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Reaktionen auf Geißlers Tod : „Er wird mir auch ganz persönlich sehr fehlen“

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Heiner Geißler (1930-2017), hier im Dezember 2010 während eines Interviews mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung Bild: Frank Röth

Der Tod des früheren CDU-Generalsekretärs und Familienministers Heiner Geißler hat bei Politikern über die Parteigrenzen hinweg Bestürzung ausgelöst. Nicht nur Bundeskanzlerin Merkel lobte seine Verdienste.

          Nach dem Tod des CDU-Politikers und früheren CDU-Generalsekretärs Heiner Geißler haben Politiker erschüttert reagiert und ihre Hochachtung für die Lebensleistung des Rheinland-Pfälzers ausgedrückt. Die CDU-Vorsitzende und Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte: „Er wird mir auch ganz persönlich sehr fehlen.“ Geißler war im Alter von 87 Jahren gestorben, wie sein Sohn Dominik am Dienstag bestätigte.

          Geißler war von 1977 bis 1989 Generalsekretär der CDU – und damit der am längsten amtierende Generalsekretär der Partei. „Er war maßgeblich und mit großem Erfolg daran beteiligt, aus der Honoratiorenpartei CDU eine echte Mitglieder- und Programmpartei zu machen“, sagte Merkel. In seiner Amtszeit wurde das erste Grundsatzprogramm der Partei beschlossen.

          „Er war mit einer Leidenschaft Politiker und mit einer Hingabe Mitgestalter unseres Gemeinwesens, die selten zu finden waren und sind“, schrieb Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am Dienstag in einem Kondolenzschreiben an Geißlers Witwe. Die christliche Überzeugung habe Geißlers Reden und Handeln geprägt.

          Als Schlichter in Stuttgart

          „Dass er im demokratischen Streit gelegentlich seine polemische Begabung einzusetzen wusste, hat ihm Ärger eingebracht, aber letztlich oft zur Klärung politischer Fragen beigetragen“, würdigte der Bundespräsident Geißler. „Dass er aber auch Wege zur Versöhnung und zum Ausgleich zu gehen wusste, hat er noch bei der letzten größeren Aufgabe gezeigt, die er in Stuttgart selbstlos übernommen hat.“ Geißler hatte im Streit um das Bahnprojekt Stuttgart 21 vermittelt.

          Geißler als Familienminister zusammen mit Helmut Kohl bei einer Haushaltsdebatte im Bundestag im September 1983 Bilderstrecke
          Zum Tode Heiner Geißlers : Generalsekretär, Querdenker, Schlichter

          Mit Geißler verliere Deutschland „eine unvergleichliche politische Persönlichkeit, die bis ins hohe Alter gerade auch für junge Menschen Vorbild war“, erklärte Steinmeier. Geißler habe sich in seinen Ämtern engagiert, einem modernen Konservatismus Gestalt zu geben.

          Auch Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) würdigte Geißler: „Er war für seine Partei und für viele Bürger unseres Landes eine prägende politische Gestalt der ersten Jahrzehnte der Bundesrepublik. An der Auseinandersetzung mit seiner pointierten Sicht auf die Linke und die Sozialdemokratie ist die Diskussionskultur Deutschlands gewachsen.“

          Kanzleramtschef Peter Altmaier (CDU) erklärte auf Twitter: „Heiner Geißler hat die CDU geprägt: Soziale & ökologische Verantwortung, Menschlichkeit. Ich bin tief erschüttert. Sein Vermächtnis bleibt.“ Der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder, nannte Geißler einen Modernisierer und Brückenbauer mit „Weitblick, Scharfsinn und Eloquenz“.

          Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer bezeichnete Geißler als prägende Figur der Bundespolitik. Mit ihm verliere die deutsche Politik „einen klugen, streitbaren Kopf, der keine Kontroverse scheute und den Debatten wichtige neue Impulse gab“, hieß es in einer Mitteilung des CSU-Vorsitzenden.

          Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) schrieb auf Twitter: „Verneige mich vor großem Demokraten. Unser Land hat ihm viel zu verdanken. Er wird fehlen.“ Bundesfamilienministerin Katarina Barley (SPD) würdigte ihren Vorgänger im Amt als streitbaren Sozialpolitiker, „dem der soziale Ausgleich in unserem Land immer ein Herzensanliegen war“. Er habe sich um die Familien in Deutschland verdient gemacht. „Meine Gedanken sind bei seiner Familie und seinen Freunden“, erklärte Barley.

          Die rheinland-pfälzische CDU-Chefin Julia Klöckner nannte Geißler einen großen Rheinland-Pfälzer, streitbar und klug. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) schriebt auf Twitter: „Intellektuell brillant, Politik aus Grundsätzen gestaltend und scharf in der Debatte – das war Heiner Geißler. Er war einer unserer Besten.“

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