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Gentrifizierung : Vertreibung aus dem Mieterparadies

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In Berlin haben Rentner eine Villa besetzt. Sie protestieren damit gegen die Mietpreise in der Hauptstadt. Steigen die Kosten im einstiegen Mieterparadies weiter, können sich Geringverdiener bald keine Wohnung mehr leisten.

          Im feinen Pankow, dort, wo in den frühen Jahren der DDR die SED-Granden lebten, halten Rentner seit Wochen eine sanierungsbedürftige Villa besetzt, ihren „Freizeittreff“. Die Villa kostet 60 000 Euro Unterhalt im Jahr und sie soll verkauft werden – der Bezirk muss sparen. In dieser Gegend wäre sicher ein guter Preis zu erzielen. Doch die Alten wollen unbedingt zusammenbleiben. Sie haben Geschmack gefunden am Wohngemeinschaftsleben und ihrer seit der Besetzung erlangten Prominenz. Bekannte Politiker der Linkspartei kommen zu Besuch, bringen Lebensmittel, und versuchen, sich nützlich zu machen.

          Viel Besuch bekommt auch das Besetzercamp „Kotti & Co“ am nicht so feinen Kottbusser Tor in Kreuzberg. Was die dortigen Aktivisten fordern, ist teurer als die Wünsche der Pankower Senioren: Ihre Mieten sollen bei vier Euro den Quadratmeter auf Dauer festgesetzt werden, diese „soziale Richtsatzmiete“ dürfe nicht überschritten werden. Tatsächlich, so ermittelte der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen, betrug die Nettokaltmiete im Dezember 2011 durchschnittlich 5,04 Euro pro Quadratmeter, ausgerechnet in Sozialbauwohnungen allerdings liegt sie höher. Und bei Neuvermietungen wird in den meisten Stadtteilen inzwischen mehr verlangt.

          Im Szene-Stadtteil Friedrichshain griffen kürzlich Maskierte im Schutz der Nacht ein auf einem leeren Grundstück errichtetes Bio-Hotel an, schlugen Scheiben ein, verunstalteten die vom Eigentümer kunstvoll mit Graffiti verzierte Fassade mit Teer und verwüsteten das Mobiliar in der Eingangshalle. Ein Mittäter erklärte im Internet-Netzwerk „Indymedia“: „Es entsteht eine Boutique neben der nächsten, und es werden reihenweise Häuser entmietet und deren Bewohner auf die Straße gesetzt, um Platz für Eigentumswohnungen und Hotels zu schaffen. Um darauf hinzuweisen und zu zeigen, dass die von Gentrifizierung betroffenen Menschen keine Lust (und Möglichkeiten mehr) haben, sich verdrängen zu lassen, haben wir unserem Ärger an einem Paradebeispiel Luft gemacht.“

          Berliner Mietpreise sind vergleichsweise gering

          Berlins Wohnungsmarkt ist ein heißes Pflaster geworden, für Investoren, für Mieter, und auch für die Politik. Die Infrastruktur der Stadt ist für fünf Millionen Einwohner entworfen, doch nach Jahren des Schrumpfens freut man sich dieser Tage über die Meldung, Ende 2011 seien über 3,5 Millionen Berliner gezählt worden. Wer einmal in einer anderen deutschen Großstadt wohnte, hält Berlin für ein Mieterparadies, von Paris, London und New York, mit denen Berlin sich gern vergleichen lässt, ganz zu schweigen. Der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg will die gesetzliche Mindestgröße für eine Wohnung in New York von 37 auf 27 Quadratmeter senken, um überhaupt noch bezahlbaren Wohnraum anbieten zu können. Von solchen Verhältnissen ist Berlin weit entfernt: In der Hauptstadt der armen Leute liegt die durchschnittliche Wohnfläche pro Einwohner bei 40 Quadratmetern.

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