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Veröffentlicht: 16.10.2012, 07:32 Uhr

Gutachten zu Plagiatsvorwürfen Düsseldorfer Universität erstattet Strafanzeige

Die Universität Düsseldorf hat wegen der Weitergabe des vertraulichen Gutachtens zur Dissertation Annette Schavans Strafanzeige erstattet. Derweil sagte der Doktorvater der Ministerin, ihre Arbeit habe „absolut dem wissenschaftlichen Standard“ entsprochen.

von , Berlin
© dapd Unterstützung vom Doktorvater: Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU)

Nach Bekanntwerden eines Gutachtens über die Doktorarbeit von Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) hat die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf Strafanzeige erstattet. Es bestehe der Verdacht auf Weitergabe vertraulicher Informationen, teilte die Universität mit. Am Wochenende war das Gutachten aus dem Promotionsausschuss an die Öffentlichkeit lanciert worden, das Frau Schavan eine „leitende Täuschungsabsicht“ vorwirft. Die Arbeit lasse das „charakteristische Bild einer plagiierenden Vorgehensweise“ erkennen, so das Gutachten.

Heike Schmoll Folgen:

Der Bonner Wissenschaftsrechtler und Ombudsmann für die Wissenschaft, Wolfgang Löwer, sagte, es sei problematisch eine Täuschungsabsicht damit zu begründen, dass ansonsten größtenteils korrekt gearbeitet worden sei.

Infografik / Dissertation Vergleich Schavan - Klier © Abbildung F.A.Z. Bilderstrecke 

Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) forderte, das Prüfungsverfahren der Universität abzuwarten und Schavan Gelegenheit zu einer Stellungnahme zu geben. Er zeigte sich irritiert darüber, dass ein Gutachten an die Öffentlichkeit gelangt, bevor die Betroffene davon Kenntnis hat. Dies sei „unerhört“, sagte de Maizière.

Schavan bekommt Unterstützung

Unterdessen hat der Doktorvater von Frau Schavan ihre Arbeit verteidigt. Der Düsseldorfer Erziehungswissenschaftler Gerhard Wehle bezeichnete die Doktorarbeit als „sehr beachtliche“ Leistung, die damals „absolut dem wissenschaftlichen Standard“ entsprochen habe. Frau Schavan habe in ihrer 1980 verfassten Dissertation „Person und Gewissen“ einen interdisziplinären Ansatz gewählt, der damals für eine junge Studentin ein Wagnis gewesen sei. Die Analyse sei gelungen gewesen, sagte Wehle der Zeitung „Rheinische Post“. Eine im Jahre 1980 eingereichte Arbeit könne nicht ausschließlich nach heutigen wissenschaftlichen Maßstäben bewertet werden. „Das ist nicht verhältnismäßig“, sagte Wehle, mit dem die Universität bisher nicht den Kontakt gesucht hat.

Die Bundesvorsitzende der Grünen, Claudia Roth, legte Schavan den Rücktritt nahe, sollten sich die Vorwürfe bestätigen. In diesem Fall würde sie sich fragen, wie „ausgerechnet die für Wissenschaft und Forschung zuständige Ministerin ihr Amt noch glaubwürdig ausüben will“, sagte Frau Roth. Vertreter verschiedener Wissenschaftsorganisationen kritisierten vor allem das Untersuchungsverfahren der Universität. Mit den offenkundigen Unzulänglichkeiten des Verfahrens habe die Universität der Wissenschaft geschadet, sagte der Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft Jürgen Mlynek.

Frau Schavan ist trotz der Plagiatsvorwürfe am Dienstag nach Israel gereist, um in Jerusalem den Arches-Preis zu verleihen, mit dem das Bundesbildungsministerium deutsch-israelische Teams von Nachwuchswissenschaftlern fördert.

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