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„Vogelschiss“-Vergleich : Höcke geht nach Gaulands Entgleisung zum Gegenangriff über

  • Aktualisiert am

Die Bundesregierung dürfe moralisch nicht über Gauland urteilen, sagte Höcke über die Kritik an Gaulands Aussagen. Bild: dpa

Björn Höcke nutzt die Aufregung um Gaulands „Vogelschiss“-Äußerung, um Merkels Flüchtlingspolitik zu attackieren. Dabei benutzt er Worte, die denen Gaulands in ihrer Heftigkeit nichts nachstehen.

          Der Thüringer AfD-Vorsitzende Björn Höcke hat die umstrittene Aussage des AfD-Bundesvorsitzenden Alexander Gauland verteidigt und zugleich die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung kritisiert. Zu Äußerungen der CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer sagte er: „Diejenigen Hypermoralisten, die jetzt wieder aufschreien, diese Ober-Phrasendrescher vom Schlage einer Frau Kramp-Karrenbauer, die mit ihrer Politik dafür gesorgt haben, dass unsere innere Sicherheit zerfällt, die zumindest indirekt dafür verantwortlich sind, dass unsere Töchter und unsere Frauen angemacht, vergewaltigt und getötet werden, diese Herrschaften haben in meinen Augen jedes Recht verwirkt, sich moralisch über AfD-Politiker zu äußern.“

          Zuvor hatte Gauland selbst angesichts der öffentlichen Empörung seine umstrittene Aussage zum Nationalsozialismus relativiert. „Es war nicht meine Absicht, die Verbrechen des Nationalsozialismus zu bagatellisieren“, sagte Gauland am Montag. Er habe seine „tiefste Verachtung“ für den Nationalsozialismus mit dem Begriff „Vogelschiss“ zum Ausdruck gebracht. „Vogelschiss ist und bleibt für mich der letzte Dreck, ein animalischer Auswurf, mit dem ich den Nationalsozialismus verglichen habe.“

          Er müsse aber zur Kenntnis nehmen, dass viele in dem Begriff eine unangemessene Bagatellisierung gesehen hätten. „Nichts lag mir ferner als einen solchen Eindruck entstehen zu lassen, was sich aus dem übrigen Teil der Rede auch zweifelsfrei ergibt“, betonte er. „Die entstandene Wirkung bedaure ich. Niemals war es meine Absicht, die Opfer dieses verbrecherischen Systems zu bagatellisieren oder gar zu verhöhnen.“

          Gauland hatte am Samstag beim Bundeskongress der AfD-Nachwuchsorganisation Junge Alternative im thüringischen Seebach gesagt: „Hitler und die Nazis sind nur ein Vogelschiss in über 1000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte.“ Der Satz fiel nach einem Bekenntnis zur Verantwortung der Deutschen für den Nationalsozialismus mit Millionen ermordeten Juden und Millionen Kriegstoten.

          Kritik an Gauland auch aus den eigenen Reihen

          „Es ist beschämend, dass wir uns mit solchen Äußerungen eines Bundestagsabgeordneten befassen müssen“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Die Bundesregierung weise jede Relativierung und Verharmlosung des Nationalsozialismus entschieden zurück. Der Holocaust sei ein Menschheitsverbrechen gewesen. Nur weil sich Deutschland und alle Bundesregierungen dazu bekannten, sei das Land wieder ein anerkanntes Mitglied der Staatengemeinschaft geworden.

          Zuvor hatte die „Alternative Mitte“ in der AfD eine öffentliche Entschuldigung von ihrem Parteivorsitzenden gefordert. „Einem Politiker, der über ein Mindestmaß an Fingerspitzengefühl und Verantwortungsbewusstsein für unsere Geschichte verfügt, darf das nicht passieren“, erklärte die Gruppierung, die sich als Strömung der Gemäßigten in der AfD versteht.

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