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Angriff auf Grünen-Politikerin : Häck auf Beck

Grünen-Abgeordnete Marieluise Beck (l.) im Gespräch mit Angela Merkel Bild: dpa

Marieluise Beck war schon 2014 Ziel eines Hackerangriffs. Nun erfuhr die Politikerin vom Verfassungsschutz, mit welchem Schadstoffprogramm ihr Computer damals infiziert wurde. Es gibt Parallelen zu einem aktuellen Fall.

          Vor fast drei Jahren, im Februar 2014, erhielt die Grünen-Abgeordnete Marieluise Beck einen ungewöhnlichen Anruf aus der Bundestagsverwaltung. Irgendetwas Verdächtiges sei mit ihrem Computer geschehen. Ob es möglich sei, den Rechner zur Überprüfung abzugeben. Die Politikerin, die seit Jahrzehnten im Bundestag sitzt, war einverstanden. Am nächsten Tag fragte die Verwaltung nach, ob bei dem abgeholten Computer auch die Festplatte ausgebaut werden könne. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) wolle sich die mal genauer ansehen. Das Amt, das seinen Sitz in Bonn und heute mehr als 600 Mitarbeiter hat, ist für die Sicherheit des Regierungsnetzes verantwortlich. Allerdings nicht für den Bundestag. Doch was mit Becks Computer geschehen war, das war ein heikler Fall für die Fachleute in Bonn.

          Markus Wehner

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Nach einigen Wochen meldete sich die Bundestagsverwaltung wieder. Der Verdacht habe sich leider bestätigt, es habe Hackerangriffe gegen den Rechner der Politikerin gegeben. Das genaue Ergebnis der Untersuchung könne ihr aus Gründen der Geheimhaltung nicht persönlich zugestellt werden. Beck könne es aber in der Geheimschutzstelle des Bundestags einsehen. Was sie tat. Ihr Computer sei von einem Trojaner infiziert gewesen, stand in einem Schreiben. Das Programm heiße MiniDuke. Es werde meist gegen amerikanische Forschungseinrichtungen und gegen mittel- und osteuropäische Staaten eingesetzt. So jedenfalls erinnert sich Beck heute an den Inhalt des Schriftstücks. Auch eine Vizepräsidentin des Bundestags informierte sie noch einmal über das, was die Leute vom BSI herausgefunden hatten.

          Zu diesem Zeitpunkt war Fachleuten das Programm „Duke“ oder „MiniDuke“ schon seit Jahren bekannt. Der Trojaner wurde damals gezielt auf Computer internationaler Regierungsorganisationen angesetzt. Entdeckt wurde er in mehr als zwanzig Staaten des Westens, unter anderen in den Vereinigten Staaten, Belgien, Portugal, Irland, der Tschechischen Republik, aber auch in der Ukraine. Über PDF-Dateien wurden die Rechner infiziert. Die gefälschten Mails, mit denen diese Dateien verschickt wurden, enthielten zum Beispiel angebliche Informationen über Menschenrechtsfragen oder einen möglichen Beitritt der Ukraine zur Nato.

          Marieluise Beck hat mit solchen Themen ständig zu tun. Die 64 Jahre alte Abgeordnete engagiert sich seit vielen Jahren als osteuropapolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion für die Länder östlich der Europäischen Union. So setzt sie sich entschieden für eine europäische Orientierung der Ukraine ein. Kaum ein anderer Politiker im Bundestag hat Russlands Vorgehen gegen die Ukraine so deutlich kritisiert wie Beck. Zudem pflegt sie seit langem Kontakte zu Menschenrechtsgruppen in Russland.

          Verifizierung der Täter bei Hackern schwierig

          Wer den Angriff auf sie steuerte, wurde der Abgeordneten 2014 nicht mitgeteilt. Beweisführungen sind bei Cyber-Angriffen immer schwierig, zwar gibt es technische Indizien, doch für eine Bestimmung des Angreifers spielen auch Plausibilitäten eine große Rolle. Wenn es um Spionage im Netz ging, beherrschte damals ein anderes Land die Medien: die Vereinigten Staaten. Edward Snowden hatte im Sommer 2013 mit seinen Enthüllungen die NSA-Affäre ausgelöst. Für die Cyber-Spione anderer Staaten interessierte sich damals kaum jemand. Auch Becks Fall sorgte nicht für Aufmerksamkeit. Außer einer kleinen Notiz im „Spiegel“, die im Mai 2014 erschien, wurde über die Netzattacke auf die Bundestagsabgeordnete nicht berichtet.

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