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Hanns-Martin-Schleyer-Preis Kohl erstmals wieder in der Öffentlichkeit

08.05.2009 ·  Der frühere Bundeskanzler Helmut Kohl ist in Stuttgart mit dem Hanns-Martin-Schleyer-Preis geehrt worden. Es war sein erster öffentlicher Auftritt seit knapp einem Jahr nach seinem Unfall. Jean-Claude Juncker hielt die Laudatio.

Von Rüdiger Soldt, Stuttgart
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Für irgendeinen Preis oder irgendeine Ehrung wäre Helmut Kohl wohl nicht in das Stuttgarter Neue Schloss gekommen. Es war aber die Hanns-Martin-Schleyer-Stiftung, die den früheren, heute 79 Jahre alten Bundeskanzler und den früheren BMW-Vorstandsvorsitzenden Joachim Milberg mit dem gleichnamigen Preis auszeichnete.

„Hanns Martin Schleyer war ein Freund“, sagte Kohl in seiner kurzen Dankesrede. Er habe es sich gut überlegt, ob er ein knappes Jahr nach seinem schweren Sturz öffentlich auftreten solle, aber mit dem 1977 von der RAF ermordeten damaligen Arbeitergeberpräsidenten habe er nun einmal einen guten Freund verloren.

Kohl ein „großer Deutscher und großer Europäer“

Kohl hatte sich von Helfern im Rollstuhl in den Weißen Saal des Neuen Schlosses rollen lassen, seine Frau Maike Kohl-Richter begeleitete ihn, die Zuhörer erhoben sich spontan und applaudierten dezent. Kohl hatte seinen Genesungsurlaub für die Preisverleihung unterbrochen. Die kurze Dankesrede war ein Kraftakt für den ehemaligen Staatsmann, den der luxemburgische Premierminister Jean-Claude Juncker in seiner Laudatio als „großen Deutschen und großen Europäer“ gefeiert hatte.

Die Schleyer-Stiftung würdigte mit der Preisverleihung an Helmut Kohl dessen Verdienste für die deutsche Einheit und den europäischen Einigungsprozess. Jean-Claude Juncker, der luxemburgische Poltiker, trat für seinen väterlichen Freund ans Rednerpult und schickte gleich vorweg, dass von ihm keine objektive Bewertung von Kohls Lebens und seinem politischen Lebenswerk zu erwarten sei. „Wir sind alle froh, dass Helmut Kohl wieder in unserer Mitte ist“, sagte Juncker.

„Er hat über einfache Leute nie dumm geredet“

Die Kritik an Kohls Gegnern fiel in Junckers Rede deshalb ziemlich deutlich aus: Die Kritiker der Kohlschen Einigungspolitik - auf deutscher und auf europäischer Ebene - hätten sich geirrt, sagte Juncker. „Helmut Kohl war die richtige Besetzung zur richtigen Zeit, ohne den Euro gäbe es ein wechselkurspolitisches Chaos, er hat den Euro gegen die Fachwissenschaft durchgesetzt“, sagte Juncker mit Blick auf die derzeitige Wirtschaftskrise. Kohls Geheimnis sei es gewesen, immer der „einfache Junge“ aus Ludwigshafen geblieben zu sein.

„Er hat über einfache Leute nie dumm geredet, er hat seine Herkunft nie verleugnet“, sagte Juncker. Am Ende seiner kurzen Dankesrede spricht Kohl dann über die Dankbarkeit, ein Wort, das schon immer zu seinem aktiven politischen Wortschatz gehört hat. Man fühlt sich an Kohls Auftritte nach zumeist gewonnen Wahlen erinnert, wenn er „zunächst ein Wort des Dankes“ an die Wähler richtete. Im Stuttgarter Neuen Schloss sagt er: „Dankbarkeit ist eines der wichtigsten Wörter unserer Muttersprache.“

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Jahrgang 1966, politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

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