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Gesine Lötzsch Kandidatin der Kontinuität

26.01.2010 ·  Wenn sie im Mai gemeinsam mit Klaus Ernst zur Vorsitzenden der Linkspartei gewählt wird, verdankt Gesine Lötzsch dies auch dem destruktiven Akt Oskar Lafontaines. Gleichwohl steht die im Jahr des Mauerbaus in Berlin geborene Abgeordnete für Kontinuität.

Von Mechthild Küpper, Berlin
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Gesine Lötzsch müsste, wenn es nach dem Dienstalter geht, zu den bekanntesten Politikern der Partei Die Linke gehören. Immerhin saß sie, gemeinsam mit Petra Pau, die heute Vizepräsidentin des Bundestags ist, schon 2002 als direkt gewählte Abgeordnete für die PDS im Bundestag - ohne Fraktion. Damals hatte ihre Partei den Einzug in den Bundestag verfehlt.

Das sei ihr „einschneidendstes Erlebnis“ gewesen, sagte sie am Dienstag bei der Vorstellung der neuen Führungsgruppe der Linkspartei. Ihr Wahlkreis Berlin-Lichtenberg gehört traditionell zu den Hochburgen der PDS. Sie hat ihn, darauf wies sie nicht ohne Stolz hin, trotz des beträchtlichen Bevölkerungsaustausches im September abermals mit 47,5 Prozent der Stimmen direkt gewonnen – zum dritten Mal.

Wenn sie im Mai - gemeinsam mit dem Bayern Klaus Ernst, dem Mitgründer der WASG – beim Parteitag in Rostock als Parteivorsitzende kandidiert, verdankt sie das nicht der jahrelangen systematischen Förderung des Nachwuchses durch die Führung, sondern einem destruktiven Akt des scheidenden Vorsitzenden Oskar Lafontaine.

Häufig zu hören und zu sehen

Weil dieser den einzigen „natürlichen“ Nachfolger im Amt des Parteivorsitzes, den Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch, kurz vor seinem Rückzug nach Saarbrücken von Gregor Gysi abservieren ließ, musste hektisch nach Vorsitzenden gesucht werden.

Dass Frau Lötzsch, die 1961 in Berlin zur Welt kam, die 1984 Mitglied der SED und 1990 der PDS wurde, bereit war, mehr Verantwortung zu übernehmen, war offensichtlich: Sie war häufig zu hören und zu sehen in den letzten Tagen und Wochen, und am Ende hat sie auch offen gesagt, dass sie bereit sei, das Amt zu übernehmen.

Gesine Lötzsch ist promovierte Philologin und hat als Lehrerin gearbeitet, was sich wohltuend bemerkbar macht, wenn sie Parteitage leitet, unangenehme Fragen zurechtrückt – oder auch einmal vom Rednerpult herab Gregor Gysi ermahnt, seine Interviews doch bitte vor dem Parteitagssaal und nicht während ihrer Rede zu geben.

Keiner innerparteilichen Strömung zuzuordnen

Sie hat die klassische Karriere durchlaufen: Erst saß sie in der Bezirksverordnetenversammlung, dann, in den Monaten der friedlichen Revolution, in der Stadtverordnetenversammlung, dann im Abgeordnetenhaus, wo sie von 1991 bis 1993 Fraktionsvorsitzende der PDS war. 2001, darauf wies sie bei ihrer Vorstellung im Karl-Liebknecht-Haus hin, hat sie die Koalition zwischen SPD und PDS mit ausgehandelt. Sie ist selbstbewusst genug, um die Frage, ob sie nicht zu „unauffällig“ für das Spitzenamt ihrer Partei sei, gelassen mit der Zahl ihrer Fernsehauftritte zu parieren.

Sie steht, wie an den Stationen ihres politischen Lebens abzulesen ist, für Kontinuität. Einer Strömung innerhalb der Linkspartei ist sie nicht zuzuordnen. Sie widmet sich der Milieupflege in ihrem Wahlkreis, sie gehört nicht zu den „Reformern“, die den Bruch mit der SED stark betonen. Aber sie gehört auch nicht der Kommunistischen Plattform oder einer der anderen radikalen Gruppen in der Linkspartei an.

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Jahrgang 1954, politische Korrespondentin in Berlin.

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