Home
http://www.faz.net/-gpg-749pq
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Grünen-Urwahl Göring-Eckardt und Trittin bilden Spitzenduo

Die Grünen haben Katrin Göring-Eckardt mit rund 47 Prozent und Jürgen Trittin mit rund 72 Prozent der Stimmen als Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl bestimmt. Claudia Roth erhielt in der Urwahl nur 26 Prozent der Stimmen.

© dpa Vergrößern Die Top-Bewerber: Katrin Göring-Eckhardt, Renate Künast, Claudia Roth und Jürgen Trittin (von links)

Die Grünen haben Katrin Göring-Eckardt mit rund 47 Pozent der Stimmen und Jürgen Trittin mit rund 72 Prozent als Spitzenduo für die Bundestagswahl bestimmt. Das gab Bundesgeschäftsführerin Steffi Lemke am Samstag in Berlin bekannt. Damit setzten sich der Fraktionsvorsitzende Trittin und Bundestagsvizepräsidentin Göring-Eckardt in der Urwahl unter anderen gegen die Fraktionsvorsitzende Renate Künast (38,6 Prozent) und die Parteivorsitzende Claudia Roth durch, die 26 Prozent der Stimmen erhielt.

Urwahlkampf der Grünen © dpa Vergrößern Grünes Spitzenduo: Jürgen Trittin und Katrin Göring-Eckardt

Mit der Bekanntgabe des Grünen-Spitzenduos für den Bundestagswahlkampf endet bei den Grünen eine bislang einmalige Kandidatenkür per Urwahl. Rund 62 Prozent der knapp 60.000 Mitglieder hatten sich an der Abstimmung beteiligt. Sie konnten bis zu zwei Stimmen abgeben. Zur Wahl standen neben den vier Vertretern aus der Partei-Spitze elf zuvor eher unbekannte Grünen-Mitglieder; sie erhielten zwischen 0,3 und 2,4 Prozent der Stimmen.

Überraschendes Ergebnis

Bundesgeschäftsführerin Steffi Lemke sagte, sie sei selbst überrascht von dem Ergebnis gewesen. „Das Wahlergebnis war nicht das, was ich als wahrscheinlichstes vermutet hatte.“ Die Grünen hatten intern mit den Varianten Trittin/Roth und Trittin/Künast gerechnet. Es wurde vermutet, dass die Parteilinken Roth und Trittin gewinnen würden, weil sich möglicherweise Frau Künast und Frau Göring-Eckardt als Realo-Vertreterinnen gegenseitig Stimmen wegnähmen.

Katrin Göring-Eckardt hatte im Sommer monatelang gezögert, ob sie überhaupt zur Urwahl antreten solle. Wie die Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) am Samstag mitteilte, wird Göring-Eckardt bis zum Ende des Wahlkampfs weder ihr Amt als Synodenpräses an der Spitze des Kirchenparlaments ausüben noch die damit verbundene Mitgliedschaft im Rat der EKD wahrnehmen.

Urwahl Grüne © dpa Vergrößern Ausgezählt: Bundesgeschäftsführerin Steffi Lemke

Bundesgeschäftsführerin Lemke wertete den Sieg der Sechsundvierzigjährigen und des Achtundfünfzigjährigen als kluge Entscheidung. „Die Basis hat sich mit dieser Entscheidung für eine weise Balance zwischen Kontinuität und Erneuerung entschieden.“

In der SPD stieß das Resultat auf große Zustimmung. „Das ist eine gute Wahl“, sagte der Parlamentarische Geschäftsführer Thomas Oppermann. „Katrin Göring-Eckardt und Jürgen Trittin sind klasse Redner und gute Wahlkämpfer. Damit sind wir der Ablösung von Schwarz-Gelb einen großen Schritt näher gekommen.“  Es sei ein guter Tag für Rot-Grün.

Die stellvertretende FDP-Vorsitzende Birgit Homburger forderte Frau Göring-Eckardt auf, ihr Amt als Vizepräsidentin des Bundestags niederzulegen. „Das ist ein Gebot der notwendigen Überparteilichkeit bei der Sitzungsleitung im Parlament“, sagte Frau Homburger.

„Niemand geht beschädigt aus der Urwahl hervor“

Claudia Roth schrieb im sozialen Netzwerk Facebook: „Ich gratuliere von Herzen Jürgen Trittin und Katrin Göring-Eckardt. Das ist Demokratie!“ Ob sie auf dem Parteitag in einer Woche in Hannover nun wie geplant abermals  zur Wahl der Parteivorsitzenden antritt, ist noch nicht bekannt. Auch der Parteivorsitzende Cem Özdemir, der zur Urwahl nicht angetreten war, will dort bestätigt werden.

Gruenen-Bundesvorsitzende Roth verlangt die Abschaffung des MAD © dapd Vergrößern „Das ist Demokratie!“: Grünen-Vorsitzende Claudia Roth erhielt nur 26 Prozent der Stimmen

Özdemir erwarte keinen Karriereknick bei den Verlierern, hatte er vor der Auszählung gesagt. Für Samstagmittag ist die erste Pressekonferenz des gewählten Spitzenduos angesetzt.

Mehr zum Thema

Quelle: FAZ.NET

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Grüne streiten über ihre Strategie Wir waren neunmalkluge Streber

Vor dem Bundesparteitag der Grünen regt sich aus den Landesverbänden Kritik an der Führung in Berlin. An der Spitze der Bewegung: Der hessische Grünen-Fraktionsvorsitzende Mathias Wagner. Ein Gespräch über Wahlkampffehler und den Charme von Schwarz-Grün. Mehr

16.10.2014, 16:36 Uhr | Politik
Endlich brüllen und schreien

Die Ornamentik auf dem Spielfeld, Augenfutter für die weiblichen Zuschauer und Ersatzfundamentalismus gehören für die Frankfurter zu den Gründen, warum eine Fußball-WM die ganze Nation begeistert. Mehr Von Andreas Brand und Katrin Hummel

30.06.2014, 16:43 Uhr | Sport
Buchvorstellung Joschka Fischer Von der Schweiz lernen

Förderalismus in Schweizer Art: Bei der Vorstellung seines neuen Buches Scheitert Europa? präsentiert Joschka Fischer seine Idee von den Vereinigten Staaten von Europa nach eidgenössischem Modell. Mehr Von Julia Encke

14.10.2014, 16:57 Uhr | Feuilleton
SPD legt zu, CDU stabil, AfD zieht in Parlament ein

Trotz Verlusten blieb die Union mit knapp 36 Prozent stärkste Kraft, die Grünen werden deutlich vor der Linkspartei Dritte. Mehr

25.05.2014, 21:09 Uhr | Politik
Steigende Flüchtlingszahlen Kosten für Asylbewerber werden zur Chefsache

Das Treffen im Kanzleramt zur Situation von Flüchtlingen erbrachte keine konkreten Ergebnisse. Nun sollen bis Ende des Jahres Kanzlerin und Ministerpräsidenten entscheiden, wie die Kosten für Asylbewerber künftig verteilt werden. Mehr

23.10.2014, 19:08 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 10.11.2012, 10:07 Uhr