23.07.2010 · In Hamburg tritt nach dem Amtsverzicht des Ersten Bürgermeisters von Beust eine ganze Generation von CDU-Politikern ab, die eine mehr oder weniger enge Bindung an von Beust hatten. Nun hat auch Wirtschaftssenator Axel Gedaschko seinen Rücktritt erklärt.
Von Frank Pergande, HamburgHamburgs Wirtschaftssenator Axel Gedaschko (CDU) tritt im August zurück. In einer Erklärung teilte er mit, dass er ohnehin im November eine neue berufliche Herausforderung in der Wirtschaft in Angriff habe nehmen wollen. Offenbar liegt ihm ein entsprechendes Angebot vor. Das habe er bereits vor Wochen Bürgermeister Ole von Beust (CDU) mitgeteilt. Aus diesem Grund habe er auch dem designierten Bürgermeister Christoph Ahlhaus (CDU) angeboten, schon jetzt zurückzutreten, damit ein umfassender Neubeginn möglich sei und Ahlhaus frei in seinen Personalentscheidungen sei.
Außer Bürgermeister Ole von Beust (CDU) hatten bereits die Kultursenatorin Karin von Welck (parteilos) und der Staatsrat in der Staatskanzlei Volkmar Schön (CDU) am vergangenen Sonntag ihren Rücktritt zum 25. August erklärt. Insgesamt stellt die CDU im seit 2008 bestehenden schwarz-grünen Bündnis fünf Senatoren, die GAL drei. Es bleiben jetzt auf CDU-Seite noch Dietrich Wersich für Soziales und Herlind Gundelach für Wissenschaft.
Wersich galt eine Zeit lang als möglicher Nachfolger von Beusts und hatte sich selbst auch kurz vor der Rücktrittsankündigung des Bürgermeisters per Interview ins Spiel gebracht. Seine politische Zukunft dürfte damit ungewiss sein. Aber auch dem 50 Jahre alten Gedaschko wurde einst eine große Karriere in Hamburg vorausgesagt. Ole von Beust hatte ihn 2006 als Staatsrat nach Hamburg geholt. Zuvor war Gedaschko seit 2003 Landrat im Landkreis Harburg gewesen. Im Januar 2007 wurde er dann Senator für Stadtentwicklung und Umwelt als Nachfolger von Michael Freytag, der wiederum nach dem Rücktritt von Wolfgang Peiner in die Finanzbehörde wechselte. Sein machtpolitisch durchaus wichtiges Amt verlor Gedaschko dann aber wieder bei der Bildung der schwarz-grünen Koalition. Gedaschko war seitdem für die Wirtschaft in der Stadt zuständig, hier als Nachfolger des beliebten Gunnar Uldall.
Politisch sah er offenbar keine Zukunft mehr für sich
Er blieb merkwürdig unauffällig, auch in der Krise. In seiner Erklärung heißt es immerhin: „Für die Wirtschaft in unserer Stadt wurde manch Richtung weisende positive Entscheidung getroffen. Hamburg hat der jüngsten Wirtschafts- und Finanzkrise bemerkenswert gut getrotzt: Die aktuellen Arbeitslosenzahlen liegen weit unter den prognostizierten Zahlen, der Tourismus in unserer Stadt boomt wie nie und auch im Hamburger Hafen zieht der Containerumschlag wieder zweistellig an.“
Politisch aber sah er offenbar keine Zukunft mehr für sich im Hamburger Rathaus, wenn Ahlhaus jetzt an ihm vorbeizieht und Bürgermeister wird und er kein anderes einflussreiches Amt mehr bekommen kann. In seiner Erklärung heißt es allerdings: „Ausdrücklich möchte ich betonen, dass meine Entscheidung nicht in einem Zusammenhang mit der aktuellen politischen Situation in der Stadt steht.“ Zudem entschuldigte er sich dafür, dass durch eine Indiskretion seine Mitarbeiter von seiner Entscheidung aus der Zeitung erfahren hätten. Offenbar hatte er selbst noch gezögert.
Ahlhaus hat bei der Besetzung des Senats nun freie Bahn
Zusammen mit dem Bürgermeister verabschiedet sich damit eine ganze Generation von Politikern, die an seiner Seite standen und eine mehr oder weniger enge Bindung an von Beust hatten. Ahlhaus hat damit bei der Besetzung des Senats freie Bahn, zumal durch ihn auch ein neuer Politikstil ins Rathaus einziehen dürfte.
Am 25. August soll in der Bürgerschaft ein neuer Bürgermeister gewählt werden. Dann müssen auch alle Senatoren neu bestätigt werden. Da es bei der GAL nach dem Rücktritt von Beusts Zweifel am Fortbestehen von Schwarz-Grün gibt, insbesondere wegen der Person Ahlhaus, soll eine Mitgliederversammlung am 22. August über die Zukunft der Koalition entscheiden. Zuvor will sich Ahlhaus aber den Fragen der grünen Basis stellen. Am 22. August auch will die CDU auf einem Parteitag Ahlhaus als ihren Bürgermeisterkandidaten nominieren.
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Frank Pergande Jahrgang 1958, politischer Korrespondent für Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern mit Sitz in Schwerin.
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