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Gewalt im Klassenzimmer Weitere Berliner Schulen rufen um Hilfe

02.04.2006 ·  Nicht nur die Berliner Rütli-Hauptschule beklagt Übergriffe gewalttätiger Schüler. Politiker streiten über die richtige Lösung des Problems. Brandenburgs Innenminister Schönbohm will kriminelle Schüler in Heime oder Jugendgefängnisse stecken.

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Nach dem Brandbrief des Lehrerkollegiums der Rütli-Hauptschule im Berliner Bezirk Neukölln über die ausufernde Gewalt an ihrer Schule wurden am Wochenende weitere Hilferufe von Schulen in der Hauptstadt bekannt. Die Zeitschrift „Der Spiegel“ berichtete, daß auch Lehrer der Theodor-Plivier-Oberschule in Berlin-Wedding einen ähnlichen Brandbrief an die Schulverwaltung geschrieben hätten. Die Rektorin der Neuköllner Helmholtz-Oberschule erließ ein Handy-Verbot, weil Schüler mit ihren Mobiltelefonen Massenschlägereien organisierten.

Die Zeitung „Tagesspiegel“ berichtete, an der Charlottenburger Pommern-Hauptschule habe eine Gruppe arabischer Männer einen Schüler der zehnten Klasse angegriffen. Auch die Leistikow-Hauptschule im bürgerlich strukturierten Bezirk Zehlendorf meldete Probleme mit gewalttätigen Schülern. Die 224 Schüler der Rütli-Hauptschule werden von diesem Montag an nicht mehr unter Polizeischutz in die Schule gehen; die Beamte, die am Freitag dort eingesetzt wurden, werden abgezogen.

Kauder will „Nationalen Aktionsplan“

Vor dem Hintergrund dieser Vorfälle meldeten sich etliche Politiker mit Vorschlägen und Forderungen zur besseren Integration von Einwandererkindern zu Wort. Der Vorsitzende der Unionsbundestagsfraktion, Kauder, forderte in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung abermals einen „Nationalen Aktionsplan Integration“. Integrationspolitik sei „eine Aufgabe von nationaler Bedeutung“ und Bildung der „Schlüssel zu gesellschaftlicher Teilhabe und sozialem Aufstieg“. Der Fall der Rütli-Hauptschule zeige, „wie sehr sich die Realität gerade in Großstädten von der naiven Vorstellung multikultureller Straßenfestromantik entfernt hat“. (Siehe auch: Gastkommentar Volker Kauder: „Die Realität wurde zu lange verschleiert“)

Brandenburgs Innenminister Schönbohm (CDU) verlangte, daß in deutschen Schulen der Anteil ausländischer Kinder nicht über fünfzig Prozent liegen dürfe. Um die Bildung von Siedlungsgebieten mit überwiegend ausländischer Wohnbevölkerung künftig zu unterbinden, müsse die Politik darüber nachdenken, die Zuweisung von Wohnungen zu quotieren“. Ausländer mit fehlenden Sprachkenntnissen sollten sich nicht dauerhaft in Deutschland aufhalten dürfen. „Wer seit Jahren hier lebt und kein Deutsch lernen will, sollte das Land verlassen. Es zeigt, daß er sich nicht integrieren und nicht arbeiten will.“

„Erziehungsheim oder Jugendgefängnis“

Mit Blick auf die Hilferufe von Hauptschulen, an denen besonders Kinder ausländischer Herkunft ihre Umgebung terrorisierten, sagte der frühere General: „Wir sollten darüber nachdenken, kriminelle Schüler von der Schule zu verweisen und sie dann für ein paar Tage in einem Erziehungsheim oder auch in einem Jugendgefängnis unter Arrest zu stellen“.

Bundesbildungsministerin Schavan (CDU) regte an, zur Unterstützung von gefährdeten Schulen ein Helfer-Netz zu knüpfen. Der Zeitung „Financial Times Deutschland“ sagte Frau Schavan: „Wir brauchen künftig an solchen Brennpunktschulen ein Bündnis für Integration - ein Netzwerk, das intensiv aggressive und orientierungslose Jugendliche begleitet.“

Beck: „Kinder dieses Landes“

Der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen, Beck, verlangte mehr Geld für Integration. Den Vorschlag aus der CDU, jugendliche Intensivtäter aus ausländischen Familien auszuweisen, wies Beck zurück. Viele Kinder ausländischer Eltern würden als Deutsche geboren: „Sie sind Kinder dieses Landes. Man darf und kann sie gar nicht abschieben.“

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) lehnte es auf dem SPD-Landesparteitag ab, die Hauptschulen in der Hauptstadt besser auszustatten. „Zu glauben, mit mehr Geld lasse sich alles regeln, ist mir zu wenig.“ Die Schulen seien personell angemessen ausgestattet. Er plädierte für eine „schnellere“ Kombination von Haupt- und Realschulen.

„Schäuble schürt Fremdenfeindlichkeit“

Bildungssenator Klaus Böger (SPD) ist der Ansicht, den bedrängten Hauptschulen könne speziell ausgebildetes Personal helfen. Er kündigte an, 50 Sozialpädagogen, die ursprünglich vom Spätsommer an in Hauptschulen arbeiten sollten, rascher einzustellen und zusätzlich „mindestens 50 Lehrer-Stellen für Schulen in sozialen Brennpunkten“ auszuschreiben, wie er der Tageszeitung „Berliner Morgenpost“ sagte. Prävention halte er für besser und billiger als Schadensbegrenzung. Er sei nicht der Ansicht, daß die Schulstruktur wesentlich zur kritischen Lage der Hauptschulen beitrage. Böger sagte, er fühle sich in der Debatte über die Mißstände an Hauptschulen mehr unterstützt als kritisiert.

Der Berliner SPD-Bundestagsabgeordnete Klaus Uwe Benneter warf Kanzlerin Angela Merkel und Innenminister Wolfgang Schäuble (beide CDU) Doppelzüngigkeit vor. Benneter begründete seine Vorwürfe mit Kürzungen im neuen Bundeshaushalt: „Herr Schäuble soll erstmal diese 68 Millionen für Sprachunterricht von Ausländern zur Verfügung stellen und nicht dauernd widersprüchlich und pharisäerhaft solche Vorgänge nutzen, um dann nur Fremdenfeindlichkeit zu schüren.“

Schäuble hatte ein hartes Durchgreifen gegen Gewalt an den Schulen gefordert. Es dürfe keine Toleranz oder Resignation geben, sagte er der „Bild“-Zeitung.

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