http://www.faz.net/-gpf-8h19r

Gauland rät zur Vorsicht : Front National sucht Nähe der AfD

  • Aktualisiert am

Frankreich zuerst: FN-Chefin Marine Le Pen spricht in Paris Bild: dpa

Der rechtsextreme französische Front National fühlt sich der AfD im Geist verbunden. In der rechtspopulistischen Partei streiten führende Vertreter nun über eine Einladung von FN-Chefin Le Pen an die AfD-Vorsitzende Petry.

          Der stellvertretende AfD-Vorsitzende Alexander Gauland ist gegen eine enge Zusammenarbeit seiner Partei mit der französischen Rechtsaußen-Partei Front National (FN). „Ich würde es zum Beispiel nicht für sinnvoll halten, jetzt ein symbolträchtiges Treffen zwischen (den Parteichefinnen) Marine Le Pen und Frauke Petry zu organisieren“, sagte Gauland der Deutschen Presse-Agentur.

          Die Front National bemüht sich um ein bürgerliches Image, hat ihre Positionen im Vergleich zur Zeit des Parteigründers Jean-Marie Le Pen aber kaum verändert. Der Vater der Parteichefin wurde mehrfach wegen Anstiftung zum Rassenhass und Leugnung von Nazi-Verbrechen verurteilt; er wurde von seiner Tochter aus der FN gedrängt.

          Sie hat gute Chancen, bei der Präsidentenwahl 2017 in die Stichwahl zu kommen. Nach eigenen Angaben hat die Partei rund 83 000 „Mitglieder und Unterstützer“. Selbst sieht sich die FN als Bewegung, nicht als Partei.

          Der FN-Delegationsleiter im Europaparlament, Edouard Ferrand, sagte der Zeitschrift „Spiegel“, er wolle AfD-Chefin Petry nicht nur zu einem Gespräch mit Le Pen einladen, sondern auch zum Besuch des nächsten Parteitages.

          Der bayerische AfD-Landesvorsitzende Petr Bystron forderte seine Partei auf, enger mit der FN zusammenzuarbeiten. Er sagte dem „Spiegel“: „Selbstverständlich sollten AfD-Vertreter wie Frauke Petry den Front National treffen und gemeinsame Schnittmengen erkunden.“

          Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Parteien sieht auch der SPD-Bundestagsabgeordnete Joachim Poß. „Beide Parteien wüten und hetzen, ohne den Menschen in Europa realitätstüchtige und demokratische Lösungen für die anstehenden Probleme zu bieten“, sagte er dem „Handelsblatt“.

          Gauland sieht das anders. Er sagte, eine Zusammenarbeit mit Le Pen im Europäischen Parlament sei für die AfD kein Problem, weil beide Parteien für ein „Europa der souveränen Vaterländer“ einträten. Das „innenpolitische Gesicht“ der französischen Partei sehe jedoch ganz anders aus als das der AfD. „Bis vor kurzem war der Front National auch antisemitisch“, fügte er hinzu.

          Der EU-Abgeordnete Marcus Pretzell hatte sich nach seinem Ausschluss aus der konservativen EKR-Fraktion Anfang Mai der rechten EFN-Fraktion im Europäischen Parlament angeschlossen.

          Gemeinsame Front mit Marine Le Pen: Der AfD-Europaabgeordnete Marcus Pretzell (li.) ist in einer Fraktion der Rechtsaußenparteien
          Gemeinsame Front mit Marine Le Pen: Der AfD-Europaabgeordnete Marcus Pretzell (li.) ist in einer Fraktion der Rechtsaußenparteien : Bild: dpa

          Dieser Fraktion gehören neben der österreichischen FPÖ auch die italienische Lega Nord, die Front National und die niederländische PVV von Geert Wilders an. Die zweite AfD-Abgeordnete im Europäischen Parlament, Beatrix von Storch, wurde Mitglied der EFDD-Fraktion des britischen Rechtspopulisten Nigel Farage (Ukip).

          Weitere Themen

          Die zwei von der Baustelle

          FAZ Plus Artikel: Merkel und Macron : Die zwei von der Baustelle

          Die Regierungen in Paris und Berlin haben eigene Vorstellungen für Europas Zukunft. Bei den Finanzen kommen Merkel und Macron kaum voran – auf anderen Feldern schon. Einen Staatsempfang bei Donald Trump bekommt aber nur einer von beiden.

          Nahles wird SPD-Chefin Video-Seite öffnen

          Mit 66 Prozent : Nahles wird SPD-Chefin

          Mit dem zweitschlechtesten Ergebnis in der Nachkriegsgeschichte der Partei ist Andrea Nahles zur Vorsitzenden der SPD gewählt worden. In ihrer Bewerbungsrede sagte sie zu, dass eine Erneuerung der Partei nicht zu kurz kommen werde.

          Topmeldungen

          Kriminalitätsstatistik : Eine feste Burg ist unser Haus

          Lange stieg die Zahl der Einbrüche, nun ist sie um ein Viertel gesunken – weil viele ihr Zuhause sicherer machen und Ermittler neue Technik nutzen.

          Der moderne Krieg : Wir müssen vorbereitet sein

          Die Sicherheitslage verschlechtert sich, Bedrohungen richten sich immer mehr gegen die Zivilgesellschaft. Was die Skandinavier dagegen tun, würde wohl auch John Lennon gut finden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.