Einen Deutschen, der es als Kanzler der Einheit zum Ehrenbürger Europas gebracht hat, hatte es vor ihm nicht gegeben. Daher wird Helmut Kohl länger und an mehr Orten der Welt in den Geschichtsbüchern bleiben als sogar Otto von Bismarck.
Denn Kohl gelang, was deutschen Regierenden seit dem Mittelalter nicht mehr gelungen war: Deutschland stark zu machen und dennoch die Nachbarn reihum als Partner und Freunde zu erhalten.
Leistungen seiner Vorgänger halfen
Diese persönliche Leistung des von 1982 bis 1998 amtierenden Kanzlers der Bundesrepublik Deutschland wurde ihm freilich durch die Leistungen seiner Vorgänger seit 1949 erleichtert: durch die von Konrad Adenauer durchgesetzte „Westbindung“ mit den drei Elementen Ausrichtung auf Amerika, Aussöhnung mit Frankreich und Verständigung mit Israel, durch die von Ludwig Erhard begründete Wirtschaftskraft der früheren drei westlichen Besatzungszonen, durch die von Willy Brandt geübte Entspannungspolitik gegenüber den östlichen Staaten, durch den von Helmut Schmidt gestarteten Versuch, durch einen Doppelbeschluss zur Nachrüstung und zugleich zum Rüstungsabbau, beiden – Ost und West – jeweils das Gesicht zu wahren.
Die Einbindung in die Nato und die europäische Gemeinschaft und das Ermatten der Ideologien im Kalten Krieg bescherten insgesamt günstige Umstände.
Vertrauen in der Welt gewonnen
Möglich wurde Kohls Triumph dennoch nur durch seine eigenen Vorleistungen. In den ersten Jahren seiner Kanzlerschaft, als nach menschlichem Ermessen die Aussicht auf die Wiedervereinigung so gering war wie jene auf den Zusammenbruch des sowjetisch-kommunistischen Systems – um damals daran zu glauben, musste man ein solches Gottvertrauen haben wie der polnische Papst Johannes Paul II –, arbeitete Kohl daran, das Vertrauen der Großen dieser Welt wie der Kleinen Europas zu gewinnen.
Mit Hilfe seines Beraters Horst Teltschik hielt er mit der Rechten die Hände der Amerikaner und der Franzosen ganz fest und streckte seine Linke den Osteuropäern entgegen. So war er bestens aufgestellt für jede Herausforderung, gleich welcher Art sie gewesen wäre. Dass ihn dann der Mantel der Geschichte so wohlwollend und so günstig für das national noch weitgehend einige Volk in den beiden deutschen Staaten umwehte, war nicht nur sein Glück.
Patriotisch, machtbewusst und mit politischem Instinkt
Kohls Erfolg fußte nicht nur auf Taktik und Strategie, sondern auf seiner körperlich-seelischen Stärke. Sein Christentum, seine trotz streitbarer Natur generelle Friedensliebe, sein Patriotismus, sein Machtbewusstsein und seine Fähigkeit, entscheidende Momente rechtzeitig zu erkennen, haben den 1930 geborenen langjährigen CDU-Vorsitzenden aus Ludwigshafen zum europa- und global tauglichen Politiker gemacht.
Der Vater zweier Söhne, damals seit 29 Jahren mit seiner Frau Hannelore verheiratet, hat 1989 die Chance erhalten, Weltgeschichte zu machen. Er war darauf vorbereitet, weil er gewohnt war, entschieden zuzugreifen. Das Land hatte Glück mit ihm, auch wenn es so manchen Politikern und Bürgern zunehmend schwer fiel, ihm Dank zu zollen. Zwanzig Jahre danach kommt alles ins Lot.
Die Versäumnisse des Aussitzenden
Harry LeRoy (Cimon)
- 01.10.2010, 22:31 Uhr
Vielen Dank für den guten Artikel Herr Hefty
Hans Beck (Wiesbadener2)
- 02.10.2010, 01:21 Uhr
Ich mag Kohl
Kirstin Minge (KirstinMinge)
- 02.10.2010, 02:41 Uhr
Zum Glück vorbei
peter wicht (petermihm)
- 02.10.2010, 03:25 Uhr
Alle Jahre wieder - wird von der CDU am Tag der deutschen Einheit ...
Wolf Teufel (wolf.teufel)
- 02.10.2010, 07:20 Uhr