Bundespräsident Joachim Gauck sieht die innere Einheit Deutschlands noch längst nicht als vollendet an. Beim Gründungsfest der evangelischen Nordkirche - der ersten Fusion von Landeskirchen in Ost- und Westdeutschland - sagte Gauck am Pfingstsonntag im Ratzeburger Dom: „Mentalitätswandel braucht länger.“ Zwei Generationen - 40 Jahre - seien notwendig, „um von dem Status der Abhängigkeit und der Unterdrückung in den Status eines freien Menschen zu gelangen“. Die Bevölkerung im Osten Deutschlands habe 22 Jahre von diesen 40 Jahren hinter sich. „Sie wird noch ein wenig brauchen.“
Gauck würdigte die Fusion der nordelbischen (Hamburg/Schleswig-Holstein), der mecklenburgischen und pommerschen Kirche als neues Kapitel des vertrauensvollen Miteinanders von Ost- und Westdeutschen. „Wir wollen uns freuen, dass es zu dieser Vereinigung gekommen ist“, sagte Gauck, der von seinem vorab verbreiteten Redemanuskript mehrfach abwich. Es könnte sein, dass einige zu viel erwarten von der neuen organisatorischen Einheit in Gestalt der Nordkirche. „Es hat ein lange Phase gegeben, die uns unterschiedlich gemacht hat, und es wäre töricht an einem Festtag wie heute das zu verschweigen.“ Dies müsse nicht trennend wirken, aber man müsse sich dessen bewusst sein.
Der Bundespräsident verwies auf Repressalien gegen die Kirchen in der DDR, eine Erfahrung, die es im Westen nicht gegeben habe. Die Kirchen in Ost und West müssten Buße tun für sehr unterschiedliche Sachen, sagte Gauck, der früher in Rostock Pastor war. Zugleich betonte Gauck, der sich in vielen Passagen ausdrücklich als Christ und nicht als Bundespräsident äußerte, sein Gottvertrauen. Christen müssten Verantwortung übernehmen, um ein Segen in dieser Welt zu sein - „darum wollen wir beten und dafür wollen wir handeln“.
Die Gründungsfeier nutzte Gauck auch, um an die Hilfe durch die westdeutschen Kirchen zu DDR-Zeiten zu erinnern. „Ich als Ossi möchte an dieser Stelle ein kräftiges Dankeschön sagen.“ Vieles hätte er nicht geschafft, „ohne die solidarische Hilfe unserer Schwestern und Brüder“. „Wir sagen danke, das muss auch einmal sein.“ In seinem religiösen geprägten Grußwort sagte Gauck außerdem: „Wir dürfen uns nicht genieren, dass wir unterschiedlich geworden sind. Und wir brauchen uns schon gar nicht davor zu fürchten - denn wir haben einen Herrn, ein Wort Gottes und ein gemeinsames Ziel.“
Und auch im Westen wird es noch für den Mentalitätswandel brauchen
Jürgen Spiegel (Spiegel-Berlin)
- 29.05.2012, 09:39 Uhr
@Jorst Jungsbluth: Zu den grausamen Fehlern
Udo Meissner (carmudo)
- 28.05.2012, 13:05 Uhr
Gauck spaltet Deutschland
Werner Grunewald (perplexo)
- 28.05.2012, 11:53 Uhr
Die Mauer steht
Helmut Smith (fmsus)
- 27.05.2012, 21:33 Uhr
Da sehe ich schwarz für Herrn Gauck!
Udo Meissner (carmudo)
- 27.05.2012, 20:31 Uhr