http://www.faz.net/-gpf-8c1j4
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Aktualisiert: 05.01.2016, 17:03 Uhr

Pressekonferenz in Köln Reker sieht keine Hinweise auf Flüchtlinge als Täter

Nach den Übergriffen in der Silvesternacht tappt Köln bei der Suche nach Tätern noch weitgehend im Dunklen. Aus Flüchtlingsheimen der Domstadt sollen sie nicht kommen. Der Polizeipräsident gesteht einen Fehler ein.

© Reuters „Spüren Sie den Druck der Bundespolitik?“: Die dümmste Frage der Pressekonferenz konterte Henriette Reker mit dem Hinweis, der Druck ergebe sich aus dem Ereignis.

Nach den Übergriffen auf Frauen vor dem Kölner Hauptbahnhof in der Silvesternacht ist zu den Tätern weiterhin wenig bekannt. „Es gibt keinen Hinweis, dass es sich hier um Menschen handelt, die hier in Köln Unterkunft als Flüchtlinge bezogen haben“, sagte Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) am Dienstag. Entsprechende Vermutungen halte sie für „absolut unzulässig“. Kölns Polizeipräsident Wolfgang Albers sagte: „Wir haben derzeit keine Erkenntnisse über Täter.“

Dutzende Frauen sollen in der Silvesternacht auf dem Bahnhofsvorplatz aus einer Gruppe von etwa 1000 Männern heraus angegriffen worden sein. Die Polizei hatte von Sexualdelikten in massiver Form und von einer Vergewaltigung gesprochen. „Es gibt keine tausend Täter“, stellte Albers klar. Es habe eine Ansammlung von Menschen gegeben, aus der heraus Straftaten begangen worden seien. Zum jetzigen Zeitpunkt könne er noch keine Zahl von Tätern oder Tatverdächtigen nennen.

Mehr zum Thema

Albers wies Kritik am Einsatz der Polizei zurück. Es seien ausreichend Kräfte auf dem Bahnhofsvorplatz gewesen. „Wir waren an dem Abend ordentlich aufgestellt.“ Die Beamten hätten zwar schon in der Silvesternacht von Übergriffen Kenntnis bekommen. Der volle Umfang - insbesondere der sexuellen Übergriffe - sei allerdings erst am nächsten Tag klargeworden. „Es hat auf der Leitstelle in der Nacht drei konkrete Notrufe zu dem Sachverhalt gegeben.“ Bislang gebe es 90 Strafanzeigen. Er rechne damit, dass es mehr werden, sagte Albers.

Neue App
Der TAG jetzt auch auf Android

Das neue Angebot für den klugen Überblick: Die wichtigsten Nachrichten und Kommentare der letzten 24 Stunden – aus der Redaktion der F.A.Z. – bereits über 100.000 mal heruntergeladen.

Mehr erfahren

Der Einsatz habe damit begonnen, dass sich gut 1000 Männer auf dem Vorplatz und den Treppen zum Kölner Dom aufgehalten und Pyrotechnik gezündet beziehungsweise damit von oben auf Passanten geschossen hätten. Die Beamten hätten erst ab 1.00 Uhr, als der Platz vor dem Hauptbahnhof längst geräumt gewesen sei, erste Hinweise auf schwere Straftaten erhalten, sagte der Leitende Polizeidirektor, Michael Temme. Das gesamte Ausmaß der Übergriffe sei auch zu diesem Zeitpunkt noch unklar gewesen.

Albers: Lageeinschätzung der Polizei „falsch“

Albers kritisierte jedoch die erste polizeiliche Einschätzung der Lage am Neujahrsmorgen. „Diese erste Auskunft war falsch.“ In einer Pressemitteilung hatte die Polizei die Einsatzlage in der Silvesternacht als entspannt beschrieben.

Als Konsequenz aus den Übergriffen will die Stadt Köln ihre Sicherheitsvorkehrungen für Großveranstaltungen verschärfen. Stadt und Polizei hätten Maßnahmen entwickelt, „die dazu führen sollen, dass es solche Vorfälle hier nie wieder gibt“, sagte Reker. Frauen und Mädchen müssten ohne jedes Unsicherheitsgefühl in der Domstadt Karneval feiern können. „Wir wollen hier keine unkontrollierbaren Orte in Köln.“ Es müsse eine Stadt bleiben, „in der jeder auch feiern kann“.

Albers kündigte mit Blick auf Karneval an: „Nun werden wir deutlich die Präsenz erhöhen.“ Die Polizei werde sowohl uniformierte als auch zivile Kräfte einsetzen und mobile Videoanlagen einrichten.

© dpa, reuters Maas: „Täter von Köln müssen bestraft werden“

Quelle: lohe./dpa

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Sexuelle Übergriffe in Berlin Polizei nimmt drei Tatverdächtige kurzzeitig fest

Beim Berliner Karneval der Kulturen sollen männliche Jugendliche junge Frauen sexuell belästigt haben. Der Polizei sind die Tatverdächtigen nicht unbekannt – dennoch ließen sie die drei Festgenommenen wieder frei. Mehr

15.05.2016, 17:00 Uhr | Politik
Köln Erstes Urteil zu Kölner Silvester-Übergriffen

Gut vier Monate nach den massenhaften Übergriffen auf Frauen in der Kölner Silvesternacht haben sich erstmals zwei Tatverdächtige in der Domstadt vor Gericht verantworten müssen. Ein 26-jähriger Algerier und sein jüngerer Bruder wurden jedoch vom Vorwurf der sexuellen Nötigung und des Diebstahls eines Handys entlastet und stattdessen wegen eines früheren Diebstahlversuchs zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Mehr

06.05.2016, 17:56 Uhr | Gesellschaft
Karneval der Kulturen Mindestens acht Frauen Opfer sexueller Übergriffe

Männergruppen sollen beim Karneval der Kulturen in Berlin mindestens acht Frauen sexuelle genötigt haben. Zu den mindestens vier Tatverdächtigen liegen der Polizei nun neue Details vor. Mehr

17.05.2016, 17:40 Uhr | Gesellschaft
Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker schildert Messerattacke vor Gericht

Er stach in Sekundenschnelle zu: Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker hat vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht die Messerattacke vom Oktober 2015 geschildert, bei der die damalige OB-Kandidatin schwer verletzt wurde. Im Gerichtssaal begegnete sie erstmals wieder ihrem Angreifer. Mehr

29.04.2016, 16:07 Uhr | Aktuell
Reaktion auf Silvester Köln will künftig Böller und Raketen von Domplatte verbannen

Knapp fünf Monate nach den Übergriffen in Köln an Silvester feilen Stadt und Polizei an einem Sicherheitskonzept. Um den Dom soll es eine Schutzzone geben. Mehr

20.05.2016, 21:43 Uhr | Politik