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Parteitag in Essen : Henkel verlässt die AfD

Hans-Olaf Henkel Bild: dpa

Der Europaabgeordnete Hans-Olaf Henkel ist aus der AfD ausgetreten. Damit verliert die Partei ein prominentes Gesicht. Auch Parteigründer Bernd Lucke könnte bald gehen.

          Der Europaabgeordnete Hans-Olaf Henkel ist am Sonntagabend aus der AfD ausgetreten. Wie Henkel FAZ.NET bestätigte, erklärte er seinen Parteiaustritt in einem Schreiben an den Berliner Landesvorsitzenden Günter Brincker. Henkel zog damit die Konsequenz aus der Wahl von Frauke Petry zur Parteivorsitzenden und einer Schwächung des wirtschaftsliberalen Flügels der Partei. Beim Bundesparteitag der Alternative für Deutschland (AfD) in Essen war es zuvor am Sonntag zu tumultuarischen Szenen gekommen. Parteigründer Bernd Lucke, der am Vortag bei der Wahl zum Alleinvorsitzenden der sächsischen AfD-Landeschefin Frauke Petry unterlegen war, drohte im Saal vor einer Gruppe von Mitgliedern und Gästen mit seinem Austritt aus der Partei. Zugleich betonte er: „Ich werde keinen Schnellschuss machen.“

          Justus Bender

          Redakteur in der Politik.

          Auf das Drängen des stellvertretenden AfD-Vorsitzenden Alexander Gauland, der Partei nicht den Rücken zu kehren, reagierte Lucke nicht direkt. „Die Partei hat sich ganz grundsätzlich verändert“, sagte er. Lucke dementierte, dass er bereits aus der Partei ausgetreten sei. Ein entsprechendes Gerücht hatte sich im Saal verbreitet und zu Gedränge und Gejohle geführt.

          Lucke äußerte am Rande des Parteitags zudem die Sorge, dass sich die AfD in Richtung des rechtsextremen Front National (FN) in Frankreich bewege. „Die Themen und Stimmungen deuten leider darauf hin“, so Lucke. Er sei bestürzt darüber, dass auf dem Parteitag bestimmte Themen mit frenetischem Beifall aufgenommen worden seien. Als Beispiel nannte er die Aussage Petrys, der Islam sei generell eine staatsfeindliche Religion. „Dies halte ich wiederum für eine islamfeindliche Äußerung, für eine Ausgrenzung muslimischer Mitbürger“, sagte Lucke. Ebenso wandte er sich „ganz entschieden“ gegen die Darstellung des NRW-Landesvorsitzenden Marcus Pretzell, die AfD sei „auch eine Pegida-Partei“.

          Hoch gepokert - und verloren: Bernd Lucke
          Hoch gepokert - und verloren: Bernd Lucke : Bild: dpa

          Überdies kündigte Lucke an, in den nächsten Tagen werde über die Zukunft des von ihm gegründeten Vereins "Weckruf 2015" zur Stärkung des wirtschaftsliberalen Kurses in der AfD entschieden. Zunächst würden die Mitglieder befragt, ob sie sich einen Verbleib in der AfD vorstellen könnten. Sollte das nicht der Fall sein, würden voraussichtlich alle gemeinsam die Partei verlassen. Lucke verwies darauf, dass bereits seit Samstag eine große Zahl von Mitgliedern aus der AfD ausgetreten sei.

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