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Grüne und Pädophilie : Im Schatten des Liberalismus

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Mehr Schatten als Leitbild: Die Grünen müssen sich mit dem erschreckend unrühmlichen ersten Kapitel ihrer Geschichte befassen. Bild: Picture-Alliance

Als sich die Grünen Ende der siebziger Jahre als Partei konstituierten, war der Boden für eine Affirmation der Pädophilie längst bereitet. Am Wochenende wollen sie sich auf einem Parteitag mit den zynischen und kruden Thesen beschäftigen, die in ihren Reihen vertreten wurden.

          Das Jahr 2013 markiert gewiss eine Zäsur in der Geschichte der Grünen: Als jäh eine Debatte über Pädophilie ausbrach und über Monate anhielt, war die Sprachlosigkeit der früheren Rhetoren der Gesellschaftskritik aus der erörterungsfreudigen Diskursgeneration groß. Das zuvor so übergewichtige Selbstbewusstsein, das sich gerade im moralischen Anspruchspathos offenbarte, Partei der kritischen Aufklärung zu sein, war mit einem Mal verschwunden. Der Versuch, zu erklären, zu erläutern, auch zu historisieren, was wieso in den frühen 1980er Jahren an pädophilen Forderungen in Programme und Manifeste eindrang, wurde gar nicht erst unternommen. Stattdessen legte sich bei den Grünen im Jahr der Bundestagswahl stumme Furcht über die verdrängten Seiten der eigenen Geschichte.

          Dergleichen Quietismus in Bezug auf die Geschichte der zurückliegenden Dekaden in (West-)Deutschland war neu und ungewohnt. Denn bis dahin hatte die Partei die Jahrzehnte seit 1968 gerne als eine Ära vermehrter Liberalität, kosmopolitischer Weltoffenheit, ökologischer Sensibilität und gelassener Toleranz gegenüber Minderheiten beschrieben, um die damit positiv konnotierten Züge dem eigenen Konto beziehungsweise den von befreundeten oder vorangegangenen sozialen Bewegungen gutzuschreiben. Die Grünen hatten sich selbst stets als entscheidendes Agens der Modernisierung in Szene gesetzt, sich zum kämpferischen Avantgardisten der Befreiung gegen ein durchaus ruppig reagierendes altes Herrschaftskartell stilisiert. Marieluise Beck etwa, eine prominente Grünen-Politikerin der ersten Stunde, bezeichnete es „als historisches Verdienst der Grünen, den Blick für sexuelle Freiheit geöffnet zu haben“.

          Absorbiert, nicht initiiert

          Was immer man den Grünen an Tüchtigkeiten attestieren mag – die Rolle der Vordenker und Initiatoren der sexuellen Revolution können sie sicher nicht für sich reklamieren; es ist auch nicht besonders ratsam. Die oft gefeierte sexuelle Revolution vollzog sich lange vor Gründung der Partei. Die Grünen absorbierten, was an sozialen Bewegtheiten und Ideen längst aufgekommen war. Die Neugründung der Partei bildete gewissermaßen das Finale einer vorangegangenen autonomen gesellschaftlichen Entwicklung.

          Die Anfänge all dessen lagen in den sechziger Jahren – eben auch die Diskussion über sexuelle Gewalt gegen Kinder. 1964 berichtete die Wochenzeitung „Die Zeit“ über eine Tagung der „Deutschen Gesellschaft für Sexualforschung“ zum Thema „Das sexuell gefährdete und geschädigte Kind“. Die Bilanz nach zweieinhalb Tagen lautete zwar: „Über die seelischen Folgen bei Kindern, die sexuell missbraucht wurden, ist noch sehr wenig bekannt.“ Doch was an Kenntnissen vorlag, schien eindeutig darauf hinzuweisen, so die Psychologieprofessorin Elisabeth Muller-Luckmann aus Braunschweig, die über „Glaubwürdigkeit kindlicher und jugendlicher Zeugenaussagen bei Sexualdelikten“ habilitiert hatte, „dass alles, was der eigentlichen Tat folgt – Vernehmung, Gerichtsverhandlungen, unüberlegte oder übertriebene Fürsorgemaßnahmen –, das Kind oft stärker belastet als die Tat selbst“.

          „Ein Hauch Mittelalter“

          Ihre Kollegin, die Psychiaterin Thea Schönfelder aus Hamburg, ging davon aus, dass fast ein Drittel der Mädchen nicht einfach hilflose Opfer waren, sondern „sich eindeutig aktiv verhalten“ hätten. Zwölfjährige Lolitas, so der Berichterstatter der „Zeit“, pflegten die Liebhaber ihrer Mütter zu charmieren und sich alten Männern sexuell provokativ zu nähern. Die Ansicht, dass es sich bei Pädophilie um einen besonders infamen Missbrauch handele, der ein hohes Strafmaß erfordere, wies der Wissenschaftsautor Erwin Lausch in der „Zeit“ als einen „Hauch Mittelalter“ zurück.

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