http://www.faz.net/-gpf-765s2

Holocaust-Gedenken : Lammert: Machtübernahme Hitlers kein Betriebsunfall

  • Aktualisiert am

Bundespräsident Joachim Gauck und die Holocaust-Überlebende Inge Deutschkron im Bundestag Bild: dpa

Bundestagspräsident Lammert hat am Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus aufgerufen, die Demokratie zu verteidigen. In der Gedenkstunde des Parlaments bewegte die 90 Jahre alte Schriftstellerin Inge Deutschkron mit ihrer Schilderung von Deportation und Holocaust.

          Im Bundestag ist am Mittwoch des Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz und des achtzigsten Jahrestages des Machtantritts Adolf Hitlers am 30. Januar 1933 sowie der Verbrechen des Nationalsozialismus gedacht worden. Bundestagspräsident Lammert sagte: „Der Weg nach Auschwitz begann mit der Zerstörung der Demokratie.“ Die Machtübernahme durch die Nationalsozialisten „war kein Betriebsunfall in der Geschichte; sie war weder zufällig noch zwangsläufig“. Bundestagsvizepräsident Thierse hatte zuvor gesagt, der Begriff „Machtergreifung“ sei historisch falsch. Hitler sei die Macht vom Reichspräsidenten Hindenburg übertragen worden.

          Unter dem Beifall der Anwesenden würdigte Lammert, dass die Gedenkstunde im Sender Phoenix übertragen worden sei. „Noch besser wäre es, wenn ARD oder ZDF es wie wir wichtig genug fänden“, dieses Gedenken auch „im Hauptprogramm öffentlich-rechtlicher Sendeanstalten zu vermitteln“.

          In der Hauptrede im Bundestag schilderte die Schriftstellerin Inge Deutschkron ihr Leben als Jüdin in der Zeit des Nationalsozialismus; während des Krieges konnte sie sich mit ihrer Mutter in Berlin verstecken und dadurch den Holocaust überleben. Lammert würdigte die Arbeit der 1922 geborenen jüdischen Schriftstellerin: „Sie tragen dazu bei, eine Generation der Zeugen von Zeugen zu bilden.“ An der Gedenkstunde nahmen auch Bundespräsident Gauck, Bundesratspräsident Kretschmann und das nahezu gesamte Bundeskabinett teil.

          Gauck würdigte am Mittwochabend in München zudem die Widerstandsgruppe „Weiße Rose“. In einer Gedächtnisvorlesung an der Ludwig-Maximilians-Universität erinnerte er an die Worte Sophie Scholls vor dem Volksgerichtshof: „Einer muss ja doch mal schließlich damit anfangen.“ In diesen Worten steckten Verzweiflung und Einsamkeit, aber auch Hoffnung und Mut der jungen Frau und ihrer Mitstreiter. Der Blick auf Sophie Scholl, die mit ihrem Bruder Hans und mit Christoph Probst im Februar 1943 hingerichtet wurde, zeige, dass Stärke entstehe, wenn Werte tief in den Herzen wurzelten.

          Quelle: F.A.Z./ban.

          Weitere Themen

          Ende eines Schauspiels

          TV-Kritik: Anne Will : Ende eines Schauspiels

          Diese Nacht verkündet der FDP-Vorsitzende das Scheitern der Sondierungsgespräche. Für eine solche Situation gibt es ein im Grundgesetz exakt definiertes Verfahren. Das scheinen aber nicht einmal die Politiker zu verstehen.

          Lebenszeichen gibt Hoffnung Video-Seite öffnen

          Vermisstes U-Boot : Lebenszeichen gibt Hoffnung

          Argentiniens Marine sucht noch immer ihrem im Atlantik verschollene U-Boot. Das Schiff hat am Samstag offenbar einen Kontaktversuch unternommen. Das hat das argentinische Verteidigungsministerium mitgeteilt.

          Argentinien weitet Suche aus Video-Seite öffnen

          U-Boot verschollen : Argentinien weitet Suche aus

          Seit Tagen wird das argentinische U-Boot „ARA San Juan“ im Südatlantik vermisst. Jetzt nähren mögliche Notsignale die Hoffnung auf Rettung der 44 Besatzungsmitglieder.

          Topmeldungen

          Sie scheint gestärkt, nicht geschwächt: Bundeskanzlerin Angela Merkel nach dem Abbruch der Sondierungsgespräche.

          Jamaika-Ende bei ARD und ZDF : „Ich fürchte nichts“

          Die Auftritte der Bundeskanzlerin im Fernsehen nach dem Scheitern der Sondierungsgespräche setzen ein Zeichen. Dafür sorgen nicht die Journalisten, das macht Angela Merkel schon selbst. Sie will es nochmal wissen und regieren. Am liebsten, hören wir heraus, mit Schwarz-Grün.
          Ein Schiff der britischen Marine sucht nach dem vermissten U-Boot.

          Suche nach U-Boot : Retter hören mögliche Klopfgeräusche

          Suchschiffe haben rund 360 Kilometer vor der argentinischen Küste Geräusche registriert. Möglicherweise hämmert die Mannschaft mit Werkzeugen gegen die U-Boot-Wand, um auf sich aufmerksam zu machen.

          Nach Aus für Jamaika : Ihr gelbes Wunder

          Auch die AfD hatte auf eine große Koalition gehofft. Sie versprach sich von Jamaika goldene Zeiten in der Opposition – nun muss sie jedoch die Liberalen fürchten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.