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Gewalt gegen Polizisten : Heule, heule Gänschen

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Bürger zeigten inzwischen polizeiliche Gewalt oder das, was sie dafür hielten, eher an. Deshalb schrieben wiederum viele Polizisten schon vorsorglich Anzeigen, um den Bürgern zuvorzukommen. Wenn ein Polizist als Verletzung eine verstauchte Hand melde, könne es auch sein, dass sie verstaucht sei, weil er selbst jemanden körperlich angegangen sei: „Man darf nicht nur Striche zusammenzählen.“

„Die Polizei wird in Zukunft eine Entspannung vorfinden“

Behrendes glaubt nicht, dass die Gewaltbereitschaft der Bürger in den vergangenen Jahrzehnten gestiegen ist. Schon Anfang der Siebziger war er im Dienst. „Da waren Polizisten für Gleichaltrige die Buhmänner.“ Auf den Demos flogen ihm Steine um die Ohren, die Schutzausrüstung war erbärmlich, verglichen mit der heutigen. „Von respektvollem Umgang habe ich nichts erlebt.“

Seit 2009, das zeigt die Statistik des Bundeskriminalamtes, sinkt der „Widerstand gegen die Staatsgewalt“. Im Bericht über das Jahr 2011 steht: „Die Zahl der Fälle von Widerstandshandlungen gegen die Staatsgewalt war - wie bereits im Jahr 2010 - auch 2011 rückläufig.“ Gegenüber dem Vorjahr sei die Zahl um 2,3 Prozent auf 22.839 Fälle zurückgegangen.

„Es gibt keine Automatik, dass alles immer schlimmer wird“, sagt auch der Forscher Pfeiffer. Im Gegenteil. „Die Polizei wird in Zukunft generell eine Entspannung vorfinden.“ Seine Studie habe gezeigt, dass vor allem junge Männer Polizisten angriffen. Die Gesellschaft wird aber im Schnitt immer älter. „Ich bin sicher, dass die Gewalt gegen Polizeibeamte abnehmen wird.“

„Besser, man versteht einander“

Schon vor Jahren hatte der Professor das in einem offenen Brief an die Justiz- und Innenminister des Bundes und der Länder angemerkt. „In unserem Land wird nicht zutreffend über Kriminalität berichtet“, schrieb er und kritisierte die „wachsende Dramatisierung des Bösen“. Gute Nachrichten würden verschwiegen. „Liegt es vielleicht daran, dass Gewerkschaftsfunktionäre und Innenminister in der Sorge vereint sind, die Finanzminister könnten bei Kenntnisnahme der positiven Entwicklung auf die Idee kommen, im großen Stil Planstellen der Polizei zu kürzen?“

Liefern die Wissenschaftler die gewünschten Ergebnisse, zitieren die Gewerkschaftler sie gern. Wenn nicht, schmähen sie sie als Bücherwürmer. „Ich bin etwas länger Polizist als Herr Behr“, trotzt der Hamburger DPolG-Chef Joachim Lenders. Er residiert in einem Riesenbüro gegenüber vom Hotel Atlantic und trägt Anzug, aber seine Worte sollen so klingen, als stünde er mitten im Straßenkampf (er holt sogar ein Wurfgeschoss von einer Demo aus der Schreibtischschublade). Wendt versucht es mit der gleichen Methode: Behr sei „ja erstmal ein Sozialwissenschaftler“, der vom Polizeialltag nichts verstehe. „Sehr, sehr eingeschränkt“ sei dessen Sicht.

Dass der Hamburger DPolG-Chef sich den Forscher nach dem Jammervorwurf „gleich vorgeknöpft“ habe, sei wirkungsvoll gewesen: „Seitdem ist da an der Front Ruhe. Das macht der nicht nochmal.“ Rainer Wendt, zurückgelehnt in seinem Bürosessel, will noch was sagen zur Causa Behr, es soll versöhnlich klingen: „Besser ist, man versteht sich miteinander.“ Es klingt wie eine Drohung.

Quelle: F.A.S.

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