Der Mais Mon810 der Firma Monsanto ist Studien zufolge als „Gefahr für die Umwelt“ einzustufen. So begründete Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) das Verbot der genveränderten Maissorte am Dienstag. Die Gefahr, von der in Berlin die Rede war, soll vor allem die Gewässerfauna betreffen, also Insekten und andere kleine Organismen, die im Wasser leben.
Die Maissorte Mon810 ist in der Lage, ein Gift zu produzieren, das sich gegen einen Maisschädling, den Maiszünsler, richtet. Dieses Gift schadet aber nicht nur den Raupen des Maiszünslers, eines Schmetterlings. Es kann auch die Entwicklung anderer Insekten beeinträchtigen, die wiederum Amphibien, Fischen oder Vögeln als Nahrungsquelle dienen. Darunter sind Wasserflöhe und Marienkäfer. Kritiker betrachten den Anbau genmanipulierter Pflanzen deshalb als gefährlichen Eingriff in die Nahrungskette.
Bis zu 50 Prozent Ernteverlust
Giftig für den Maiszünsler und andere Lebewesen wird der Mais, indem man ein Gen aus dem Bakterium Bacillus thuringiensis in sein Erbgut einschleust. Aus so veränderter Saat entstehen Maispflanzen, die ein Protein bilden, das die Darmwand der Maiszünsler-Raupen zerstört. Die Raupen fressen die Blätter der Maispflanze und bohren sich durch den Stängel. Wenn sie dabei das Gift aufnehmen, sterben die meisten der Raupen, bevor sie sich zum erwachsenen, fortpflanzungsfähigen Maiszünsler weiterentwickeln können.
Das Insekt gilt als einer der bedeutendsten Maisschädlinge in Deutschland. Es ist vor allem in Süddeutschland anzutreffen, findet sich mittlerweile aber auch im Oderbruch und südlich von Berlin, teilweise auch in Niedersachsen. Unter starkem Befall kann der Ernteverlust bis zu 50 Prozent betragen.
Dass Mon810 die Umwelt schwerwiegend schädigen kann, ist trotz vieler Untersuchungen seit langem umstritten. Auch die Studien, auf die sich die Landwirtschaftsministerin bei ihrer aktuellen Entscheidung beruft, kommen nicht zu einem einheitlichen Ergebnis. Ausschlaggebend für das Ministerium war eine Untersuchung des Instituts für Integrative Biologie in Zürich, die eine erhöhte Sterblichkeit bei Wasserflöhen und Zweipunkt-Marienkäfern durch genveränderten Mais nachwies.
Wichtig war auch eine Studie, die vor eineinhalb Jahren in der Fachzeitschrift „Proceedings of the National Academy of Sciences“ veröffentlicht wurde. Amerikanische Wissenschaftler untersuchten Maisfelder und nahe gelegene Gewässer. Sie fanden heraus, dass Blätter und Wurzelstücke der dort angebauten Maispflanzen bis zu 180 Meter flussabwärts von den Feldern entfernt auftauchten. Pollen konnten sich bis zu 60 Meter vom Anbauort entfernen. Von diesen Pflanzenresten ernähren sich unter anderem die Larven von Köcherfliegen. Als die Forscher die Larven im Labor mit Blättern von genmanipuliertem, gifterzeugenden Mais fütterten, halbierte sich die Wachstumsrate der Tiere.
Studien dieser Art standen immer wieder in der Kritik – auch, weil die Giftkonzentrationen, die die Versuchsinsekten im Labortest mit den Pollen aufnahmen, häufig zwei- bis dreimal so hoch waren wie die höchsten Werte, die in der Natur vorkamen. Das Bundesministerium für Landwirtschaft gewichtete aber einige neue Erkenntnisse besonders stark. „Eine wichtige Rolle bei der Entscheidung, Mon810 jetzt zu verbieten, spielte die Erkenntnis, dass der Pollenflug weiter reicht als bisher angenommen“, sagt Judith Kons vom Landwirtschaftsministerium. Zu diesem Ergebnis war ein Gutachten des Bundesamtes für Naturschutz gekommen.
„Keine negativen Einflüsse auf Lebensmittel“
Zwar ist die Schonung der Natur rund um Maisanbaugebiete das zentrale Argument in der derzeitigen Diskussion. Bis vor kurzem stand für die Gegner gentechnisch veränderter Pflanzen aber eine zweite Gefahr im Vordergrund. Mon810 ist eine Futterpflanze, das heißt, der geerntete Mais landet in den Futtertrögen von Nutztieren, die wiederum Lebensmittel für den Menschen liefern. Dass von solchen Produkten ein Risiko für den Menschen ausgeht, bestreitet jedoch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit in Parma, die für ganz Europa die höchste Autorität auf dem Gebiet der Risikobewertung ist. Sie war schon 2005 in einem Gutachten zu dem Schluss gekommen, dass Mon810 keine Gefahr für tierische Lebensmittel bedeutet. Zur Begründung zogen die Experten Fütterungsversuche an Masthühnern und Nagetieren heran.
Erst vor wenigen Wochen zog eine deutsche Studie großes Interesse auf sich. Wissenschaftler von der Technischen Universität München fütterten Kühe 25 Monate lang mit Mais, der das Gen für das Insektengift trug. Die Forscher konnten anschließend keinerlei Rückstände des genveränderten Futters in Milch, Blut oder Fleisch der Tiere finden. „Die Studie hat noch einmal belegt, dass keine negativen Einflüsse auf Lebensmittel durch die Verfütterung von genverändertem Mais an Nutztiere feststellbar sind“, sagt Judith Kons. Dass Mon810 vor allem und zunächst eine Gefahr für die Umwelt darstelle, sei deshalb bewusst so formuliert worden, als sich das Landwirtschaftsministerium zum Verbot entschied.
Sehr schön
wolfgang fischinger (phileas)
- 14.04.2009, 19:28 Uhr
Deutsche Ängste
Wolfgang Kruse (baloo43)
- 14.04.2009, 20:00 Uhr
Zea mays
(Wetterwitz)
- 14.04.2009, 20:10 Uhr
Wozu Genveränderungen in Nahrungsmitteln
T. Koehler (TomasBK)
- 14.04.2009, 20:14 Uhr
Insektizide
Jan Lüddecke (Antikeen)
- 14.04.2009, 20:33 Uhr