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Veröffentlicht: 25.12.2012, 14:28 Uhr

Hells Angels und Bandidos Des Rockers Vorstellung von Bruderschaft

Immer mehr Bandidos laufen über zu den Hells Angels. Wenn es um Macht und Geld geht, können Feinde auch Freunde werden. Aber die Seitenwechsler leben gefährlich.

von Mehmet Ata
© dpa Hauptsache, Kutte: Vielleicht sind diese Bandidos jetzt Hells Angels

Jemand hatte „BFFB“ an das Kölner Lokal der Hells Angels gesprüht: Bandidos forever, forever Bandidos. Das konnten die Höllenengel nicht auf sich sitzen lassen. Und weil der beste Feind derjenige ist, der gerade in der Nähe ist, stürmten im Oktober etwa 40 Männer in Kutten das benachbarte Lokal von „Median Empire“ - einer kurdischen Rockergruppe, die mit den Bandidos befreundet ist. Die Höllenengel schrien und drohten, nur die Polizei konnte eine Schlägerei verhindern. Am Ende war es egal, dass gar nicht Median Empire die Fassade beschmierte. In der Szene heißt es, dass es ein Mitglied des Bandidos-Ablegers „Westgate“ war.

Es vergingen dann keine sechs Wochen, bis diese Westgate-Rocker fast geschlossen zu den Hells Angels wechselten. 30 Vollmitglieder und 70 Unterstützer sollen unter den Überläufern sein. Aus den „Bandidos Westgate“ wurden die „Hells Angels West Central“. Neuer Club, neue „Brüder“. Nichts mit „Bandidos forever“.

10.000 Euro fürs Überlaufen

Ende November wurden die Überläufer im Krefelder „Club 81“ offiziell in den Reihen der Hells Angels begrüßt. Vor dem Lokal standen Dutzende Rocker mit breiten Schultern und bösen Blicken. Laute Musik dröhnte aus dem Club. Aber auf der Straße war kaum jemand, den das hätte stören können. Die Polizei hatte alle Straßen in der Umgebung gesperrt, um ein mögliches Aufeinandertreffen von Bandidos und Hells Angels zu verhindern. Im „Club 81“ waren neben Szenegrößen aus Nordrhein-Westfalen auch die Berliner Rocker Kadir Padir und Grischa V. Beide sind ebenfalls Überläufer.

Zwei Minuten dauerte der offizielle Teil der Veranstaltung. Die neuen Mitglieder wurden begrüßt, ein paar Gruppenfotos, fertig. Bei den anschließenden Gesprächen unter den alten und neuen Brüdern standen vor allem zwei Rocker im Fokus: Ramin Y. und Andreas B. Sie führen die Überläufer an. Die Seitenwechsler traten an diesem Abend noch mal gegen ihren alten Club nach. „Wir, die Ex-Member des Bandidos MC, haben uns entschieden, unsere Farben abzulegen, da wir unserer Vorstellung von Bruderschaft in der sogenannten Bandidos Nation nicht finden konnten“, heißt es in ihrer Erklärung.

Doch bei einem Wechsel geht es um mehr. Zum einen um Geld: Etwa 10.000 Euro erhält ein Vollmitglied, das überläuft, heißt es aus der Szene. Vielleicht erhält es auch der Präsident. Zum anderen um die Demonstration von Macht: Während früher diejenigen Rocker den größten Respekt genossen, die jahrelang die Clubfarben trugen und ihre Loyalität bewiesen, sind bei der jüngeren Generation die Überläufer die Bekanntesten.

Wer so vorgeht, ist lebensmüde oder seiner Sache sehr sicher

Das Bandidos-Chapter Westgate war im September, also lediglich zwei Monate vor dem Wechsel, gegründet worden. Eine Gruppe, die für den Niederrhein zuständig war, aber keinen festen Sitz hatte. Mit Unterstützern sollen 150 Rocker zu der Gruppe gehört haben.

Schon seit einiger Zeit kursierte unter den Bandidos das Gerücht, dass Westgate-Mitglieder die Seiten wechseln würden. Das werden auch Ramin Y. und Andreas B. gewusst haben. Es könnte gut sein, dass sie Westgate ohnehin nur in der Absicht gegründet hatten, zusammen mit möglichst vielen Mitgliedern die Clubfarben zu tauschen. Wer so vorgeht wie die beiden, ist entweder lebensmüde oder seiner Sache sehr sicher. Ein Wechsel mit so vielen heißt auch: Die Loyalität vieler Rocker zu ihren „Präsidenten“ ist größer als die zum gesamten Club. Einige Westgate-Mitglieder wurden erst kurzfristig eingeweiht, trotzdem gingen sie mit rüber.

Dass die Gegenseite um einen wirbt, ist für die Rocker eine Auszeichnung. Man muss eine Menge auf dem Kerbholz haben, damit man für den Feind interessant wird: Dem Rocker Kadir Padir konnte ein Angriff auf einen Hells Angel vor fünf Jahren nicht nachgewiesen werden. Doch später wurde er wegen Beihilfe zur gefährlichen Körperverletzung verurteilt. Bandidos hatten einem Hells Angel mit einer Machete fast den Arm abgeschlagen. Grischa V. wurde in Flensburg nach einem Angriff auf einen Angel festgenommen. Nachgewiesen werden konnte ihm aber nichts.

„Die werden nicht selbst auf ihren Laden geschossen haben“

Der 24 Jahre alte Ramin Y. wiederum steht im Verdacht, im Januar ein Mitglied der Hells Angels in Mönchengladbach niedergestochen zu haben. Bei einer Massenschlägerei waren 100 Bandidos und Hells Angels in der Altstadt aufeinander losgegangen. Die Polizei sagt, dass die Tat von Videokameras aufgezeichnet wurde. Nur zwei Monate später wurde Ramin Y. in einem Einkaufszentrum in Köln von drei Hells Angels angegriffen.

Seitenwechsler ziehen nicht nur Aufmerksamkeit auf sich, sie leben auch besonders gefährlich. Das Clubhaus von Kadir Padirs Leuten wurde nach seinem Verrat angegriffen, höchstwahrscheinlich von Bandidos. Und erst im August hat die Polizei drei Rocker festgenommen, die einen Bombenanschlag auf Überläufer geplant haben sollen. Auch Grischa V. sollte getroffen werden. Dass die Bandidos aggressiv reagieren, wundert nicht: Alle großen Wechsel der jüngsten Zeit gingen auf ihre Kosten. Wegen der Überläufer haben sie die Oberhand in Berlin verloren, und der Wechsel am Niederrhein könnte die Machtverhältnisse in Nordrhein-Westfalen nachhaltig verschieben. Zwar ist das Charter „Hells Angels West Central“ überraschend wieder aufgelöst worden, aber die Höllenengel werden sich etwas Neues einfallen lassen.

Kurz nach dem großen Wechsel wurde übrigens das Lokal von Median Empire beschossen. Die Kugeln trafen Fenster und den Eingang der Kneipe. Ein Höllenengel sagt: „Die werden nicht selbst auf ihren Laden geschossen haben.“

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Quelle: F.A.S.

 

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