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Horst Schlämmer Film und Wirklichkeit

14.08.2009 ·  Wer glaubt, Film und Wirklichkeit seien zwei vollkommen verschiedene Sphären, irrt gründlich. Anders sieht das die Produktionsfirma von Horst Schlämmer alias Hape Kerkeling. Sie untersagte der CDU, mit Schlämmer zu werben.

Von Franz Josef Görtz
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Eine „tückische Natter“ und einen „Klingelgangster“ hat man ihn genannt, als er noch Kerkeling hieß und sich am liebsten „Hape“ rufen ließ, weil ihm der Vorname Hans Peter Wilhelm für die vorausberechnete Größe zu klein geraten schien oder zu kleinbürgerlich vorkommen wollte. Echte Westfalen sind da wesentlich sensibler als gebürtige Rheinländer.

Weil richtige Westfalen aber eigentlich aus dem Osten kommen, aus Polen womöglich und verwandten Gegenden, heißen sie auf der Bühne immer unaussprechlich - Paslewski oder Koslowski zum Beispiel. So oder zumindest so ähnlich heißt weit im Osten, etwa in den mystischen Untiefen der Kaschubei, angeblich jeder Hausmeister. Klar, dass der junge Kerkeling, als er noch den Harlekin gab oder den netten Provokateur von nebenan, im grauen Kittel auf den Provinzbühnen der Republik und in Turnhallen, Gemeindesälen oder sogenannten Mehrzweckhallen am liebsten den Hausmeister Harald Paslewski spielte: zuständig für die Ordnung im Publikum und Ruhe im Gestühl.

Frecher, mutiger, aufsässiger

Tückisch war daran nichts, nicht mal die Aggression aus heiterem Himmel, mit der dieser sympathisch schlitzohrige, in Recklinghausen als Sohn eines Tischlers aufgewachsene Kerkeling die demonstrativ ausgeruht auf ihren dicken Polstern dämmernden Besucher für den nächsten Gag wachzurütteln, wachzuschütteln pflegte. Am Sitznachbarn zur Rechten und Linken hat man es natürlich gern geschehen lassen. Denn Schadenfreude ist, zumal in den Bereichen der Fernsehunterhaltung, immer noch die aufrichtigste Freude. Und auf jeden Fall zweifellos die ungetrübteste.

In „Kerkelings Kinderstunde“ hatte der junge Entertainer das am wehrlos unmündigen Zuschauernachwuchs schon in den mittleren achtziger Jahren ausprobiert und quengelig lange Zeit keine Ruhe gegeben, bis er den Anarcho auch im Abendprogramm verkörpern durfte. Frecher, mutiger, aufsässiger und witziger als das, was bald landläufig als „Comedy“ durchs Abendprogramm geisterte, war das allemal.

Auch wenn diese „zwischen Peinlichkeit und Bravour oszillierenden Überfälle auf Trott und Etikette“ das Zwerchfell kitzelten, wie medienkritisch zuständige Beobachter ungern zugaben. Sie fürchteten wohl, womöglich unter ihrem Niveau gelacht zu haben und vor den Kindern nicht rasch genug in den Keller gegangen zu sein.

Nachhaltiger und anspruchsvoller gelacht wurde später, bei den Auftritten Kerkelings als Beatrix oder bei seinem perfid komischen Rollentausch in Günther Jauchs TV-Ratespiel. Wer bis dahin geglaubt hatte, Fernsehen und Wirklichkeit seien auch im richtigen Leben zwei vollkommen getrennte und verschiedene Sphären, irrte sich wohl gründlich. Bei dem genialischen Borat und dem fast ebenso genialischen Brüno wurde es dann langsam klarer. Der halbgenialische Horst Schlämmer reicht nicht ganz an sie heran. Slapstick war gestern, sein Filmteam und dessen PR-Management haben das nur noch nicht kapiert. Sie halten Film und Wirklichkeit für zwei grundverschiedene Seiten ein und derselben Medaille und die politischen Parteien außerdem allesamt für unverwechselbar. Darum mögen sie auch der CDU nicht gestatten, mit Horst Schlämmers Konterfei Werbung zu treiben.

CDU-Wahlkampf ohne Schlämmer

Die nordrhein-westfälische CDU darf nicht mit dem Konterfei von Hape Kerkeling alias Horst Schlämmer werben. Darauf besteht die Produktionsfirma des Kerkeling-Films „Isch kandidiere!“. In einer CDU-Wahlkampfanzeige war ein Foto von Schlämmer mit der CDU-Bürgermeisterkandidatin von Grevenbroich zu sehen. „Natürlich würde Horst Schlämmer immer nur für seine eigene Partei - die Horst Schlämmer Partei - Werbung machen“, teilte die Firma mit. Darauf habe man auch die CDU in Grevenbroich hingewiesen. Die CDU habe daraufhin versichert, dass es sich um eine einmalige Aktion gehandelt habe. (dpa)

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