26.07.2010 · Ende August soll der bisherige Innensenator Christoph Ahlhaus als Beust-Nachfolger zum Bürgermeister Hamburg gewählt werden. Beim Koalitionspartner GAL gilt der CDU-Politiker ohnehin schon als „konservativ“ und „Hardliner“. Nun wächst die grüne Kritik, weil Ahlhaus Mitglied einer schlagenden Verbindung ist.
Von Frank Pergande, HambrugDie Grünen in Hamburg stellen in Frage, ob sie den bisherigen Innensenator Christoph Ahlhaus (CDU) am 25. August zum Bürgermeister wählen und damit das schwarz-grüne Bündnis fortsetzen werden. Ihre Kritik an Ahlhaus war schon am Tag des Rücktritts von Ole von Beust (CDU) laut geworden. Für sie ist er „konservativ“ und ein „Hardliner“.
Nun hat die grüne Kritik neue Nahrung bekommen, weil bekannt wurde, dass Ahlhaus Mitglied einer Turnerschaft, einer schlagenden Verbindung, ist. Er gehörte ihr allerdings nicht schon als Student an und hat auch nicht gefochten, sondern kam als CDU-Ortsvorsitzender in Heidelberg mit der Turnerschaft Ghibellinia in Verbindung. Diese führt ihn als sogenannten Conkneipant, als assoziiertes Mitglied mit eingeschränkten Rechten.
Ärger mit Linksradikalen
Ahlhaus sei einige Male Gast dort gewesen, hieß es aus der Hamburger Innenbehörde. Es gebe aber schon lange keinen Kontakt mehr. In Heidelberg ging es konkret um die Auseinandersetzung über das „Mai-Singen“ der Verbindung, das regelmäßig zu Auseinandersetzungen mit Vertretern der linksradikalen Szene führte. Die CDU stellte sich dabei an die Seite der Verbindung.
Ahlhaus, der seit Ende 2001 in Hamburg ist, ließ nun mitteilen, dass er in einem Brief den Vorsitzenden der Turnerschaft aufgefordert habe, ihn von der Mitgliederliste zu streichen.
„Schlagende Verbindungen sind suspekt“
Die Grünen bekämpfen seit Jahren schlagende Verbindungen. Sie werfen ihnen Frauenfeindlichkeit und Nähe zum Rechtsextremismus vor. Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der GAL in der Bürgerschaft, Antje Möller, die als innenpolitische Sprecherin häufig mit Ahlhaus zu tun hat, sagte: „Ein Bürgermeister, der Mitglied einer schlagenden Verbindung ist, ist für mich nicht denkbar.“
Die Landesvorsitzende der GAL, Katharina Fegebank, setzte hinzu: „Mir sind schlagende Verbindungen suspekt.“ Der Senator müsse erklären, wie sein Verhältnis zu der Verbindung sei.
Scharfe Kritik kam auch von der Linkspartei: In diesem Licht sei die Bagatellisierung des Rechtsextremismus durch Ahlhaus noch problematischer. Ghibellinia hat als Wahlspruch „Niemals unsicher, immer offen“ und gehört zum Coburger Convent, einer Vereinigung aus derzeit 96 schlagenden und farbentragenden Mitgliedsbünden. Ahlhaus hat sich bereit erklärt, der grünen Basis in Hamburg am 18. August Rede und Antwort zu stehen.
Frank Pergande Jahrgang 1958, politischer Korrespondent für Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern mit Sitz in Schwerin.
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