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Heilsamer Pisa-Schock Sensibilität statt Schockstarre

Zehn Jahre nach dem ersten Pisa-Test im Jahre 2000 liegt Deutschland beim Lesen im OECD-Schnitt, in Mathematik und Naturwissenschaften deutlich darüber und zählt zu den wenigen Ländern, die sich durchgängig verbessert haben. Woran liegt das? Heike Schmoll analysiert.

© F.A.Z. Vergrößern

Die Pisa-Ergebnisse des Jahres 2001 haben der Bildungspolitik offenbar einen heilsamen Schock versetzt. Dass ein Fünftel der 15 Jahre alten Schüler nur auf Grundschulniveau lesen und rechnen konnte und Deutschland in allen Testbereichen (Lesen, Mathematik, Naturwissenschaften) unterhalb des OECD-Durchschnitts abschnitt, hatte die letzten Illusionen über das deutsche Schulsystem zerstört.

Zehn Jahre nach dem ersten Pisa-Test im Jahre 2000 liegt Deutschland beim Lesen im OECD-Schnitt, in Mathematik und Naturwissenschaften deutlich darüber und zählt zu den wenigen Länder, die sich durchgängig verbessert haben. Woran liegt das?

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Die Kultusminister verfielen damals nicht in Schockstarre oder Abwehr, sondern setzten sich zusammen, beschlossen „sieben Handlungsfelder“, also ein ganzes Bündel von Änderungen und bauten ein Qualitätssicherungssystem mit Bildungsstandards und Vergleichsarbeiten auf.

Infografik / Pisa / Deutschland / Lesekompetenz / Leistungsstufe © F.A.Z. Vergrößern

Sie haben Bildungsforscher als ernsthafte Ratgeber und Gesprächspartner erkannt. Der damalige deutsche Pisa-Koordinator Jürgen Baumert ist bis heute ein gefragter Ratgeber, wenn es um Reformen im Schulsystem oder in der Lehrerbildung geht, ähnlich geht es seinen Kollegen. Sowohl das Bundesministerium für Bildung als auch die Länder investieren inzwischen viel Geld, um die Bildungsforschung auszubauen.

Sie haben vor kurzem ein Zentrum für internationale Bildungsvergleichsstudien mit den drei wichtigsten deutschen Bildungsforschungseinrichtungen (Dipf, IPN, TUM-School of Education) gegründet, um die Forschungsvorhaben besser zu koordinieren und mehr Aufträge vergeben zu können.

Die Risikoschüler im Blick

Bildungspolitik und Lehrer sind für eine bis dahin nahezu vernachlässigte Schülergruppe sensibilisiert worden: für die sogenannten Risikoschüler, die eigentlich nach der vierten Klasse nichts mehr dazu lernen. Lehrer richten seither ihr Augenmerk auf sie, versuchen ihnen eine gezielte Förderung zukommen zu lassen und ihnen zusätzliche Lernmöglichkeiten wie nachmittägliche Hausaufgabenhilfe, Feriencamps oder zusätzliche Übungsstunden etwa in gebundenen Ganztagsschulen anzubieten. Inzwischen ist unumstritten, dass die Investitionen in jene Risikoschüler sich auch ökonomisch wirklich lohnen.

Denn nur bei deutlichen Lernfortschritten sind sie überhaupt in eine Berufsausbildung einzugliedern. Geschärft wurde auch die Wahrnehmung für den Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg, der in Deutschland besonders eng war. Zum ersten Mal zeigte sich nämlich, dass Bildung an sich nicht mehr unbedingt sozialen Aufstieg verspricht, sondern die Aufstiegschancen sich in der Bildungsexpansion der späten sechziger und siebziger Jahre erschöpfte. Dass die Förderung der schwächsten Schüler aus bildungsbenachteiligten Schichten Priorität haben mußte, war auch unter den Kultusministern unumstritten.

Augenmerk auf frühkindliche Bildung

Undenkbar war vor zehn Jahren auch noch, frühkindliche Bildung im Sinne einer kindgemäßen Heranführung an naturwissenschaftliche Alltagsphänomene, Zahlenwelten und Texte zu verstärken. Wer das forderte, setzte sich sofort dem Verdacht aus, nun auch noch den Kleinsten die Kindheit rauben zu wollen und die Grundschule in den Kindergarten zu ziehen. Inzwischen haben fast alle Länder ihr Augenmerk auf eine engere Zusammenarbeit von Kindergarten und Grundschule gerichtet.

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