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Gauck in Afghanistan „Immer noch kriegsähnliche Zustände“

Eine Woche vor Weihnachten besucht der Bundespräsident die Truppe in Afghanistan. Joachim Gauck dankt den deutschen Soldaten und lobt die Fortschritte am Hindukusch. Gleichwohl herrschten dort immer noch „kriegsähnliche Zustände“.

© REUTERS Vergrößern Bundespräsident Gauck und seine Lebensgefährtin Daniela Schadt nach der Landung in Mazar-i-Scharif

Bundespräsident Joachim Gauck ist am Montag erstmals zu einem Truppenbesuch nach Afghanistan gereist. Dort herrschten immer noch „kriegsähnliche Zustände“, sagte Gauck im deutschen Hauptquartier bei Mazar-i-Sharif laut veröffentlichtem Redetext. Diese Formulierung hatte der damalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg vor gut drei Jahren geprägt. Gauck rief zu einer realistischen Einschätzung der Lage auf, anstatt sich in Schwarzmalerei oder Schönfärberei zu ergehen. In Deutschland müsse ehrlich über den Einsatz gesprochen werden, forderte der Bundespräsident.

Der internationale Einsatz sei nicht am Ziel, aber er wolle bewusst von einem Erfolg sprechen, fuhr Gauck fort. Man höre in Deutschland von verwundeten oder getöteten Soldaten, nicht aber von zivilen Errungenschaften wie Stromanschlüssen und Schulabschlüssen.

„Sie bringen Opfer. Sie zeigen Mut“

Der Bundespräsident dankte Soldaten, Polizisten und Entwicklungshelfern für ihr Engagement: „Sie leisten Außerordentliches. Sie bringen Opfer. Sie zeigen Mut“, erklärte Gauck nach seiner Landung mit einem Airbus der Flugbereitschaft der Bundeswehr auf dem Flugfeld von Camp Marmal im nordaghanischen Mazar-i-Scharif. In seinen Dank schloss Gauck auch Familien und Freunde der in Afghanistan stationierten Deutschen ein. Eine Woche vor Weihnachten sei dieser Dank besonders groß.

Der Einsatz der Soldaten sei Ausdruck einer in unserer Gesellschaft nicht selbstverständlichen Bereitschaft zum Dienen. „Sie arbeiten auch daran, hier in Afghanistan diejenigen zu ermutigen, die Frieden, Demokratie und Wohlstand schaffen wollen“, sagte er. 

Die Reise des Bundespräsidenten war aus Sicherheitsgründen nicht angekündigt worden. Gauck wurde von seiner Lebensgefährtin Daniela Schadt und vom Generalinspekteur der Bundeswehr, Volker Wieker, begleitet. Gauck will mehrere Tage in Afghanistan bleiben.

German President Gauck is welcomed by General Pototzky © REUTERS Vergrößern In Mazar-i-Scharif wurde Bundespräsident Gauck vom Kommandeur des Isaf-Regionalkommandos, Generalmajor Erich Pfeffer, begrüßt

Auch Gaucks Vorgänger Christian Wulff und Horst Köhler hatten jeweils einmal während ihrer Amtszeit Afghanistan besucht. Wulff hatte dem Land im Oktober 2011 einen Staatsbesuch abgestattet. Dessen Vorgänger Horst Köhler traf 2010 deutsche Soldaten am Hindukusch, trat kurz darauf aber zurück, nachdem er den Bundeswehreinsatz in einem Radiointerview mit wirtschaftlichen Interessen in Verbindung gebracht hatte.

Im November war Verteidigungsminister Thomas de Maizière erstmals mit einem zivilen Regierungsflugzeug direkt nach Mazar-i-Scharif geflogen - so wie jetzt auch Gauck. Davor mussten Regierungsmitglieder und andere hochrangige Besucher immer im usbekischen Termes in eine Militärmaschine umsteigen. Der Direktflug soll auch die verbesserte Sicherheitslage im Norden Afghanistans unterstreichen. Zuletzt kam im Sommer 2011 ein deutscher Soldat in Afghanistan ums Leben.

Derzeit sind noch gut 4500 deutsche Soldaten in dem Land am Hindukusch stationiert. Bis Ende 2014 soll die Verantwortung für die Sicherheit an die afghanischen Streitkräfte übertragen werden. Schon bei seinem Antrittsbesuch an der Führungsakademie in Hamburg hatte der Bundespräsident im Juni die Bundeswehr als „Friedensmotor“ und die Soldaten als „Mutbürger in Uniform“ bezeichnet. Zudem rief er dazu auf, ihren Aufgaben mehr Verständnis entgegen zu bringen. Als „Zivilist im friedlichen Deutschland“ könne man sich die Entbehrungen und Gefahren eines Lebens im afghanischen Mazar-i-Scharif nur schwer vorstellen.

Unterdessen kamen am Montagmorgen bei der Explosion einer Landmine im Osten Afghanistans zehn junge Mädchen ums Leben. Bei einem Selbstmordanschlag in Kabul wurde eine Person getötet. Der Attentäter war mit Sprengstoff im Auto auf das Gelände einer amerikanischen Baufirma gefahren. Mehr als ein Dutzend Personen wurden verletzt.

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Quelle: FAZ.NET

 
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Veröffentlicht: 17.12.2012, 14:24 Uhr