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Horst Seehofer : „Ein bewegender Moment in meinem Leben“

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Dem Himmel sei Dank: der neue bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer nach seiner Wahl Bild: dpa

Nach fast vierzig Jahren in der CSU ist Horst Seehofer auf dem Höhepunkt seiner politischen Laufbahn angekommen. Denn in Bayern ist das Amt des Ministerpräsidenten immer noch ein wenig die Fortsetzung der Monarchie mit demokratischen Mitteln.

          Liebhaber der politischen Ikonografie haben am Montag bei der Wahl Horst Seehofers zum bayerischen Ministerpräsidenten Glücksmomente erleben dürfen. Denn die Bilder Seehofers, wie er nach seiner Vereidigung alleine auf der Regierungsbank im Plenarsaal des Maximilianeums Platz nahm, fügten sich aufs beste in die Deutungsmuster, die über den neuen Regierungschef kursieren. Egomane, Simplicissimus, Sphinx: Der Umschreibungen sind viele für den Mann aus Ingolstadt - und sie eint die Verstörung der politischen Klasse, die sich an der Persönlichkeit Seehofers abarbeitet. Es ist die Verstörung, dass Seehofer sich immer wieder den gängigen Zuschreibungen entzieht; dass er in den vergangenen Jahren, wenn er gerade als politischer Autist gegeißelt worden war, sich im nächsten Augenblick als begabter Knüpfer von Netzwerken bewährte; dass er sich stets, wenn ihm das Ende seine politischen Karriere prophezeit wurde, zu neuen Höhen aufschwang.

          Er ist der große Stoiker in der deutschen Politik. Wer ihn erlebt, wie er auch unter größtem Termindruck Gespräche führt, als habe er alle Zeit der Welt; wie ihn Referenten, die ihn zum Aufbruch drängen, nicht aus der Ruhe bringen können; wie ihn auch Entscheidungszwänge kaum zu berühren scheint - wer ihm in solchen Situationen begegnet, wird sich nur schwer Seehofers Charisma entziehen können, das ihm auch politische Gegner nicht absprechen.

          Eine Karriere, in der nichts selbstverständlich war

          Als im vergangenen Jahr die Boulevardpresse zur großen Hatz auf ihn wegen einer außerehelichen Affäre blies, entzog er sich den eingeschliffenen medialen Mechanismen; er ließ sich Zeit - und teilte dann nur kurz und bündig mit, dass die Familie Seehofer zusammen bleibe. Am Montag, dem Tag seiner Wahl zum Regierungschef, nahm seine Frau Karin auf der Besuchertribüne Platz; auf sie warten nicht einfache repräsentativen Aufgaben, wie die Posse um die Weigerung Marga Becksteins, auf dem Oktoberfest ein Dirndl zu tragen, gezeigt hat.

          Mit dem Schwur des Amtseids wurde Seehofer Nachfolger des bisherigen Ministerpräsidenten Günther Beckstein

          Zum stoischen Naturell des 59 Jahre alten Seehofers mag beigetragen haben, dass in seinem Leben nichts selbstverständlich gewesen ist. Nicht selbstverständlich war für den in Ingolstadt geborenen Sohn eines Lastwagenfahrers und Bauarbeiters schon die Verwaltungsprüfung für den gehobenen Dienst - und nicht selbstverständlich waren alle weiteren Karriereschritte: Der Aufstieg zum Geschäftsführer des Planungsverbands und Rettungszweckverbands der Region Ingolstadt, die Wahl in den Bundestag, die Berufung zum Parlamentarischen Staatssekretär im Arbeits- und Sozialministerium, schließlich das Avancement zum Gesundheitsminister im Kabinett Kohl. Wenig erstaunlich, dass Seehofer am Montag auf der Besuchertribüne die Aussprache, die seiner Wahl zum Ministerpräsident vorausging, mit der gewohnten Gelassenheit verfolgte - ja mit einer Entspanntheit, als ginge es gar nicht um ihn, sondern um die Wahl eines Gouverneurs in einem südamerikanischen Staat.

          In der Leichtigkeit des Seins

          Mit amüsierter Miene verfolgte Seehofer, wie sich der Vorsitzende der SPD-Fraktion, Maget, pflichtgemäß abmühte, ihm die Legitimation für das Regierungsamt abzusprechen. Wohl oder übel musste Maget zwar zugeben, dass nach der Landesverfassung die Wahl Seehofers rechtlich möglich sei - sie legt als einzige Voraussetzung für das höchste bayerische Regierungsamt die Vollendung des vierzigsten Lebensjahrs fest; aber es bleibe dabei, dass Seehofer für die bayerischen Bürger am 28. September nicht zur Wahl gestanden habe. Und vollends in Heiterkeit verfiel Seehofer, als Maget ihn an Podiumsdiskussionen erinnerte, bei denen sie gemeinsam gegen ordnungspolitische Vorstellungen der FDP gestritten hätten - jener Partei, mit er nun als Koalitionspartei regieren wolle.

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