http://www.faz.net/-gpf-7rxif

Gauck gegen Antisemitismus : „Wir wollen das nicht länger hinnehmen“

  • Aktualisiert am

Setzt ein Zeichen der Solidarität: Bundespräsident Gauck verurteilt im Schloss Bellevue antisemitische Hetzparolen auf Demonstrationen gegen Israel Bild: dpa

Nach Tagen antisemitischer Hetze auf Demonstrationen gegen die israelische Militäroffensive setzt Bundespräsident Joachim Gauck ein starkes Zeichen. Zuvor hatte er mit dem Vorsitzenden des Zentralrats der Juden telefoniert.

          Bundespräsident Joachim Gauck hat angesichts anti-jüdischer Proteste in mehreren Städten die Bürger aufgerufen, sich aktiv gegen Antisemitismus zur Wehr zu setzen. Für Deutschland sei es eine Freude, dass es jüdische Gemeinden gebe und Nachkommen von Menschen hier lebten, die andere hätten vom Erdboden tilgen wollen.

          „Aus diesem Grund möchte ich alle Deutschen auffordern und alle Menschen, die hier leben, auffordern, immer dann ihre Stimme zu erheben, wenn es einen Antisemitismus gibt, der sich auf den Straßen brüstet“, sagte Gauck am Mittwoch im Schloss Bellevue. „Wir wollen das nicht hinnehmen.“ Der Bundespräsident fügte hinzu: „Wir wollen dieses Land als ein Land der Toleranz und der Offenheit und als ein Land, das allen Menschen, die hier wohnen, Sicherheit garantiert.“

          Gauck hatte am Vormittag wegen der Vorfälle mit dem Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, telefoniert. Dabei habe er erfahren, dass die Stimmung in den jüdischen Gemeinden schlecht sei. Dies habe ihn erschreckt.

          In dem Telefongespräch versicherte Gauck dem Präsidenten des Zentralrats seine Solidarität. Wie Graumann am Mittwoch mitteilte, hat das Staatsoberhaupt in einem Telefonat deutlich gemacht, dass er die Sorge der Juden in Deutschland sehr ernst nehme.

          Graumann bedankte sich für diese Geste des Präsidenten: „Wir Juden sind hier willkommen und mit unseren Sorgen nicht alleine. Das sind wichtige Signale, die uns Mut machen.“ Graumann ergänzte, viele Gemeindemitglieder seien im Moment „sehr verunsichert, besorgt und absolut schockiert angesichts der übelsten judenfeindlichen Parolen.“

          Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel verurteilte die anti-jüdischen Proteste in Deutschland scharf. Die Gewaltausbrüche und antisemitischen Äußerungen bei pro-palästinensischen und anti-israelischen Demonstrationen seien „ein Angriff auf Freiheit und Toleranz“, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Georg Streiter am Mittwoch in Berlin.

          Zentralrat der Muslime verurteilt Parolen

          Zudem handele es sich um den Versuch, „unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung zu erschüttern“. Die Bundeskanzlerin und die gesamte Regierung verurteilten die Vorkommnisse aufs Schärfste. „Dies können und werden wir nicht hinnehmen“, sagte Streiter.

          Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman A. Mazyek, hat antisemitische Parolen bei Demonstrationen gegen Israels Miliräoffensive verurteilt. „Wer Judenhass predigt oder meint, im Zuge des Gaza-Krieges Antisemitismus verbreiten zu müssen,hat in unserer Gemeinde nichts zu suchen“, sagte Mazyek am Mittwoch. Mazyek forderte Demonstranten und
          Öffentlichkeit dazu auf, die „Trennschärfe“ zwischen „erlaubter Kritik an Israels militärischem Eingreifen in Gaza und antisemitischen Äußerungen einzuhalten“.

          Erhöhte Gefahr für israelische Einrichtungen

          Das Innenministerium geht nach Angaben eines Sprechers von einer erhöhten Gefahr für israelische Einrichtungen in Deutschland aus. Die Sicherheitsbehörden in Bund und Ländern seien entsprechend sensibilisiert und stimmten sich eng ab.

          Weitere Themen

          Palästinenser sterben bei Explosion Video-Seite öffnen

          Versehentlich ausgelöst : Palästinenser sterben bei Explosion

          Seit der offiziellen Anerkennung Jerusalems als israelische Hauptstadt durch Donald Trump hat die Gewalt in Israel und den Palästinensergebieten wieder zugenommen. Zwei Mitglieder einer palästinensischen Extremistengruppe sind dabei durch einen Unfall ums Leben gekommen und nicht, wie zuerst behauptet, durch einen israelischen Luftangriff.

          Jerusalem-Proteste werden fortgesetzt Video-Seite öffnen

          Berlin : Jerusalem-Proteste werden fortgesetzt

          In Berlin haben abermals hunderte Menschen gegen die Anerkennung Jerusalems als israelische Hauptstadt durch Donald Trump protestiert. Teilnehmer äußerten sich äußerst aufgebracht.

          Topmeldungen

          Städtisches Leben soll auch Sicherheit und Geborgenheit vermitteln: Wohnneubauten in Berlin-Friedrichswerder

          Innovative Stadtplanung : Man möchte wissen, wo man ist

          Wollen wir mehr Überwachung, oder soll der Stadtraum die Tugenden der offenen Gesellschaft widerspiegeln? Ideen für eine Stadt, in der man gut und gerne leben könnte.

          Antisemitismus in Europa : Trump ist nicht schuld am Hass auf die Juden

          Die antijüdischen Vorfälle in Berlin und anderen europäischen Städten haben nichts mit Donald Trumps Entscheidung zu tun, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen. Die wirklichen Ursachen für den europäischen Antisemitismus liegen viel tiefer. Ein Gastbeitrag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.