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Gesundheitsfonds Von der Leyen ruft zum Boykott teurer Krankenkassen auf

24.08.2008 ·  Bundesfamilienministerin von der Leyen hat den Versicherten dringend empfohlen, den Krankenkassen „auf die Finger“ zu schauen. Gut wirtschaftende Kassen würden ihren Mitgliedern Geld zurückzahlen können. Ansonsten: „Die Auswahl ist groß“.

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Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen hat die Bürger zum Boykott von Krankenkassen aufgerufen, die nach Einführung des Gesundheitsfonds ihre Beiträge unangemessen erhöhten.

Sie könne den Familien „nur empfehlen: Schauen Sie Ihrer Krankenkasse genau auf die Finger und wechseln Sie die Kasse, wenn sie mehr Geld von Ihnen verlangt“, sagte die CDU-Politikerin der Zeitung „Bild am Sonntag“. Die Auswahl sei groß genug. „Kassen, die gut wirtschaften, werden ihren Versicherten Geld zurückgeben können. Kassen, die schlecht wirtschaften, werden Zuschläge verlangen müssen.“

Die Ministerin verteidigte den Gesundheitsfonds gegen Kritik auch aus der CSU. „Der Gesundheitsfonds macht nichts teurer. Er schafft Gerechtigkeit“, sagte sie. „Jede Kasse bekommt denselben Betrag pro Versicherten. Damit hört die Jagd nach den jungen Besserverdienenden auf. Und jede Kasse kann zeigen, was sie mit dem Geld ihrer Versicherten macht.“

Eigenen Vater von Hartz-IV-Empfänger pflegen lassen

Zudem regte die Ministerin Verbesserungen am Konzept für den Einsatz von Langzeitarbeitslosen in Pflegeheimen gefordert. In den Plänen der Bundesagentur für Arbeit müsse die praktische Ausbildung von Arbeitslosen für den Umgang mit Demenzkranken „ausgeweitet werden“, sagte von der Leyen. Wer Demenzkranke begleite, müsse Einfühlungsvermögen und Toleranz aufbringen. „Er muss ihre Unruhe verstehen und lernen, was es bedeutet, das Gedächtnis zu verlieren“, so von der Leyen. „Er muss sich in die Ängste und Nöte, aber auch Freuden von Demenzkranken hineinversetzen.“ Er müsse auch lernen, wie sich ein Lebensumfeld schaffen lasse, „dass sie sich wohlfühlen“.

Von der Leyen wies gleichzeitig die grundsätzliche Kritik an den Plänen zurück. Die Einwände von Pflegevertretern machten sie „wütend“, sagte die Ministerin. „Nur weil jemand arbeitslos ist, ist er noch lange kein schlechterer Mensch.“ Sie würde auch ihren an Alzheimer erkrankten Vater, den früheren niedersächsischen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht, von Hartz-IV-Empfängern betreuen lassen. „Ich bin für jeden Menschen dankbar, der meinen Vater liebevoll auf seinem Weg begleitet - unanhängig davon, ob er aus der Arbeitslosigkeit kommt“, sagte von der Leyen.

Am Bedarf vorbei und gefährlich

Nach Anischt der Wittener Pflege-Wissenschaftlerin Angelika Zegelin geht der geplante Einsatz von Langzeitarbeitslosen für einfache Tätigkeiten in Pflegeheimen am Bedarf vorbei. Die eigentlich vorgesehenen Pflege-Tätigkeiten wie Unterstützung beim Spazierengehen, Basteln oder Gesellschaftsspiele seien kaum gefragt, weil die Heimbewohner meist zu krank oder geschwächt dafür seien. „Alle, die noch Bast-Untersetzer machen können, sind noch zu Hause“, sagte die Experin von der Universität Witten-Herdecke der Deutschen Presse-Agentur. Der festgelegte Aufgabenkatalog der Helfer reicht von „Malen und Basteln“ bis „Fotoalben anschauen“.

Zudem könnten nach Zegelins Ansicht bei unsachgemäßer Unterstützung von Demenzkranken lebensgefährliche Situationen entstehen, etwa Erstickungsanfälle beim Essen oder gefährliche Stürze beim Umlagern der oft völlig hilflosen Patienten. Eine gründliche Ausbildung der Pflegekräfte sei deshalb zwingend erforderlich.

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