doch bitte „Glühwürmchen“ nicht für eine Supernova zu halten, nicht helfen. Auch Söder, so sehr ihn die Landtagsabgeordneten gegenwärtig hochhalten, weil sie selbst schon oft von Seehofer niedergehalten wurden, wird dann das Nachsehen haben. Aigner ist Vorsitzende des CSU-Bezirks Oberbayern, der Region, in der Wahlen gewonnen oder verloren werden; das werden die Abgeordneten zu beherzigen wissen.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
()
Permalink

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Flüchtlingspolitik Seehofer verteidigt geplante Aufnahmeeinrichtungen

Aufnahmeeinrichtungen für Flüchtlinge an der deutsch-österreichischen Grenze stärken das Recht auf Asyl, sagt Bayerns Ministerpräsident Seehofer. Bundesjustizminister Maas macht ihm jedoch schwere Vorwürfe. Mehr Von Albert Schäffer, München

21.07.2015, 17:54 Uhr | Politik
Seehofer gegen Gabriel Parteichefs teilen zum politischen Aschermittwoch aus

SPD-Chef Sigmar Gabriel und CSU-Boss Horst Seehofer haben sich in Bayern einen Schlagabtausch geliefert. Sorgen wegen der politische Konkurrenz macht man sich in der CSU dabei nicht. Manche Dinge in Bayern haben sich eben seit Jahrzehnten kaum verändert. Mehr

18.02.2015, 17:56 Uhr | Politik
Die CSU und das Betreuungsgeld Ein zerstäubtes Versprechen

Dass Karlsruhe das Betreuungsgeld gekippt hat, ist finanziell für die CSU kein Problem. Politisch jedoch liegt die Lage anders. In der Abenddämmerung der Ära Seehofer scheint die Partei vom Glück verlassen. Eine Analyse. Mehr Von Albert Schäffer, München

21.07.2015, 13:05 Uhr | Politik
Nach Urteil Bayern will Betreuungsgeld weiter zahlen

Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts will Bayern das Betreuungsgeld weiter zahlen. Nun sei der Bund in der Pflicht, den Ländern die bisher für das Betreuungsgeld eingesetzten Mittel in vollem Umfange zur Verfügung zu stellen, sagte CSU-Chef Horst Seehofer. Mehr

21.07.2015, 13:21 Uhr | Wirtschaft
CSU-Lieblingsprojekt Bayern zahlt notfalls Betreuungsgeld selbst

Dem Betreuungsgeld droht am Dienstag vor dem Bundesverfassungsgericht das Aus. Doch die CSU hat schon einmal für den Fall der Fälle vorgesorgt. Mehr Von Joachim Jahn

20.07.2015, 21:34 Uhr | Wirtschaft

Veröffentlicht: 25.12.2012, 11:54 Uhr

Schutz in Deutschland

Von Nikolas Busse

Ein Teil der Bevölkerung beginnt sich unter dem Eindruck der Migrationsströme zu radikalisieren. Der Staat muss reagieren - und die Flüchtlinge verlässlich schützen, die es bis nach Deutschland schaffen. Mehr 3