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Streit bei der AfD : „...dann kann es ein Kampf bis aufs Messer werden“

In vielen Fragen mit einem großen Dissens, aber eigentlich ganz aufgeräumt: Die AfD-Politiker Alexander Gauland und Bernd Kölmel während des Gespräches in Kassel. Bild: Marcus Kaufhold

Der Kampf ihrer Parteiflügel droht die AfD zu zerreißen. Ein Streitgespräch zwischen den Landesvorsitzenden von Brandenburg und Baden-Württemberg, Alexander Gauland und Bernd Kölmel, über Rechtspopulismus, Pegida und persönliche Feindschaften.

          Herr Gauland, neben Ihnen sitzt Herr Kölmel. Was halten Sie eigentlich von dem?

          Justus Bender

          Redakteur in der Politik.

          Alexander Gauland: Ich habe es immer abgelehnt, persönliche Feindschaften aus politischen Differenzen zu entwickeln. Das gilt auch für Herrn Kölmel.

          Sie haben also kein Problem mit ihm?

          Gauland: Nicht auf der menschlichen Ebene. Gleichwohl hat Herr Kölmel sich in der Partei eindeutig hinter Bernd Lucke und den aus meiner Sicht spalterischen Verein „Weckruf“ gestellt. Anders als er unterstütze ich Frauke Petry. Wenn Herr Kölmel sich entscheidet, die Partei mit allen „Weckruf“-Mitgliedern zu verlassen, dann hat er sie gespalten, und dann ist das nicht anders zu beurteilen als das Verhalten von Herrn Lucke.

          Und wie ordnen umgekehrt Sie, Herr Kölmel, Herrn Gauland ein?

          Bernd Kölmel: Mir imponiert Ihr Rückgrat, Herr Gauland. Sie sind mir auch persönlich sympathisch, aber dafür können Sie ja nichts. Ich meine aber, dass Sie das, was Sie gut können, das Schärfen von Profilen, genau in der Ecke übertreiben, in der es für die AfD gefährlich ist. Wenn man das in der Energiepolitik macht, kein Problem. Aber wenn wir über die Ausländerpolitik reden, sind wir in Deutschland weiterhin auf einem Terrain, auf dem man seine Worte sorgfältig wählen muss.

          Locken Sie durch Äußerungen zur Ausländerpolitik also Menschen an, die für die AfD gefährlich sind, Herr Gauland?

          Gauland: Das glaube ich nicht. Ich frage: Wo ist denn die Unterwanderung von den Neurechten, die immer behauptet wird?

          Können Sie Herrn Gauland Beispiele nennen, Herr Kölmel?

          Kölmel: Natürlich. Der thüringische Landesvorsitzende Björn Höcke hat gesagt, nicht jedes NPD-Mitglied sei extremistisch. So was kann ich im Politikstudium diskutieren. Wir sind aber in der realen Welt. Ein solcher Satz richtet großen Schaden für die Partei an.

          Gauland: Aber Herr Kölmel, die Gruppe um Frauke Petry, und damit auch ich, hat sich klar von dieser Aussage distanziert. Höckes Äußerung war politisch unklug. Wir wollen keine früheren Mitglieder von NPD und DVU in der AfD.

          Kölmel: Dann nenne ich Ihnen ein anderes Beispiel. Franziska Schreiber, Mitglied im Landesvorstand der Jungen Alternative in Sachsen, hat gesagt, wenn jemand den Holocaust leugnet, soll das nicht strafbar sein. Vor solchen Menschen müssen wir die Partei retten, sie vergraulen uns die vernünftigen Mitglieder.

          Herr Gauland, wie stehen Sie zum Verbot der Holocaust-Leugnung?

          Gauland: Frau Schreiber ist ein junger Mensch. Wenn ich mich erinnere, was in meiner Jugendzeit die Jungsozialisten von sich gegeben haben, wie sie für Diktatoren wie Mao und Pol Pot eingetreten sind, dann denke ich, man sollte diese Äußerung nicht so ernst nehmen.

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          Herr Kölmel, macht Sie nervös, was Herr Gauland sagt?

          Kölmel: Es macht mich nicht nervös, es macht mich traurig, schon seit Monaten. Herr Gauland, ich hatte immer das Gefühl, Sie sind unheimlich wichtig für die AfD. Aber genau an dem Punkt sehe ich eine Gefahr. Was Sie sagen, würde unter Laborbedingungen alles stimmen. Aber Sie werden damit nicht verhindern, dass neben einer Franziska Schreiber noch andere zu uns kommen. Dann sagt auf einmal einer, Barack Obama sei der „Quotenneger“, und der Nächste sagt, der Koran sei wie Hitlers „Mein Kampf“. Das Schlimme ist: Bei den Einzelbeispielen werden wir immer einer Meinung sein. Sie aber sagen: Das müssen wir alles aushalten. Ich sage: Wenn wir eine gewachsene Struktur hätten, könnten wir lockerer damit umgehen. In der Dynamik unserer jungen Partei könnte es aber sein, dass wir bald ganz scharf rechts abbiegen.

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