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Hooligan-Demonstration in Köln : „Eine neue Qualität der Gewalt“

  • Aktualisiert am

Randalierer bei der Demonstration in Köln, die in Gewalt ausartete Bild: Reuters

Steine flogen, die Polizei setzte Wasserwerfer und Schlagstöcke ein: In Köln ist eine Demonstration tausender Hooligans gegen Salafisten eskaliert. 44 Polizisten wurden verletzt, rund 20 gewaltbereite Demonstranten in Gewahrsam genommen.

          Wasserwerfer, Schlagstöcke und Pfefferspray: Die Polizei hat am Sonntag mit einem massiven Einsatz auf Ausschreitungen bei einer Kundgebung von Hooligans und Rechtsradikalen gegen Salafisten in Köln reagiert. Beamte seien mit Flaschen, Steinen und Feuerwerkskörpern beworfen worden, sagte ein Polizeisprecher. „Dagegen sind wir vorgegangen.“ Ein Polizeifahrzeug wurde von Demonstranten umgeworfen. Insgesamt wurden 44 Polizisten wurden verletzt, einer davon schwer. Rund 20 gewaltbereite Demonstrantenwurdfen  in Gewahrsam genommen. Auf Seiten der Demonstranten sei eine Person verletzt worden. Eine solche Eskalation der Gewalt habe es in Nordrhein-Wetfalen seit langem nicht gegeben, sagte der Sprecher.

          Noch Stunden nach Ende der Veranstaltung habe eine „eine Hand voll“ Hooligans in der Innenstadt randaliert. Dabei sei eine „kleine Gruppe“ festgenommen worden und habe die Nacht auf der Wache verbracht. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) hält den Zusammenschluss von Hooligans und Rechtsextremen für eine äußerst gefährliche Entwicklung. „Wenn sich diese Gruppe jetzt verfestigt und noch wächst, dann haben wir aus meiner Sicht eine neue Qualität der Gewalt“, sagte der nordrhein-westfälische GdP-Landesvorsitzende Arnold Plickert. Es sei erschreckend, welchen Zulauf die sogenannten „Hooligans gegen Salafisten“ in den vergangenen Wochen bekommen hätten.

          4000 gewaltbereite Hooligans

          Deutlich mehr Menschen als erwartet waren aus ganz Deutschland angereist und durch die Innenstadt marschiert. Organisator war laut Polizei die Vereinigung Hooligans gegen Salafisten (HoGeSa). Der Veranstalter hatte 1500 Personen zu einer friedlichen Demonstration angemeldet - es kamen mindestens 4000 als gewaltbereit geltende Hooligans, um gegen Islamisten zu demonstrieren.

          Zugleich kamen rund 500 Teilnehmer zu einer Gegendemonstration unter dem Motto „Schulter an Schulter gegen Rassismus und religiösen Fundamentalismus“ - unter ihnen war die Kölner Band Brings. Die Polizei war unbestätigten Angaben zufolge mit rund 1000 Einsatzkräften vor Ort.

          Schon kurz nach Beginn des Umzugs hätten Teilnehmer Feuerwerkskörper abgebrannt und dann teils in stark alkoholisiertem Zustand Polizisten mit Flaschen und Feuerwerkskörpern attackiert, teilte die Polizei mit. Bereits vor Beginn der Krawalle wurden am Kölner Hauptbahnhof „Ausländer raus“-Rufe angestimmt. Als die Hooligans durch die Stadt zogen, kam es zu den heftigen Ausschreitungen am Ebertplatz. „Demonstranten haben massiv Polizisten attackiert“, sagte ein Polizeisprecher. „Wir haben Pfefferspray, Schlagstöcke und Wasserwerfer eingesetzt, um die Situation schnell in den Griff zu bekommen.“

          Wenig später eskalierte die Lage auch am Hauptbahnhof. Demonstranten versuchten, das abgesperrte Bahnhofsgebäude zu stürmen. Hooligans seien abermals auf Beamte losgegangen und hätten mit Stühlen und Fahrrädern auf sie geworfen. Die Polizei setzte auch dort Wasserwerfer ein.

          Insgesamt seien sechs Hooligans festgenommen worden. Als sich die Lage etwas beruhigt hatte, eskortierte die Polizei die Demonstranten in kleinen Gruppen durch den Bahnhof zu ihren Zügen, damit sie aus Köln abreisen konnten. Auch dabei kam es immer wieder zu kleineren Rangeleien mit Einsatzkräften.

          Rund 4000 als gewaltbereit geltende Hooligans hatten sich in Köln versammelt, um gegen Islamisten zu demonstrieren Bilderstrecke

          „Das Gewaltpotenzial war insgesamt wahnsinnig groß, es herrschte eine sehr aggressive Stimmung der Polizei gegenüber“, sagte der Polizeisprecher. Hubschrauber hätten auch Bilder aus der Luft gemacht. Diese würden nun von szenekundigen Beamten ausgewertet, um die Angreifer auch nachträglich zur Rechenschaft ziehen zu können.

          GdP-Landeschef Plickert sagte: „Hier geht es um Gewalt und sonst nichts.“ Die Hooligans hätten einfach einen Grund für eine Auseinandersetzung mit der Polizei gesucht.

          Vom Innenministerium beobachtet

          Die „Hooligans gegen Salafisten“ sind eine Bewegung, die sich im Internet gebildet hat und sich über soziale Netzwerke organisiert. Neben gewaltbereiten Fußballfans werden auch Rechtsextreme der Bewegung zugerechnet. Das Bundesinnenministerium beobachtet sie nach eigenen Angaben wegen der hohen Gewaltbereitschaft unter den Sympathisanten seit einiger Zeit verstärkt. Die Kundgebung in Köln war von einem Funktionär der Anti-Islam-Partei Pro NRW angemeldet worden, die vom Verfassungsschutz beobachtet wird.

          Vor einigen Wochen habe die Gruppe noch mit wenigen Dutzend Teilnehmern in Mannheim und Essen demonstriert. In Dortmund kamen Anfang Oktober schon mehr als 300 Teilnehmer, die sich vor allem über soziale Netzwerke im Internet organisierten. „Und jetzt haben wir hier in Köln schon 4500 gehabt“, sagte Plickert. „Der Kampf gegen den Salafismus ist nur ein Alibi - man will die Gewalt ausleben.“

          Sollte sich das Bündnis in dieser Form festigen, könnten das die Einsatzkräfte der Polizei in NRW parallel zu den ohnehin vielen großen Einsätzen etwa bei Fußballspielen nicht mehr leisten.

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