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Gedenken Trauerfeier in Winnenden begonnen

21.03.2009 ·  In Winnenden hat mit kurzer Verzögerung der Trauergottesdienst für die Opfer des Amokläufers Tim K. begonnen. Mehr als 30.000 Menschen haben sich in der Stadt und in der Region Stuttgart versammelt. Angehörige der Opfer hatten zuvor in einem offenen Brief Konsequenzen von der Politik gefordert.

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In Winnenden hat mit kurzer Verzögerung der Trauergottesdienst für die Opfer des Amokläufers Tim K. begonnen. Mehr als 30.000 Menschen haben sich in der Stadt und in der Region Stuttgart versammelt. Angehörige der Opfer hatten kurz vor Beginn der zentralen Trauerfeier Konsequenzen von der Politik gefordert. Sie wandten sich in einem offenen Brief an Bundespräsident Horst Köhler, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU).

Der Brief wurde am Samstag auf der Titelseite der „Winnender Zeitung“ veröffentlicht. Das Warum der Tat werde sicher nie vollständig geklärt werden können, heißt es darin. Wichtiger sei vielmehr die Frage: „Wie konnte es geschehen?“ „Wir wollen wissen, an welchen Stellen unsere ethisch-moralischen und gesetzlichen Sicherungen versagt haben“, schreiben die Familien von fünf getöteten Schülerinnen. Dazu gehörten auch das Aufzeigen der persönlichen Verantwortung und die daraus folgenden - auch juristischen - Konsequenzen.

Virtuelle Welt eine Bedrohung für unsere Gesellschaft

Weiter verlangen die Unterzeichner, den Zugang für Jugendliche zu Waffen zu erschweren, auf großkalibrige Waffen womöglich ganz zu verzichten, Gewaltdarstellungen im Fernsehen einzuschränken, Killerspiele zu verbieten, den Jugendschutz im Internet auszubauen und die Berichterstattung über Amok-Täter zu reglementieren. „In der virtuellen Welt werden heute anonym und gefahrlos Gedanken artikuliert und diskutiert, die eine Bedrohung für unsere Gesellschaft darstellen.“

Nach ihrem Willen solle eine „Gewaltquote“, die den Anteil von Sendungen mit Gewalt in Relation zur Gesamtsendezeit pro Sender setzt, eingeführt werden. Die Medien sollten nach Gewaltexzessen wie in Winnenden außerdenm verpflichtet werden, den Täter zu anonymisieren.Die Angehörigen schrieben in ihrem offenen Brief weiter: „In unserem Schmerz, in unserer Hilflosigkeit und in unserer Wut wollen wir ... nicht untätig bleiben“. Sie wollten „mithelfen, damit es kein zweites Winnenden mehr geben kann“.

Zehntausende zur Trauerfeier

Zehntausende Menschen machten sich am Samstagmorgen auf den Weg zur Trauerfeier nach Winnenden bei Stuttgart. Die Polizei sperrte Straßen ab und leitete den Durchgangsverkehr weiträumig um die Innenstadt herum. Die Deutsche Bahn setzte zusätzliche S-Bahnen ein; Regionalbahnen wurden um weitere Wagen verstärkt. Rund 250 Journalisten aus mehreren europäischen Ländern wurden erwartet. Die Glocken aller Kirchen im Bistum Rottenburg-Stuttgart sollten vor Beginn der Trauerfeier läuten.

Der Gottesdienst soll im Fernsehen und mehreren Radiosendern übertragen werden. Anschließend ist ein Staatsakt mit Reden von Bundespräsident Horst Köhler und Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) geplant. Auch Bundeskanzlerin Merkel wollte nach Winnenden kommen. Auf bis zu 15 Videoleinwänden sollte die Trauerfeier aus der Kirche St. Karl Borromäus in umliegende Hallen und Kirchen übertragen werden.

„Ein extrem trauriger Tag“

Der Grünen-Fraktionsvorsitzende im Bundestag Fritz Kuhn warnte davor, nach einfachen Lösungen zu suchen. „Die Leute wollen keine schlauen Rezepte, die wollen einfach nur Anteilnahme“, sagte Kuhn, der ebenfalls zur zentralen Trauerfeier am Samstag nach Winnenden reiste. Für ihn sei es ein „extrem trauriger Tag“.

Der 17 Jahre alte Amokläufer Tim K. hatte am 11. März an seiner ehemaligen Schule in Winnenden und auf der anschließenden Flucht nach Wendlingen 15 Menschen und danach sich selbst getötet. Seine Leiche wurde zwei Tage nach dem Massaker freigegeben, aber bisher nach Polizeiangaben nicht beigesetzt. „Wann und wo dies geschieht, wird nicht bekanntgegeben“, sagte eine Polizeisprecherin in Waiblingen der Deutschen Presse-Agentur dpa. Die Opfer des Amokläufers wurden bereits zu Grabe getragen.

Vor dem Elternhaus von Tim K. in Leutenbach-Weiler zum Stein (Rems-Murr-Kreis) legten Unbekannte rund ein Dutzend Kerzen ab. Auf einem Zettel stand in einem Schreiben an Tim K.: „Egal was geschehen ist, Du wirst immer einen Platz in meinem Herzen haben. Farewell and rest in peace. (Leb wohl und ruh in Frieden)“.

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