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Mittwoch, 19. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Geschlechterpolitik Alice, der Kampf geht weiter

 ·  Im Herbst begann sich die Familienministerin Kristina Schröder mit der Feministin Alice Schwarzer einen Schlagabtausch zu liefern. Schröder forderte eine Geschlechterpolitik, die Frauen und Männer nicht als Gegner sieht. Schwarzer benotete Schröder als „ungeeignet“ für ihr Amt. Jetzt geht der Streit weiter.

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Als „bizarren Sex-Streit“ beschrieb die „Bild“-Zeitung im vergangenen November einen Schlagabtausch, den sich Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) mit der Feministin Alice Schwarzer lieferte. Frau Schröder hatte in einem Interview im „Spiegel“ den Zusammenhang von „heterosexuellem Geschlechtsverkehr“ und der „Unterwerfung der Frau“, den Frau Schwarzer in der Blütezeit des Feminismus behauptet hatte, als „schlicht falsch“ bezeichnet. Tatsächlich ging es um viel mehr: Frau Schröder forderte einen Abschied vom Feminismus des zwanzigsten Jahrhunderts hin zu einer Geschlechterpolitik, die Männer und Frauen nicht als Gegner begreift und die Förderung von Jungen nicht mit der Benachteiligung von Mädchen gleichsetzt: Abschied vom Geschlechterkampf.

Die 67 Jahre alte Alice Schwarzer wehrte sich damals vehement gegen den Versuch, sie aufs feministische Altenteil abzuschieben. In einem persönlich herabwürdigenden offenen Brief warf sie der Familienministerin mangelnde „Kompetenz und Empathie für Frauen“ vor. Die Ausführungen Schröders bezeichnete sie als „hanebüchenen Unsinn“ und „Stammtischparolen“. Frau Schröder sei ein „hoffnungsloser Fall“ und ungeeignet für ihren Posten, sie solle besser Pressesprecherin „rechtskonservativer Männerbünde“ werden.

Schwarzer nicht direkt genannt - doch die Stoßrichtung ist klar

Jetzt legt Frau Schröder nach: In einem Beitrag für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (Gastbeitrag: Abschied vom Kampf der Geschlechter) kritisiert sie den „Feminismus des vorigen Jahrhunderts, der zum Geschlechterkampf blies und Frauen- und Männerpolitik nicht selten gegeneinander ausspielte“. Obwohl die Ministerin Frau Schwarzer nicht namentlich nennt, ist die Stoßrichtung klar: Die Ablehnung einer Politik, die Jungen besonders fördert, nähre den Verdacht, „dass manche Altfeministinnen vor allem den Benachteiligungsstatus von Frauen verteidigen“ wollten. Frau Schröder kritisiert die „Verengung von Gleichstellungspolitik auf Frauenpolitik“ und schreibt, Männerpolitik könne „erheblich zum Erfolg von moderner Gleichstellungspolitik und damit zu fairen Chancen für Frauen insbesondere im Beruf beitragen“.

Die 33 Jahre alte Ministerin, die im Sommer ihr erstes Kind erwartet, will eine Männerpolitik, „die es Männern ermöglicht, ihre Rolle abseits von Rollenklischees selbst neu zu definieren“. Nur wenn auch Männer die Chance hätten, anders zu leben als frühere Generationen, sei der Weg frei für Gleichberechtigung, schreibt sie. Im Zentrum von Schröders Konzept steht die Förderung familienfreundlicher Arbeitsbedingungen, damit familiäres Engagement weder für Männer noch für Frauen zum Karrierehindernis werde. Frau Schröder bezeichnet eine Arbeitswelt, in der die „Karriere nach Feierabend“ gemacht werde, als familienfeindlich und gegen die Interessen von Männern wie Frauen gerichtet. Frauenförderung allein werde daran nichts ändern.

Neben familienfreundlichen Arbeitsbedingungen will die Ministerin den Anteil männlicher Fachkräfte in Kindertagesstätten erhöhen. Sie hat die Familienpflegezeit auch auf vollberuflich tätige Männer zugeschnitten und analog zum „Girls' Day“ einen Jungen-Zukunftstag, den „Boys' Day“, ins Leben gerufen, der am kommenden Donnerstag zum ersten Mal stattfinden wird.

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