http://www.faz.net/-gpf-91qi0

Haftbefehl gegen André E. : Der loyalste Helfer des NSU

  • Aktualisiert am

André E. mit seinen Anwälten im Gerichtssaal Bild: KOCH/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Bis zum Plädoyer der Bundesanwaltschaft war André E. ein freier Mann. Doch nun muss neben Beate Zschäpe und Ralf Wohlleben auch der NSU-Helfer in Untersuchungshaft. Ihm droht eine lange Haftstrafe.

          Der mutmaßliche NSU-Unterstützer André E. muss in Untersuchungshaft. Das Münchner Oberlandesgericht erließ am Mittwoch Haftbefehl gegen den 38-Jährigen, dem die Bundesanwaltschaft im NSU-Prozess Beihilfe zum versuchten Mord vorwirft. Das teilte das Gericht nach mehrstündigen nicht-öffentlichen Beratungen am Abend mit. Die Richter sahen unter anderem Fluchtgefahr beim Angeklagten.

          E. galt bis zuletzt als einer der engsten Vertrauten des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) und der mutmaßlichen Rechtsterroristin Beate Zschäpe. Die Bundesanwaltschaft bezeichnete ihn in ihrem Plädoyer als loyalsten Helfer des NSU. E. soll im Dezember 2000 Beihilfe zum Bombenanschlag des NSU Ende auf ein Lebensmittelgeschäft in der Probsteigasse in Köln geleistet haben, indem er das Wohnmobil mietete, mit dem die Täter - laut Anklage Zschäpes Komplizen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt - nach Köln fuhren.

          E. saß in den vergangenen Jahren, anders als die Hauptangeklagte Zschäpe und der mutmaßliche Terrorhelfer Ralf Wohlleben, nicht in Untersuchungshaft. In ihrem Plädoyer weiteten die Ankläger ihre Vorwürfe gegen E. allerdings deutlich aus. Am Dienstag forderte Bundesanwalt Herbert Diemer eine überraschend hohe Haftstrafe von zwölf Jahren für E. und beantragte die sofortige Untersuchungshaft.

          Der Vorsitzende Richter Manfred Götzl hatte E. nach Abschluss des Anklage-Plädoyers noch im Gerichtssaal in Gewahrsam nehmen lassen, bis zur Entscheidung über den Haftbefehl. Nach der Eröffnung des Haftbefehls muss E. nun bis auf Weiteres in Untersuchungshaft.

          Die Bundesanwaltschaft hatte am Dienstag ihre Strafmaßforderungen für Zschäpe und die insgesamt vier Mitangeklagten verkündet. Für Zschäpe will sie die Höchststrafe: lebenslange Haft, die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld und anschließende Sicherungsverwahrung. Die Anklage wirft ihr Mittäterschaft an allen NSU-Verbrechen vor, darunter zehn vorwiegend rassistisch motivierte Morde sowie zwei Bombenanschläge in Köln, einer davon mit Dutzenden Verletzten.

          Vor dem Urteil : Bundesanwalt fordert lebenslange Haft für Zschäpe

          Weitere Themen

          Schwarzer Freitag

          Kommentar : Schwarzer Freitag

          Deniz Yücel ist frei. Doch die Unterdrückung der Pressefreiheit in der Türkei dauert fort. Als der „Welt“-Korrespondent aus der Haft kam, wurden drei türkische Publizisten zu lebenslänglich verurteilt.

          Der Kampf der Klarsfelds

          Pariser Ausstellung : Der Kampf der Klarsfelds

          Vergangenheitsbewältigung mit Ohrfeige: Eine Pariser Ausstellung zeichnet den beharrlichen Kampf des Ehepaars Klarsfeld gegen das Vergessen und Verstecken von Kriegsverbrechern nach.

          Deniz Yücel kommt frei Video-Seite öffnen

          Nach über einem Jahr : Deniz Yücel kommt frei

          Der "Welt"-Journalist Deniz Yücel kommt nach einem Jahr aus türkischer Untersuchungshaft frei. Zuletzt hatten sich zahlreiche hochrangige deutsche Politiker für seine Freilassung eingesetzt. Yücel wurde "Terrorpropaganda" vorgeworfen.

          Topmeldungen

          Allein gegen das Schweigen: Beate Klarsfeld forderte 1985 vor dem Justizpalast in Paraguays Hauptstadt Mengeles Auslieferung.

          Pariser Ausstellung : Der Kampf der Klarsfelds

          Vergangenheitsbewältigung mit Ohrfeige: Eine Pariser Ausstellung zeichnet den beharrlichen Kampf des Ehepaars Klarsfeld gegen das Vergessen und Verstecken von Kriegsverbrechern nach.

          Wahl beim Hamburger SV : Der Machtfaktor Bernd Hoffmann

          An diesem Sonntag wählt der HSV seinen Präsidenten. Bernd Hoffmann bereitet seine Rückkehr an die Spitze vor. Der frühere Vorstandsvorsitzende weckt Erinnerungen an bessere Zeiten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.