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Holocaust-Gedenken : Lammert: Machtübernahme Hitlers kein Betriebsunfall

  • Aktualisiert am

Bundespräsident Joachim Gauck und die Holocaust-Überlebende Inge Deutschkron im Bundestag Bild: dpa

Bundestagspräsident Lammert hat am Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus aufgerufen, die Demokratie zu verteidigen. In der Gedenkstunde des Parlaments bewegte die 90 Jahre alte Schriftstellerin Inge Deutschkron mit ihrer Schilderung von Deportation und Holocaust.

          Im Bundestag ist am Mittwoch des Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz und des achtzigsten Jahrestages des Machtantritts Adolf Hitlers am 30. Januar 1933 sowie der Verbrechen des Nationalsozialismus gedacht worden. Bundestagspräsident Lammert sagte: „Der Weg nach Auschwitz begann mit der Zerstörung der Demokratie.“ Die Machtübernahme durch die Nationalsozialisten „war kein Betriebsunfall in der Geschichte; sie war weder zufällig noch zwangsläufig“. Bundestagsvizepräsident Thierse hatte zuvor gesagt, der Begriff „Machtergreifung“ sei historisch falsch. Hitler sei die Macht vom Reichspräsidenten Hindenburg übertragen worden.

          Unter dem Beifall der Anwesenden würdigte Lammert, dass die Gedenkstunde im Sender Phoenix übertragen worden sei. „Noch besser wäre es, wenn ARD oder ZDF es wie wir wichtig genug fänden“, dieses Gedenken auch „im Hauptprogramm öffentlich-rechtlicher Sendeanstalten zu vermitteln“.

          In der Hauptrede im Bundestag schilderte die Schriftstellerin Inge Deutschkron ihr Leben als Jüdin in der Zeit des Nationalsozialismus; während des Krieges konnte sie sich mit ihrer Mutter in Berlin verstecken und dadurch den Holocaust überleben. Lammert würdigte die Arbeit der 1922 geborenen jüdischen Schriftstellerin: „Sie tragen dazu bei, eine Generation der Zeugen von Zeugen zu bilden.“ An der Gedenkstunde nahmen auch Bundespräsident Gauck, Bundesratspräsident Kretschmann und das nahezu gesamte Bundeskabinett teil.

          Gauck würdigte am Mittwochabend in München zudem die Widerstandsgruppe „Weiße Rose“. In einer Gedächtnisvorlesung an der Ludwig-Maximilians-Universität erinnerte er an die Worte Sophie Scholls vor dem Volksgerichtshof: „Einer muss ja doch mal schließlich damit anfangen.“ In diesen Worten steckten Verzweiflung und Einsamkeit, aber auch Hoffnung und Mut der jungen Frau und ihrer Mitstreiter. Der Blick auf Sophie Scholl, die mit ihrem Bruder Hans und mit Christoph Probst im Februar 1943 hingerichtet wurde, zeige, dass Stärke entstehe, wenn Werte tief in den Herzen wurzelten.

          Quelle: F.A.Z./ban.

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