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Veröffentlicht: 14.04.2013, 21:34 Uhr

Gründungsparteitag der AfD In Wut vereint

In Berlin begeht die „Alternative für Deutschland“ ihren ersten Parteitag. Bernd Lucke, Kopf der Partei, nutzt die dominante Gründungshochstimmung, um ein Programm durchzusetzen, bevor die inhaltliche Diskussion zerfasert.

von , Berlin
© AP Bringt die „Alternative für Deutschland“ in Stimmung: Gründer Bernd Lucke

Am Anfang stand ein Ärgernis: Ausgerechnet die NPD hatte angekündigt, auf der Budapester Straße in Berlin demonstrieren zu wollen, genau vor dem Hotel, in dem die eurokritische „Alternative für Deutschland“ (AfD) ihren ersten Bundesparteitag abhielt. „Raus aus dem Euro! Es gibt nur eine Alternative - die NPD!“, unter diesem Motto, das den Zielen der AfD doch bitter nahe kam, wollten die Rechtsextremen zusammenkommen. Es kamen dann aber nur 15 von ihnen zusammen und auch nicht viel mehr Gegendemonstranten - eine Demonstration, sagte ein gelangweilter Polizist, konnte man das eigentlich kaum nennen. Das fand ein Parteitagsbesucher, der vor dem Hotel im Sonnenschein mit Zigarette vom Geschehen drinnen pausierte, schade: Beim Schießen auf eine rechtsextreme Demo mit linksextremen Gegendemonstranten könne man den Falschen gar nicht treffen, sagte er, was im Kreise der übrigen rauchenden Parteigenossen einige Lacher erntete, bevor sich ihr Gespräch wieder Ernsterem widmete, der Frage nämlich, ob der Staat die NSU-Morde inszeniert habe, ja oder nein? Man kam zu keinem Schluss.

Anders drinnen, wo alles wie am Schnürchen lief, was die Sorgen der AfD-Führung zerstreute; denn wo sich eine neue Partei gründet, kommt zusammen, was im Etablierten keine Heimat finden konnte, in der Hoffnung, dass die neue Kraft endlich die richtige sein möge. Die Führung befürchtete dementsprechend, dass sich der Parteitag, ganz nach Art der Piraten, ins schier endlose Gerede zerfasern könnte, dass man sich vor der üppig vertretenen Presse gar lächerlich machen könnte, indem man am Ende ohne Programm und gewählte Häupter dastehen könnte. Doch nichts dergleichen.

Abnicken mit einigen Schnitzern

Schon bei der Begrüßungsrede des Journalisten Konrad Adam, einem der Gründungsväter der Partei, war eine große Euphorie im Saal zu spüren, eine erstaunliche Euphorie geradezu in Anbetracht der Tatsache, dass der durchschnittliche Besucher ein Herr vorgerückten Alters war. Adam begrüßte die Gäste, speziell auch einige Diplomaten aus Amerika und Holland; eine Dame, die von der Europäischen Kommission dazugekommen war, wurde vom Publikum hingegen mit Buh- und Pfui-Rufen geschmäht. Dann redete Adam über die Themen, die den Tag tragen sollten, Euro, Demokratie, Rechtsstaat, und machte noch ein bisschen Mut: „Populist“, diesen Vorwurf solle man als Auszeichnung begreifen, und forderte zum Abschluss von den Parteigenossen ein hohes Maß an Disziplin, damit man die gemeinsamen, hohen Ziele erreichen könne. Das Publikum erhob sich begeistert von den Plätzen - monatelang hatte sich dieser Tag angebahnt, der Tag, an dem die „Alternative für Deutschland“aus der Taufe gehoben würde, nun war er endlich da.

© reuters Anti-Euro-Partei "Alternative für Deutschland" gründet sich in Berlin

Weiter ging es indes eher dröge: Abnicken der Tagesordnungspunkte, mit einigen Schnitzern. So wurde das Parteitagspräsidium vorgestellt, bevor es überhaupt gewählt war. Über manche Punkte gab es Streit; zum Beispiel tauchte jemand vorn auf dem Rednerpult auf, der sich als Mitbegründer von „Liquid Democracy“ vorstellte und dann forderte, dass alle reden dürfen müssten, wofür er ausgebuht wurde. Es musste beschlossen werden, wie viele wie lange reden dürften. Dann entbrannte ein Streit über die Frage, ob Koalitionen im Bundestag von einem Parteitag genehmigt werden müssten. Alle waren am Ende dafür; dass es nach der Bundestagswahl eine Koalition geben würde, bezweifelte kaum jemand im Saal.

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Quelle: wahlrecht.de
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