15.06.2012 · Je abhängiger die Universitäten von Drittmitteln werden, umso seltener werden bahnbrechende Forschungsergebnisse. Das System begünstigt Wissenschaft vom Reißbrett.
Von Heike SchmollRichtlinien für Lesermeinungen
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Haben die Akademiker gar keine Selbstachtung? (Brillanzklumpen)
Liebe Frau Schmoll,
herzlichen Dank für die treffenden Formulierungen!
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Warum haben sich die deutschen Wissenschaftler in den letzten 15 Jahren
haben so willenlos schlachten lassen? Weder gegen das 12-Jahres-Gesetz
noch gegen die Bolognareform noch gegen den Exzellenzzirkus hat es
echten Widerstand gegeben.
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Gemildert wurde grade einmal die Gehaltskrürzung für die
Professoren, die immerhin lebenslang abgesichert sind. Nun ja, besser
als nichts. Meine Freude über diesen Teilsieg wäre
größer, wenn sich die verbeamtete Professorenschaft nicht bei
den anderen Feldern als Erfüllungsgehilfen, Wegseher und
Kollaborateure verhalten hätten.
.
Zur Planwirtschaft gehört auch das Potemkinsche Dorf mit seinen
klebrigen Hochglanzpräfixen: "Exzellenz",
"Spitzen-", "Best-", "Zukunfts-", etc.,
deren Angeberattitüde
jeder guten Erziehung in die Magengrube schlägt. Das ist die
Sprache bildungsferner Werbefuzzis. Warum machen die Akademiker das mit?
Haben sie denn gar keine Selbstachtung?
Confession of an academic rat racer
The danger of using a rat race to allocate cheese is that you are likely to end up with a race of super rats.
Kollateralschäden der Profilierungsanreize - (Un-)Bildung für das Gemeinwohl
Heike Schmolls Kommentar beschreibt treffend die Kollateralschäden für die Wissenschaft selbst, die aus der Drittmittel-Steuerung resultieren, insbesondere inwiefern ein Verlust von Qualität eintritt (Uniformierung via Fördermittelbedingungen statt ergebnisoffener Forschung; Überdehnung der Forschungsfragen in den Geistes- und Sozialwissenschaften über Anreize zu Clusterbildung). Bekanntlich fragt man sich in Großbritannien schon, ob man überhaupt noch Theologie, Geistes- und Sozialwissenschaft öffentlic finanzieren sollte ... Die Nachfrage nach dem Auftrag der Hochschulen auch in modernen Wissen(schafts-)Gesellschaften zum geistigen und kulturellen Reichtum ("Allgemeinbildung") und zur Förderung des Gemeinwohls stößt inzwischen unter NachwuchswissenschaftlerInnen auf ahnungsloses Schulterzucken. Et violà - der Teufelskreis verfängt: War da noch etwas anderes - what money - for excellence - can't buy?
Danke für diesen treffenden Kommentar!
Andererseits ist die Frage: Wie lässt sich dem "Exzellenz-Konformismus" begegnen? Es braucht hier offenbar abseits der nunmehr bestehenden Strukturen individuellen Mut oder vielmehr individuelle Mutige, die in der Lage sind, sich selbst zu organiseren und auch die entsprechenden ökonomischen Mittel aufzustellen - außeruniversitär.
Jenseits der Exzellenzbestrebungen
Wie vom Autor geschildert, besteht ein Grundproblem der Exzellenzinitiative in ihrer ausschließlichen Beschränkung auf selektierte Cluster ohne eine assoziierte Förderung der Gesamt-Infrastruktur von Universitäten, zum anderen in der fehlenden Nachhaltigkeit der Förderung. Eine langfristige Verbesserung der universitären Landschaft setzt ein Gleichgewicht zwischen verbesserter und langfristig verfügbarer Grundausstattung und modeabhängigen "Leuchttürmen" voraus. Nicht zuletzt trägt die Ablehnung zusätzlicher Förderungen des Bundes dazu bei, dass die zu Recht eingeforderten Mittel auch für die gesellschaftlich relevanten Geisteswissenschaften und für langfristig angelegte solide Forschung allseits fehlen.
Sehr treffend, Frau Schmoll. Auch hier sind wir auch dem Weg zur
Planwirtschaft und suchen den Erfolg in behördlicher Anerkennung
statt auf den Märkten.
Schlussendlich wird sich die Wissenschaft in die Richtungen des
politisch gewollten Denkens entwickeln und schlimmer noch,
gewünschte Ergebnisse abliefern und sich damit selber
überflüssig machen.
Man muss nicht einmal sehr alt sein, um festzustellen: Das gab’s
doch schon mal...
Die Autorin kennt sich aus. Wissentlich oder nicht, hat sie aber nur die Oberfläche dieses (inzwischen genderkorrekten) Geld- und Kreativitätsvernichtungssystems angekratzt.
Heike Schmoll Jahrgang 1962, politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.
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